kuekensalat

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Die sechs Phasen der Menschwerdung (nach einer Trennung)

Fixed it by slayerbitch (http://browse.deviantart.com/#/dxlq96)

Phase eins: Die Amöbe

In etwa so wie bei Stephanie Meyer’s Twilight Vampirglitzerschmonzette beschrieben befindet sich die Verlassene Partei in einer Art gehirntotem Zustand, der je nach Tiefe und Dauer und Ernsthaftigkeit der Beziehung (und emotionaler Reife der Partei) unterschiedlich lang andauern kann. Zusammengekauert herumliegen oder sinnbefreit Laute von sich geben, die sich nach einem verendenden Walross anhören, gehört dazu. Ebenso der vermehrte Verbrauch von Taschentüchern und die Nachahmung eines Klumpen Brotes, der sich langsam in Selbstmitleid auflöst.

Manchmal ist diese Phase berechtigt und berechtigt lang. Manchmal wird sie auch glücklicherweise komplett übersprungen.

Phase zwei: Die Orale Phase

Entstandene Löcher in Leben und Selbstwertgefühl werden durch den vermehrten Konsum verschiedener Nahrungsmittel und/oder Genussmittel, manchmal auch Psychopharmaka oder bewusstseinserweiternder Substanzen vermeintlich gestopft. Das führt meistens dazu, dass die betreffende Person nach kürzester Zeit einfach nur noch scheiße aussieht und noch wütender auf sich und die Welt ist. Wichtig ist hierbei, nicht in Selbsthass zu verfallen, denn das ist sehr peinlich, sobald man aus der Phase wieder raus ist. Außerdem muss man sich fragen, was mit jemandem nicht stimmt, der sich lieber vier Schachtel Zigaretten in die Lunge kleistert, als mit sich selbst klar zu kommen. Vermutlich alles. Aber das ist nur meine Ansicht. *hust* Schokolade hilft auch nur vorübergehend, nämlich so lange bis einem schlecht ist. Auch das kann genüsslich übersprungen werden. Alkohol sollte man nicht allein zu sich nehmen, jedenfalls nicht mehr als drei Flaschen Wein am Abend, aber auch in Gesellschaft nicht bis zum Verlust der Sprechfähigkeit – denn sonst schlägt die Peinlichkeit wieder zu. Mark my words!

Bei vielen Männern ist diese Phase bekannt als die „Ich vögel wild in der Gegend rum/hol mir ne andere und weine dann in drei Monaten, wenn mir klar wird, dass ich damit nix löse-Phase“. Auch die ist in Retrospektive sehr, sehr peinlich.

Phase drei: Der  Z O R N

Der Zorn kann kindisch oder auch berechtigt, glühend heiß wie tausend Sonnen oder ein bisschen lauwarm sein. Auf jeden Fall ist er meistens vorhanden und wird in fiesen kleinen Rachefantasien oder -Akten ausgelebt. Ein Tipp an alle Zornigen: Atmet den Zorn! Genießt den Zorn! Aber was auch immer ihr tut, passt auf, dass man es euch nicht nachweisen kann. Affekthandlungen gelten 3 Wochen nach der Trennung nicht mehr als solche. Und nicht, dass ihr den brennenden Lieblingswagen oder das vergammelte Huhn in der Lüftungsanlage dann doch bezahlen müsst! Es ist auch schön, die Phantasien zu teilen mit Freunden, die genauso zornig sind.

Wenn ihr zornig seid, gibt es wenigstens schon mal eine gute Nachricht: Ihr seid auf dem richtigen Weg!

Phase vier: Die Akzeptanz

Nach dem ganzen Wehgeleide und Gejammer, Freunde generve und Geschniefe in halbleere Biergläser ob der Ungerechtigkeit, die einem zuteil wurde kommt irgendwann der Moment, wenn man feststellt: Boah. Hab ich keinen Bock mehr, über die Person zu reden. Wie mich das ganze Thema nervt.

Herzlichen Glückwunsch, du hast die Tatsachen endlich akzeptiert! Egal wie sinnfrei das Verhalten der anderen Partei war, egal wie scheiße man behandelt wurde oder wie blöde man selbst sich verhalten hat, es ist einfach vorbei! Und wie heißt es so schön: Don’t cry over spilt milk. It’s gone ANYWAY. Und es noch das ein millionste Mal durchzudiskutieren hilft genau so viel: Nix. Jetzt heißt es: Aussitzen. Der Rest kommt von alleine.

Phase fünf: Back to Life

Der Moment, an dem alles Facebook-Stalken, Nummer anstarren, Zusammenzucken beim Namen und überlegen wo wie und mit wem bzw. in welcher Stellung er/ sie/ es sich gerade befindet ein Ende hat. Der Moment, wo man allein beisammen ist und es ab diesem Moment auch bleibt. Der Moment, wo besagte Person nackt vor der Tür stehen könnte mit einem Schild um den Hals: ICH LIEBE DICH; LIEBE MICH FÜR IMMER, ICH WERDE ALLES TUN WAS DU VON MIR WOLLTEST UND NOCH MEHR, ES TUT MIR SO LEID; HEIRATE MICH und man ihr mit den Worten „Geh weg.“ die Tür vor der Nase zu hauen würde. Der Moment, wo selbst die Verletzungen egal werden und man sich denkt: „Haaaaallo Welt!“ Wo man weiß, „Die Stadt gehört mir und ich kann tun und lassen was ich will!“ Wo das Solosein alle seine Vorzüge auspackt und man total zufrieden ist mit sich und den vielen Freunden, für die man endlich wieder Zeit hat. Gottseidank ist man den/die/das los.

Phase sechs: Hallo! Wer bist du denn?

Wenn man vergessen hat, wie scheiße Trennungen sind und man sich langsam wieder damit anfreunden kann, kalte Füße unter der Bettdecke in die Wade gestippt zu kriegen oder seine Wochenenden nicht allein zu verbringen, ein paar Hobbies einzustampfen oder jemand anderen dahin mit zu nehmen, Kompromisse zu machen, sich um die Frühstücksbrötchen zu streiten.. und wer die Weltnachrichten zuerst lesen darf. Im Idealfall ist derjenige, der dieses Mal kommt verdammt wunderbar, denn weniger als verdammt wunderbar sollte es nicht wert sein, die gewonnene Freiheit wieder aufzugeben.

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Läuse tragen keine Hüte

Hochzeiten sind ein tiefer Sumpf potentieller Fettnäpfe, in denen man, bei entsprechend ausgeprägtem Geschick, mühelos einen ganzen Abend verbringen kann. Dabei kann es sich auch durchaus zutragen, dass der Fettnapf vorübergehend verlassen und ein neuer aufgesucht wird. Es gibt ja so viele.

Schöne Hochzeitsanekdoten drehen sich meistens um die letzte unverheiratete Person im Bekanntenkreis beim Brautstraußwerfen, peinliche Bekannte und ehemalige Beziehungen, die sich jetzt unfreiwillig begegnen um, von einer Aura der Eiszeit umgeben, alles um sich mit gestelzten Unterhaltungen und bissigen Kommentaren zu unterhalten. Auch peinliche Spiele bieten eine astreine Möglichkeit – aber ich schweife ab.

Ich bin auf dem Weg zu einer Hochzeit, bei der ich zwar an dem Wohnort meines dreimal verfluchten Exfreundes vorbei fahre, nicht aber Gefahr laufe, ihm zu begegnen. Schöner wäre es natürlich, wenn ich tatsächlich schon vollends über ihn hinweg wäre. Aber nichtsdestotrotz habe ich mich in mein strahlendstes Ich verwandelt und vor, den ganzen Abend mit Fotos zu verbringen. Auf der Hochzeit angekommen werde ich mit meinem Freund Hendrik und seiner – mittlerweile nicht mehr so neuen, aber allgemein eher tolerierten als geliebten, vollbusigen – Freundin begrüßt. Beide sind sehr niedlich zusammen, wenn auch notorisch nervtötend nach einer gewissen Weile. Es hat auch was für sich, wenn Paare eine gewisse Zeit voneinander getrennt ertragen können. Auch nach mehreren Jahren scheint das bei den beiden eher ein Ding der allgemeinen Unmöglichkeit zu sein.

Ich fotografiere und beneide sie beide im Stillen um ihre – zumindest gerade in diesem Moment – schöne Beziehung. Andere Paare finden sich ein, dann kommt die ganze Zeremonie, komplett mit Elterntränen und Geschniefe und Ritualen, wie man das eben so kennt. Ich laviere mich hauptsächlich intakt durch das Dilemma, indem ich permanent die Kamera in der Hand habe. Essen, Reden, Darbietungen in zwei Sprachen, mehr Essen. Hendrik und Sabine kleben aneinander, das Hochzeitspaar und die anderen Paare am Tisch mit mir ebenfalls. Ich sitze daneben und gucke mir an, wie sie sich gegenseitig das Gesicht wegnuckeln. Ekelhaft.
Irgendwann kommen sogar noch meine unglaublichen Fremdsprachen- und Problemlöseskills zum Einsatz, als mir ein dänischer Gast eröffnet, dass er sein iPhone im Taxi hat liegen lassen. Seine Freundin ist toll. Naja, nach Dänemark wollte ich ja auch nie auswandern.

Als mir nachts ein zwei Köpfe kleinerer Däne auf den Hintern klatscht, bin ich bereit, mich in eine Ecke zu setzen und an einem Jägermeister zu nippen. Wo ist die Realität, wenn man sie mal braucht und warum lebe ausgerechnet ich in einem Roman?