kuekensalat

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Ein Kommentar

ME ME and the GIMME GIMME’s

Ich habe ein Talent zu Männern mit Vornamen, die am Ende der 60er Jahre eigentlich schon unpopulär waren,  aber hartnäckig von lieblosen (oder nostalgischen) Müttern zu verlängerter Existenz im 21. Jahrhundert gezwungen wurden. Beispiele dafür sind die letzten Herren meiner Tinderliste: Burkhard, Detlef, Gerald, Gustav oder auch Helmut.

Diese armen Männer sind allerdings nicht Mittsiebziger im Kegelklub auf dem Dorf, sondern Anfangdreißiger mit Beziehungsfindungsmission.

Mein letztes Date war also mit Helmut, einem wirklich lieben und netten – nunja, schon Enddreißiger, aber was soll’s. Er arbeitete beruflich mit Pflanzen und Gartengestaltung, war zwei Meter groß und stellte sich in seinen Fotos als bärtiges Nordlicht vor. Wortkarge Nordlichter bin ich ja gewöhnt und so fiel es mir auch weder wirklich schlimm auf noch ins Gewicht, dass er beizeiten wenig tat, um die Gespräche in Gang zu halten oder Dinge über mich zu erfahren auf der Plattform. Klar, der Alltag, dachte ich, der nervt schon bei so aufwendigen Dingen wie Onlinedating. Geht mir ja oft genug genauso.

Grundsätzlich aber gab es Berührungspunkte in gemeinsamen Serienvorlieben und der Begeisterung für Grünzeug und große Dinge (und Menschen) und auch der Kontakt war, wenn nicht von einem unfassbar regen oder inspirierenden, so doch regelmäßigen und bodenständigen Austausch geprägt… so dass wir uns für ein Date im Berggarten verabredeten.

Der Tag war regnerisch, ich hatte viel zu tun, trotzdem entschied ich mich pflichtbewusst den Weg anzutreten. Auf der Hälfte unterrichtete er mich darüber, dass er im Stau feststecke und so kam es, dass wir uns mit einer Verspätung von einer halben Stunde unter grauem Himmel begegneten.

Erster Eindruck: Was für ein TIER von einem Mann – riesig, muskulös, einfach… groß! Zweiter Eindruck: Jeans schlabbert, Turnschuhe schlabbern, gibt es ein Kleidungsstück an dem Mann das nicht lässig abhängt? Und wer hat ihm diesen Stock in den Hintern gesteckt?

Helmut war sehr gerade. Immer. Bei allem. Geradeheraus belehrte er mich über die verschiedenen Kräuter des Gartens, geradeheraus stand er die meiste Zeit wie ein Baumstamm und lief wie ein Bodybuilder. Und sprach von seinen Errungenschaften, seinen Leistungen, seiner Familie und dem Umgangston auf dem Bau, dem alkoholisierten Kollegen, den stumpfen Dialogen, den grandiosen Aktionen die sie so gebracht hatten..wären wir nicht gegangen, wäre ich zwischendurch eingeschlafen. Ich könnte ein Buch über ihn, seine Familie, den ausbilderischen Werdegang seiner Schwester, die Autos die sie fahren, das Geld das sie verdienen, seine Schulden, seine Jugend, seine Ausbildung, seine Zeit als Ausbilder, seinen Rücken, seine Lieblingsbäume, seine Abnehmkur, sein Auto, seinen Hund und seinen Lieblingssport sowie seine innersten Gedanken beim American Football und die Filme bei denen er geheult hat, schreiben.

Ich bin nicht sicher, ob er sich überhaupt meinen Namen gemerkt hat.

 

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Mr. Kinderfahrrad

schnulliiiiFreitag Nachmittag, es ist Listermeilenfest. Ich habe eigentlich keine Lust, aber da ich ja kontaktsuchende Kontaktfreudige und kein Arschloch der kurzen Absagen bin, überrede ich mich selbst, wenigstens für eine Stunde das Date auf mich wirken zu lassen, das jetzt vor mir liegt.

Der Herr hatte mich mehrfach enthusiastisch angeschrieben und ich traf mich mit „spielerisch“, 32 Jahre alt.

Erster Eindruck: Hm, groß, dunkel, Bart = gut. Halbwegs aufrechter Gang trotz Größe = sehr gut. Längsgeripptes, bedrucktes, knallrotes Polohemd kombiniert mit kurzer Hose mit Print in Khaki = Zweifelhaft. Turnschuhe mit Sneakersocken = Gottseidank. Irgend so ein Rucksack = Ok.

Nach einem durchaus von seiner Seite deutlich aufgeregteren Eindruck als von meiner Seite (siehe oben) kamen wir doch recht normal ins Gespräch, schlenderten ein wenig und setzten uns dann zu einem Getränk. Ich bestellte eine Weißweinschorle, er einen Kiba.

Nun gut, sagte ich mir, offensichtlich niemand, der seinen inneren Mann raushängen lassen muss. KANN ja ganz nice sein.
Nach einigen schlechten Witzen unter der Gürtellinie, über die ich trotzdem lachen musste wohlgemerkt, ratschten wir über weitere Belanglosigkeiten, Essen, Freizeit, Kram. So richtig intensiv wollte der Funke nicht überspringen, aber ganz furchtbar war es auch nicht.

Dann kam der Moment mit der Rechnung. Seien wir ehrlich: Ich bin altmodisch. Wer um das Date gebeten hat, bezahlt die Rechnung. Teilt man die Rechnung, war das Date nichts. Er, die ganze Zeit brennend interessiert seiner Art nach, gab zur Rechnung von neun Euro irgendwas sechs Euro dazu und sagte: „Ich gebe sechs.“ Ich steckte die sechs ein, gab dem Herrn Waiter einen 50er und wollte dann 40 wieder haben. Seufz, dachte ich, seufz, seufz, seufz.

Dann standen wir auf. Und erst in diesem Augenblick wurde ich wirklich seiner Tasche gewahr: Ein Rucksack, schwarz, mit einem rot eingestickten Tribalmotiv auf der Vorderseite und einem Tierchen am Reißverschluss. Ich schluckte. Okay, dachte ich, atme. Okay. Er heißt auch spielerisch auf der Plattform, das könnte ja auch ein total bedeutender Talisman sein. (Ich persönlich HASSE Taschen; Lieber stecke ich mir meine Bankkarte und ein paar Scheine in die Hosentasche, als die ganze Geldbörse rumzuschleppen. Das gilt natürlich nur für Stadttouren und kurze Besorgungen, zum Arzt z.B, und Dates.)

Nach noch einem weiteren Schlendern über die Meile, wo er mich mit großen Augen anschaute und mich fragte, ob es mich störe, wenn er ein Fischbrötchen äße (wer bin ich, seine Gouvernante?!) kamen wir zurück zum Fahrrad.

Und dort wartete eine Offenbarung auf mich. An seinem zweifarbig dekorierten, mit Sternchen beklebten Damenfahrrad mit tiefem Einstieg, war ein liebevoll angebrachter Schriftzug: „Mein Stern“. Er setzte sich seinen eher kübelförmigen Fahrradhelm auf, packte seinen mit Tierchen versehenen Rucksack in den Alte-Damen-Frontkorb und schwang sich auf den blauen Sattel. Ich sagte: „Süßes Fahrrad. Sieht ein bisschen aus wie ein Kinderfahrrad.“ Er darauf: „Ich geb‘ dir gleich mal Kinderfahrrad. Das habe ich selbst gemacht!“

Und ich dachte: MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖP. Bitte, lass es ein Zeichen seines Vertrauens in seine eigene Männlichkeit sein – aber mich hat es nicht überzeugt. Ich gerate auch in Verzückung, wenn ich Plüscheinhörner sehe, kann kindisch sein oder quietschen wenn mir jemand etwas Süßes bastelt – trotzdem trage ich keine peinlichen Hüte mehr oder habe Kuscheltiere im Bett.

Ich möchte wirklich keinen Mann, der sich mit meinen Kindern um die Spielsachen prügelt.


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Vom Lesen des Profils

„Boah du bist so geil, so geheimnisvoll.“

„Ich mag dein Profilfoto. Schreiben?“

„Hallo liebe XY, mein Name ist Z, ich mag gerne…“

Und wieder lasse ich entgeistert meinen Kopf auf die Tastatur klappen und mein Gehirn weigert sich, weiterhin mit meinem Onlinedating-Vorhaben zu kooperieren. Mitschuld daran tragen zum Einen meine Exfreunde, die mir eindrucksvoll beigebracht haben, was ich nicht will und was ich will sowie meine mittlerweile um ein Jahr Singledasein und einige spannende Begegnungen gewachsene Erfahrung.

Wieder piept das Postfach. Ich öffne die Nachricht und mir entgegen purzelt ein Machwerk der professionellen groben Interpunktionsunterschlagung: „Hallo süße Fotos aber ich bin nix mit drei Kindern kriege ich eh nur Absage.“

Ich runzle die Stirn bis ich herausgefunden habe, was Mirko41 mir damit sagen will. Dann klicke ich auf sein Profilbild. Mir starrt ein verkniffenes Hamstergesicht mit Fönwelle vor einer, mit einem beigefarbenen Lilienmuster geprägten, Wandtapete entgegen. Mirkos Frau – oder seine Mutter – hat außerdem im Hintergrund einen stark verzierten Spiegel aufgehängt, in dem sich die Pusteblumen-Pendellampe von Ikea spiegelt. Nachdem ich mich von dem Geschmacksunfall im Hintergrund erholt habe und wieder atmen kann, schaue ich mir sein Profil genauer an und leide noch ein bisschen unter dem Geschmacksunfall im Vordergrund. Dieser Seitenscheitel und ein grellgelbes BVB-Trikot. Profiltext ohne Satzzeichen. Alter: 42. Und als ob das alles nicht schon genug wäre, um meine Eierstöcke ins eisige Nirvana der Schockstarre zu schießen, scrolle ich runter und runter und lese schließlich: Größe: 1,68m.

Nein, ich begegne kleinen und großen Menschen gleich aufgeschlossen. Ich selbst bin allerdings hochwüchsig und als Frau mit über 1,80m habe ich dies natürlich in meinem Profil angegeben und ebenso meinen Wunsch nach körperlicher Augenhöhe. Nun gut, vielleicht hat Mirko mein Profil nicht richtig gelesen – das würde ihn nicht unbedingt ehren, aber es sind auch wirklich viele Wörter. Und naja, man kann ihm ja nicht verübeln, dass er nach der Trennung von seiner Frau bald jemand Neues sucht – vor allem mit drei Kindern. Und dass er bei den 10 Jahre jüngeren Frauen sucht ist per se ja auch nicht verwerflich, wer weiß wie er so drauf ist; vielleicht ist er ja eine absolute Stimmungsmaschine, wenn man seinen Humor teilt.

Aber ich muss leider dankend ablehnen. Ich würde mich immer nur fragen, wann die anderen sechs auftauchen.