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Du bist nur am Essen! 

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Ich, nichtsahnend an meinem Baumstriezel kauend, latsche nach der standesamtlichen Trauung meiner Freunde mit ihnen – wie gewünscht – über den örtlichen Mittelaltermarkt, da quakt mich von links ein Mitglied unserer Truppe an: „Ey, du bist auch nur am Essen!“

Mir gefriert der Bissen im Mund und vor meinem inneren Auge spielt sich ein hammerharter Flashback ab. Ich, 17, auf der Hochzeit von Verwandten, schiebe mir verstohlen das dritte Sahnestück Hochzeitstorte zwischen die Kiemen und hoffe, dass mich niemand dabei beobachtet. Denn Essen, ja, Essen. Essen ist einerseits auf Hochzeiten „erlaubt“, andererseits ja aber grundsätzlich „schwierig“; schließlich habe ich quasi kein Sättigungsgefühl und aus der heutigen Perspektive auch definitiv keine Ahnung, was sich da so summiert. Die Waage hat nicht umsonst kürzlich die dreistellige Marke durchbrochen. Also sitze ich hier, zwischen meinen Verwandten und während meine Oma mich sinnend anschaut und meine Großtante latent missbilligend (mit Recht) und ich auf meinem Stück Kuchen kaue, werde ich immer trauriger und die ganze Situation immer schlimmer, bis der Kuchen in meinem Hals wie Asche klumpt und ich das Gefühl habe, dringend raus und weinen zu wollen. „Du bist auch nur am Essen.“ kommt schließlich von meiner Cousine und sie fügt an: „Tanz‘ doch mal!“

Anders, als sie es gemeint hat, beziehe ich das natürlich maximal auf meinen dicken Hintern und meine Speckhamsterbacken und natürlich gehe ich nicht tanzen, denn meine Oberschenkel fühlen sich seit dieser Sekunde an, wie Schinken und alles, was ich noch schaffe, ist zur Toilette zu schlurfen und mich dort erstmal heulend eine halbe Stunde einzuschließen. Geile Hochzeit. Alle saufen und knutschen rum und ich sitze heulend auf dem Klo. Bravo, Francis.

 

Flash Forward:

Ich, 32, kaue weiter auf meinem Striezel und lache Rosa aus: „Ja!“ Klar esse ich die ganze Zeit, wenn sie mich sieht.  Wann denn sonst? Alleine in meinem Hotelzimmer oder was? Ich biete ihr ein Stück Striezel an. Sie lehnt dankend ab. Bleibt mehr für mich. Was Rosa nicht weiß: Ich hatte keine Zeit zu frühstücken, auf der Fahrt im Auto eine Banane und einen Apfel und mittags so Knast, dass ich dachte, ich falle über die Standesbeamtin. Als dann alle anderen sich nach der Trauung die fetten Blechkuchen reinhauten, hatte ich so Kohldampf, dass ein ganzes Blech Zucker nicht gereicht hätte und bestellte daher eine Ofenkartoffel mit Quark und Gemüse, die ich genüsslich zu zwei Dritteln verschlang. Rosa beobachtete mich dabei in der Tat. Klar sieht das mehr aus, ist es aber nicht. Und sechs Stunden später, nachdem ich im Hotel erstmal zwei Liter Wasser nachgefüllt und meine Dehydrations-Kopfschmerzen weggenickert hatte, war noch Zeit für Woche 15.2 vom Bodyweight Training (Scheiß Muskelkaterpausen) uuund wir sind gestern geschlagene 13 000 Schritte gelatscht. Da ist nicht nur Sau im Brötchen und ein Bier, sondern auch noch ein Striezel und ein Kaffee drin.

Und mir wird klar: Ich bin endlich ein glücklicher Mensch, Essen ist nur noch Spaß!

Und noch etwas wird mir klar: Die vielen dünnen Menschen, die ich jahrelang beneidete dafür, dass sie am Buffet das Tablett ultravoll hatten und trotzdem aussahen wie ein Strich in der Landschaft – die haben nämlich meist einiges, das ich von Natur aus erstmal nicht habe. Erstens: Ein angeborenes Sättigungsgefühl. Zweites: Keine Panik, dieses Essen zu „verpassen“. Drittens: Normalerweise im Alltag ein normales Essverhalten, so dass sich selbst solche Tage nicht maßgeblich niederschlagen.

Und tadaa – hab‘ ich jetzt auch. Der Moment, an dem ich feststelle, dass ich als schlank wahrgenommen werde und Menschen irritiert sind ob der „Mengen“, die ich esse.. das feiere ich heute ganz besonders.

KONFETTI!

 

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Autor: kuekensalat

My favourite word: unapologetic. • Lehrkörperin • Fitnessgurke statt -Guru • Nobody knows what they're doing, I'm just being honest about it.

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