kuekensalat

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Fünf Jahre

Am Anfang ist alles ganz unspektakulär, fast nüchtern, du und ich, eine seltsame Party, Mangel an Alternativen, mehr nicht.

Ich bin das erste Mal mutig, hatte keine Lust herzukommen, bin kürzlich hergezogen und habe dieses Omageruch-50er Jahre Treppenhaus erklommen und hocke hier in einer sturmfreien Eltern Wohnung inmitten von Leuten, die sich mit Vodka betrinken, weil Vodka billig ist. „Come as you are..“, ja, hab ich gemacht, Pulli, Jeans, Zopf, einfach nur ich, nüchtern, groß, übergewichtig. Alles, was mich sonst runterzieht, habe ich heute trotzig ignoriert, denn wenn ich in dieser Stadt ankommen soll, muss ich mutig sein und ja, jetzt kommst du rein.

„Süß“ denke ich und dann „aber nicht für mich.“ weil du kleiner bist und hübsch mit langen Wimpern und braunen Augen, falsches Bravado hüllt dich ein wie ein Cape. Und ich sehe hindurch und du bist nicht bedrohlich, sondern weich, weich genug für mich. Weich, damit ich keine Angst habe, dass du mir das Herz brichst. Weich, damit ich mich auf dich einlassen kann. Weich genug, damit ich beim Anflug von Monogamieterror denken kann: „Wenn es mir nicht gefällt, kann ich mich ja wieder trennen.“

Drei Tage später „gehen wir miteinander“ und ich denke: „Naja, der Richtige ist er nicht, dafür ist es zu früh und er einfach nicht der Richtige“ und merke nicht, dass vor allem ich nicht die Richtige bin.

Aber du wirst der Richtige. Nach vier Wochen, nach Monaten sind wir verliebt. Es ist die einfachste und schönste, die abhängigste und innigste, die unschuldigste und beste, die geilste und gleichzeitig simpelste Beziehung, die ich erlebe. Du gibst mir Selbstvertrauen, Fürsorge, einen Freundeskreis, eine Bestätigung im Leben. Du gibst mir Menschen, die mich lieben und akzeptieren und an denen ich wachse, du gibst mir Welten und Alter Egos, traumhafte Geschichten. Du gibst mir Energie. Ich gebe dir Liebe, Aufmerksamkeit, Bestätigung, Unterstützung in der Familie, den Glauben an deine Fähigkeiten, alles von mir und jede Menge Erwartungen.

Wir sind die ersten füreinander und während es fummelig, schrecklich und seltsam anfängt, macht Übung halt doch den Meister und wir üben – a lot. Einmal fällt ein Fernseher auf mich, einmal werden wir fast von den Eltern erwischt, einmal probierst du Wachsspielchen mit Teelichten (wer kommt auf so eine Scheißidee?) und fesseln bringt mich heute noch zum Lachen. Wir sind sorglos. Einfach. Wir verbringen drei Tage vor dem Kamin mit Comics, aufeinandergestapelt und tauschen die Bände, wenn wir ausgelesen haben. Wir träumen vom Weggehen, anderen Ländern, Reisen, Abenteuer und alternativen Lebensformen. Es ist die beste Zeit.

Und dann gehe ich.

Ich bin erwachsen, ich will ausziehen, ich will weg, die Lebensformen testen, andere Städte sehen. Weg aus dieser Stadt und ein bisschen auch weg von dir, bevor es zu bequem wird, bevor wir nie wieder jemand anderen haben, bevor das hier das letzte ist, was wir tun. Und ich fühle mich verpflichtet, wir haben uns Treue versprochen und versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.

Auch nicht, als ich seit Jahren allein wohne und dich für ein Kind halte, als du endlich auch mal ausziehst und dein Jahre jüngerer Mitbewohner schließlich alle Verträge über sich abschließt.  Auch nicht, als ich jedes Wochenende fahre, weil ich das Semesterticket habe und du dich weigerst, meine neuen Freunde kennenzulernen. Auch nicht, als ich fett werde, weil ich so verloren bin und dann mit dem Mut der Verzweiflung alles abnehme und sich das Innere genauso transformiert wie das Äußere – du dich aber gar nicht, was mich irrational irritiert. Auch nicht, als dein Humor mir auf einmal zu primitiv wird, du World of Warcraft wichtiger findest, als mich vom Zug abzuholen und mich zum Geburtstag mit so viel Kleingeld in die Sauna einlädst, dass ich vor Scham mit einem Schein bezahle und dir das Kleingeld zurückgebe. Auch nicht, als ich gemein werde und du gemein wirst und wir uns mehr ankeifen als alles andere.

Auch nicht, als zwischen uns mehr Schweigen als Gespräch passiert und wir im Urlaub mit Freunden so schlimm nicht reden, dass sie überlegen, sich während der Fahrt durch die dänische Botanik aus deinem dunkelblauen Golf zu werfen.

Auch nicht, als ich mich neu verliebe.

Und dann – doch.

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Exparade

Did you ever look at a picture of your ex and asked yourself: WAS I DRUNK THE ENTIRE RELATIONSHIP?!

Wenn ja, bekommst du jetzt die Medaille der Weiterentwicklung und schonungslosen Selbstkritik, denn nur ein Mensch, der dazu in der Lage ist, seine eigene Bräsigkeit im Hormontaumel zu bemerken, ist wirklich weise.

Natürlich ist man irgendwann dazu bereit, seine Exfreunde als „auf ihre Art und Weise bestimmt ganz tolle Menschen“ anzuerkennen, die „einfach nicht gepasst haben“, schließlich schützt man sich so vor der Erkenntnis, dass man einen beschissenen Geschmack und die beste Freundin einfach immer recht hatte.

New Agists würden jetzt argumentieren, dass jede Beziehung für etwas gut ist und sei es nur die Fähigkeit, Holzfußböden zu ölen oder ein gutes Rezept für Käse-Sahne-Sauce, aber ich halte das nur teilweise für richtig. Ich denke, es gibt Beziehungen, die hätte man sich auch ganz klar schenken können.

Exhibit A: „Mami?“

Der Homo Minifilius, oft Musiker oder (Lebens-) Künstler, der in der deutlich älteren Freundin nicht nur eine spannende, einem selbstempfundenen Reifegrad entsprechende (intellektuelle) Stimulation, sondern auch eine Anleiterin in Lebensfragen sieht, die ihm gut zuspricht, ihm hilft, Entscheidungen hinsichtlich seiner eher zick-zack-förmigen Ausbildungslaufbahn zu treffen, ihn bei sich einziehen lässt und somit die überfällige Abnabelung von den Eltern ermöglicht und ihn finanziell geringfügig (ganz) unterstützt.

Sieht aus wie gleichaltrig und benimmt sich wie 50, ist aber so verantwortungsbewusst und stringent wie ein 12jähriger. Bricht auch zusammen wie ein 12jähriger, wenn alle Beziehungsdiskussionen nicht helfen und Frau irgendwann den Kaffee auf hat. Findet, wenn er Glück hat, irgendwann Frau im „Muttimodus“, die gern einen Hausfreund hat und der es nichts ausmacht, finanziell für alles allein verantwortlich zu sein.

Exhibit B: „Ich stehe total auf starke Frauen“

Der Homo Egohomilis, der mit dieser Aussage eigentlich nur grundsätzlich schon mal anmerken möchte, dass er definitiv nicht die Schulter zum Ausweinen sein wird und es auch nicht in seiner Verantwortung sieht, irgendwelche Glühbirnen anzubringen oder Schränke zusammenzubauen.

Ist beleidigt und überfordert, wenn Frau echte Nähe oder Kooperation möchte und agiert grundsätzlich kompromisslos. Neigt zu vereinzelten, völlig übertriebenen Liebesbeweisen, wenn er merkt, dass Frau sich zurückzieht. Endet irgendwann in einer Beziehung mit einer völlig abhängigen Person, weil nur die es stoisch erträgt, wenn er sie größtenteils wie nervige Luft behandelt.

Exhibit C: „Ich will eigentlich im Moment keine Beziehung.“

Der Homo Commitophobicus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den schmalen Grat zwischen „irgendwie noch Casual“ und „Beziehung“ auszuloten und bei möglichst vielen verschiedenen Frauen auszuprobieren, was noch als unverbindlich durchgeht. Tut völlig überrascht und geradezu entrüstet, wenn tägliches Melden, durchdachte, persönliche Geburtstagsgeschenke oder das Treffen der Familie als Indikatoren interpretiert werden, dass das „EIGENTLICH im Moment“ in obigem Satz sich langsam aufzulösen scheint.

Hat keine Empathie und ist de facto eine feige Sau, weil er so tut, als wäre ihm nicht klar, dass er die Gegenpartei emotional an sich bindet, klärt aber die Fronten nur auf Nachfrage und ist vor allem anderen erstmal ein Forscher im Weinberg des bequemen Herumhurens. Bleibt entweder ewiger Teilzeitsingle oder treibt Freundin in den Wahnsinn mit seinem endlosen Hot-Cold-Hot-Cold-Getue.


Mir ist durchaus klar, dass ich ohne diese Männer in meinem Leben nicht so viel gelernt hätte über mich, über andere, über Psychosen, über meine Vorstellung von Liebe, Beziehung und Freundschaft. Und klar habe ich daher auch a) Kontakte in die Mittelalterszene und jede Menge Gossip, B) Geschichtswissen, Garten- und Katzenpflegetips sowie Renovierungsskills und Psychomanagement und C) IT Infos, ein paar Gadgets, gute Musik und den einen oder anderen kreativen Input gewonnen. Trotzdem waren manche dieser Zeiten so ab von allem, was sich sinnvoll schimpft, dass noch heute manche Namen bei meiner besten Freundin nur diesen besonderen Gesichtsausdruck auslösen, der etwas an ein verstopftes Eichhörnchen erinnert.

Kleine Memo an alle Routine-Klogriffler an euch: Wenn ihr die Story irgendwem erzählt und sie hört sich schon scheiße an, dann ist sie auch scheiße, denn Hormone sind kleine, geile Bitches, die sich mega einen ablachen, wenn ihr den Typen später wiederseht und feststellt: „Der Lauch ist höchstens eine zwei- war ich bei Bewusstsein?!“

Trotzdem wie Alanis sagen würde: Thank you DrummerBoi, thank you Catman, thank you thank you Star Waaaaaaars…

Gerade befinde ich mich in einer Phase verstärkter Reflexion über diese Kracher, ich arbeite noch an einer Form, die den Francis-Chroniken gerecht wäre.

So long!