kuekensalat

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Anderthalb Jahre

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  1. Zustand, in dem jemand von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen frei ist und sich in seinen Entscheidungen o. Ä. nicht [mehr] eingeschränkt fühlt; Unabhängigkeit, Ungebundenheit
  2. Möglichkeit, sich frei und ungehindert zu bewegen; das Nichtgefangensein
  3. Recht, etwas zu tun; bestimmtes [Vor]recht, das jemandem zusteht oder das er bzw. sie sich nimmt

 

Als es anfängt, bin ich frei.

Keiner da, der mich zurückhält, eigene Wohnung, eigenes Geld, eigene Entscheidungen, noch nicht lange bin ich frei, aber frei bin ich trotzdem und du – du passt gut dazu. Meistens bist du nicht da und wenn, dann unterstützt du mich und ich kann tun, was gerade wichtig ist, meinen Master schreiben zum Beispiel.

Du, mit deiner Band, mit deinen Auftritten, deinem Bart und deiner Ziellosigkeit. Du bist belesen, wirkst viel älter als du bist und hast zu allem eine Meinung und irgendwas zu sagen. Am Anfang imponiert mir das, von weitem sieht es aus wie Bildung.

Dein T3 gefällt mir und dein Angehimmele gefällt mir und deine Musik, ja die Musik die ihr macht gefällt mir auch. Die Szene und die Gedankenspielchen, die damit einhergehen, die kreativen Ausbrüche, die Ideen, die bunten Wochenenden. Freiheit in irgendwie Gebundenheit, aber nur irgendwie. Denn irgendwie bleibt mein Herz immer frei, irgendwie nehme ich das alles nicht wirklich ernst und irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen –

Bis herauskommt, dass deine angepriesene Familiengeschichte zu 80% unwahr ist und du sie nur erzählst, um Eindruck zu schinden. Bis herauskommt, dass du gelogen hast, als du sagtest, du machst deine zweite Ausbildung zu Ende. Bis du das zweite Mal bei mir für Wochen einziehst ohne einen Cent Geld und ich uns mit meinem Studentenbudget durchfüttere. Ich seufze, ich diskutiere, ich berate und ich kommuniziere. Du weinst. Ich seufze wieder. „Es ist dein Leben, aber wenn das alles ist, was du vom Leben willst, dann wird das nichts mit uns“, sage ich, nach einem Jahr. Ich habe gut reden, denn ich bin immer noch frei.

Bis ich meinen Job anfange – und auf einmal ändert sich alles, denn meine Schüler sind reifer als du, sind gebildeter und konsequenter und fleißiger als du, sind zielstrebiger und erwachsener als du – obwohl sie erst 17 sind und alles was ich sehe, wenn ich dich treffe ist deine Verlorenheit und der Versuch, sie zu verstecken. Alles was ich empfinde ist Unwille, die Verantwortung für dich zu übernehmen, die du mir aufdrücken willst, ich ersticke unter deinen Liebesbekundungen aus Verzweiflung und bin entsetzt über deinen Mangel an Selbstständigkeit. In meiner Welt wirst du zu einem kleinen Jungen und ich fühle mich schäbig und alt.

Also tue ich das einzig richtige: Ich verteile Freiheit. Freiheit, die du nicht willst, die dich überfordert, denn hätte ich dich bemuttert, wäre dir das lieb gewesen. Freiheit, die ich nie verloren habe und die du erst wieder mühsam lernen musst.

Sie hilft dir dabei, lässt dich bei sich wohnen und nachdem du erstmal eingezogen bist, ziehst du auch nie wieder aus.

 

 

 

 

 

 

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Autor: kuekensalat

My favourite word: unapologetic. • Lehrkörperin • Fitnessgurke statt -Guru • Nobody knows what they're doing, I'm just being honest about it.

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