kuekensalat

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Zwei und zwei Jahre

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Mai: Erstes Treffen, verkleidet, du einäugig bucklig, ich Esmeralda. Funken fliegen über dein Kostüm hinweg. Wir lachen, du verstehst meinen Humor, fährst einen alten Amerikaner und gehörst in meine Szene obwohl du dein Leben im Griff hast. Du hast auch eine Freundin und redest nicht gut über sie, aber ich bin jung und ich verstehe nicht, was das heißt. Deine Selbstironie und deine Art imponieren mir. Du sagst: „Die Alte, die verlasse ich auch nicht. Aber Freunde sein, das geht?“ Hätte ich mal nein gesagt, aber stattdessen sage ich: „Okay.“

Juni: Wir reden, du rufst an und jammerst und ich denke arrogant was du laut sagst: „Mit dir wäre das alles besser.“ und ahne nicht, dass eine Menge Büchsen Pandoras dort warten, wo langsam deine Beziehung verreckt. Sommer, Sonne, Sommersprossen, „Willst du noch ein Guinness und was hältst du von dem Film?“ und ich denke, als wir uns später küssen: „Das ist eine total dumme Idee.“ Aber wir klicken, wir verstehen uns blind und nonverbale Kommunikation ist so günstig, wenn man die Wahrheit ignorieren will.

Januar: Erst trennst du dich, trennst dich dann doch nicht, willst aber doch mich und meldest dich und ich – ich schiebe Dramen und schreibe erwachsene Briefe und schicke dir selbstgebrannte CDs mit Adele und du sagst, dass du mich liebst und Zeit brauchst und Abstand von allem, den es dann doch irgendwie nicht gibt. Und es fällt mir schwer einzugestehen, dass ich doch nicht besser bin und hier irgendwas verliere.

August: Zur Hochzeit unserer Freunde gehe ich nicht, weil ich dein Gesicht nicht sehen will, aber dann kommt die Nachricht: „Können wir uns treffen? Aussprechen wäre vielleicht richtig?“ und ich bin nichts wenn nicht diplomatisch, aber ich wünschte, ich hätte nein gesagt. Stattdessen habe ich geflennt.
Vier Monate ist das was dann passiert beinahe Beziehung und kaufst Betten und Weihnachtsgeschenke mit mir und dann kommt Silvester und als ich dich anrufe „Wann kommst du?“ kannst du nicht und hast Gewissensbisse – und ich lege einfach auf.

April: Sinneswandel, Postkartengeständnisse, jeden Dienstag ein Paket – ich habe schon ein lebenslang laufendes, ignoriertes Blumenabo akzeptiert, da hast du dir, klar geistig umnachtet, meine Unterschrift auf den Arm tätowiert. Anscheinend bin ich geistig verreist und anstatt dich als Stalker bei der Polizei anzuzeigen sage ich: „Ich will Kinder und Familie, dass du aufhörst zu rauchen und jemanden, der mich aufrichtig liebt.“ Du nickst, denn versprechen kann man viel und wenn mein Name auf deinem Arm kein Versprechen ist – ernsthaft ist wichtiger als Stil.

Mai: Dritte Chance, dritter Versuch – und zur Krönung des ganzen schenkst du dir die Burgruine, eine zeitgemäße Immobilie, erst 1000 Jahre alt – und auch fast nicht einsturzgefährdet. Frierend lieg ich im Winter im unbeheizten Zimmer, denn bei mir bist du quasi nie, die Burg braucht dich sagst du und das kenne ich schon irgendwie. Ich starre an die dunkle Decke, Muff liegt in der Luft. Klar wollte ich immer Prinzessin sein, aber das meinte ich echt nicht so wortwörtlich – und vor allem wollte ich dann auch den Prinzen… Aber selbst wenn mir das Verständnis fehlt, habe ich immerhin gelernt, wie man Fußböden ölt. Wie Crocs und Muscleshirts sind wir zwar hässlich, aber halt irgendwie bequem und ich noch nicht geheilt von meiner Idee, dich doch irgendwie noch wirklich rumzukriegen, zu Nähe und Familie – es fiel mir schon immer schwer zu scheitern und jetzt doch zu gehen. Denn wenn alles andere nicht Grund genug war, welchen habe ich dann jetzt?

Mai: Es wird warm und ich beschneide deine Rosen, die Katze liebt mich und ich liebe sie, vielleicht mehr als dich – immerhin will sie Familie.  Du rauchst weiter Kette und trinkst Cola wie Wasser und das regt mich auf. Auf meinen Smiley antwortest du nicht mehr und ein paar Stunden danach stehst du wie das Leiden Christi in meine Küche, tust so, als trennst du dich aus Selbstlosigkeit von mir, dabei hat deine Kollegin schon den Hausschlüssel von dir. Ich weine hauptsächlich aus Reflex, das ist halt meine Rolle, zum Glück knickst du nicht ein, lässt meinen Schlüssel auf dem Tisch liegen und schließt die Tür hinter dir und ich erinnere mich, dass ich gerne hundertmal Nein gesagt hätte und ärgere mich kurz mal dabei.

Du akzeptierst die Liebe, die du glaubst zu verdienen, das habe ich verstanden wegen  dir.  Dank dir habe ich gelernt, was ich brauche und wer mich nicht verdient, dass was sich scheiße anhört auch scheiße ist und es dazwischen nicht so viel gibt.  Dass große Freiheit auch Gleichgültigkeit bedeuten kann und Geschenke kein Beweis für Gefühle sind. Dass ich alleine Flügel habe und Soap Operas gar nicht so cool sind, wenn man sie lebt.

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Autor: kuekensalat

My favourite word: unapologetic. • Lehrkörperin • Fitnessgurke statt -Guru • Nobody knows what they're doing, I'm just being honest about it.

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