kuekensalat

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Autopilot

Ich glaube mein Körper hat eine innere Kalorienbilanz.

Ich schreibe seit ein paar Wochen jeden Tag auf was ich einspare (oder auch nicht) und tracke jeden Happen. Wie ich es anscheinend so will, habe ich in unfehlbarer Regelmäßigkeit Fressattacken (einmal die Woche etwa), die dazu führen, dass ich fast alle gesparten Kalorien wieder aufesse. Was zur Hölle?!

Gerade jetzt mit den Korrekturen scheint ein Vorbeigehen an den Süßigkeitentonnen der Hölle buchstäblich nicht durchführbar. Stattdessen autopilote ich wie ein Zuckersuchsystem von einer Tonne (ich übertreibe nicht..) zur Nächsten mit dem inneren Antrieb, der Welt effektivster Süßigkeitentester zu werden. Leider hört das zu Hause nicht auf, so dass ich es definitiv noch schaffe wie ein wahrer urbaner Küchenmeister 2000 kcal zu mampfen zu finden, obwohl ich nur Eier, Mehl und Harzer Käse zu Hause habe.

Ich habe es jetzt mit Fasten versucht – Betonung auf versucht. Klappte erstmal, gerade ist es wieder eher ein kleines Aufkeimen bevor ich es mit einer Tafel Schokolade erschlage. *seufz* ich bin zu fett (BMI 25,6). Ich will das Fett nicht, das ist doch schwer! Dazu kommt noch, dass ich dem Begehren meines Kunstkurses nachgegeben habe, ein Kuchenabo einzurichten, d.h. jede Woche backt eine andere aus dem Kurs einen Kuchen.

Leider war bisher nur meiner halbwegs figurfreundlich.. Diese 17/18jährigen hauen da alles rein, was irgendwie zu hauen ist; Schokolade ist noch das Harmloseste. Ich warte noch auf die rosa gefärbte Butterglasur.

Trotz aller Tragikomik ein Lichtblick: Ich habe heute morgen meinen gesamten Cappucino auf dem Fenster und dem Mülleimer im Zug verteilt, was außer mir noch ein paar Menschen erheitern konnte und mein Sportprogramm hat die letzten Wochen ganz gut funktioniert, so dass sogar meine Bodenschlampe einsehen musste, dass meine Muskelmasse sich in die andere Richtung verändert hat. ✌🏻👍🏻🎉 Nimm das, Bodenschlampe!

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Du bist nur am Essen! 

Ich, nichtsahnend an meinem Baumstriezel kauend, latsche nach der standesamtlichen Trauung meiner Freunde mit ihnen – wie gewünscht – über den örtlichen Mittelaltermarkt, da quakt mich von links ein Mitglied unserer Truppe an: „Ey, du bist auch nur am Essen!“

Mir gefriert der Bissen im Mund und vor meinem inneren Auge spielt sich ein hammerharter Flashback ab. Ich, 17, auf der Hochzeit von Verwandten, schiebe mir verstohlen das dritte Sahnestück Hochzeitstorte zwischen die Kiemen und hoffe, dass mich niemand dabei beobachtet. Denn Essen, ja, Essen. Essen ist einerseits auf Hochzeiten „erlaubt“, andererseits ja aber grundsätzlich „schwierig“; schließlich habe ich quasi kein Sättigungsgefühl und aus der heutigen Perspektive auch definitiv keine Ahnung, was sich da so summiert. Die Waage hat nicht umsonst kürzlich die dreistellige Marke durchbrochen. Also sitze ich hier, zwischen meinen Verwandten und während meine Oma mich sinnend anschaut und meine Großtante latent missbilligend (mit Recht) und ich auf meinem Stück Kuchen kaue, werde ich immer trauriger und die ganze Situation immer schlimmer, bis der Kuchen in meinem Hals wie Asche klumpt und ich das Gefühl habe, dringend raus und weinen zu wollen. „Du bist auch nur am Essen.“ kommt schließlich von meiner Cousine und sie fügt an: „Tanz‘ doch mal!“

Anders, als sie es gemeint hat, beziehe ich das natürlich maximal auf meinen dicken Hintern und meine Speckhamsterbacken und natürlich gehe ich nicht tanzen, denn meine Oberschenkel fühlen sich seit dieser Sekunde an, wie Schinken und alles, was ich noch schaffe, ist zur Toilette zu schlurfen und mich dort erstmal heulend eine halbe Stunde einzuschließen. Geile Hochzeit. Alle saufen und knutschen rum und ich sitze heulend auf dem Klo. Bravo, Francis.

 

Flash Forward:

Ich, 32, kaue weiter auf meinem Striezel und lache Rosa aus: „Ja!“ Klar esse ich die ganze Zeit, wenn sie mich sieht.  Wann denn sonst? Alleine in meinem Hotelzimmer oder was? Ich biete ihr ein Stück Striezel an. Sie lehnt dankend ab. Bleibt mehr für mich. Was Rosa nicht weiß: Ich hatte keine Zeit zu frühstücken, auf der Fahrt im Auto eine Banane und einen Apfel und mittags so Knast, dass ich dachte, ich falle über die Standesbeamtin. Als dann alle anderen sich nach der Trauung die fetten Blechkuchen reinhauten, hatte ich so Kohldampf, dass ein ganzes Blech Zucker nicht gereicht hätte und bestellte daher eine Ofenkartoffel mit Quark und Gemüse, die ich genüsslich zu zwei Dritteln verschlang. Rosa beobachtete mich dabei in der Tat. Klar sieht das mehr aus, ist es aber nicht. Und sechs Stunden später, nachdem ich im Hotel erstmal zwei Liter Wasser nachgefüllt und meine Dehydrations-Kopfschmerzen weggenickert hatte, war noch Zeit für Woche 15.2 vom Bodyweight Training (Scheiß Muskelkaterpausen) uuund wir sind gestern geschlagene 13 000 Schritte gelatscht. Da ist nicht nur Sau im Brötchen und ein Bier, sondern auch noch ein Striezel und ein Kaffee drin.

Und mir wird klar: Ich bin endlich ein glücklicher Mensch, Essen ist nur noch Spaß!

Und noch etwas wird mir klar: Die vielen dünnen Menschen, die ich jahrelang beneidete dafür, dass sie am Buffet das Tablett ultravoll hatten und trotzdem aussahen wie ein Strich in der Landschaft – die haben nämlich meist einiges, das ich von Natur aus erstmal nicht habe. Erstens: Ein angeborenes Sättigungsgefühl. Zweites: Keine Panik, dieses Essen zu „verpassen“. Drittens: Normalerweise im Alltag ein normales Essverhalten, so dass sich selbst solche Tage nicht maßgeblich niederschlagen.

Und tadaa – hab‘ ich jetzt auch. Der Moment, an dem ich feststelle, dass ich als schlank wahrgenommen werde und Menschen irritiert sind ob der „Mengen“, die ich esse.. das feiere ich heute ganz besonders.

KONFETTI!

 


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Von persönlichen Grenzüberschreitungen oder Wie man mit Neuschlanken über Gewicht spricht (und wie nicht)

Als ich fetter war, hatte ich oft diese total tolle Vorstellung, was denn die anderen sagen, wenn ich endlich dünner bin. Ich dachte dann in so lebensechten Szenen mit Geruch, Geschmack und definitiv Out-of-Character Wortlaut darüber nach, was die Lästerschwestern unseres Kollegiums, dann voller Bewunderung, nicht mehr sagen könnten, wie den Kollegen die Luft stockt und mein Exfreund, vor lauter Verzweiflung über die verpasste Chance mit so einer Schönheit zusammen zu sein, weinend am Boden liegt und sich die wenigen Haare rauft.

Es ist anders.

Wenn mich noch ein Kollege/eine Kollegin darauf anspricht, ob ich eine „Abmagerungskur in den Osterferien“ gemacht habe, laufe ich Amok. Als ob man diese Menge an Gewicht in zwei Wochen abnehmen könnte – und ich dachte immer, ich bin mit Akademikern zusammen.

Es ist natürlich sozial schwierig, sich dazu zu äußern und Menschen sind neugierige Tiere. Dennoch ist das, wie einer schwangeren Frau ungefragt die Hand auf den Bauch zu legen, eine Grenzüberschreitung, unhöflich und viel zu nah. Trotzdem fühlen sich viele allein durch die Tatsache, dass man herumläuft in ihrem Blickfeld und offensichtlich dünner aussieht dazu ermutigt, das zu kommentieren.

Und dazu jetzt die bahnbrechende Neuigkeit: Muss man aber nicht. Echt jetzt. Es zwingt einen keiner. Ich bin auch so total glücklich, ohne dass mir täglich irgendwer ungefragt sagt, dass ihm meine Körperform aufgefallen ist. Ehrlich.
Noch schöner wurde es dann ja, als Frieder erst lobte (durchaus nett gemeint, da bin ich sicher, auch mit der obligatorischen Einschränkung des „aber ich könnte das ja nicht weil hier irgendwelche Gründe einfügen, die mir völlig egal sind„), dann aber die Einleitung ins Verderben aussprach: „Aber mehr machst du doch jetzt nicht mehr, oder?“(1)

Ich daraufhin, ehrlich wie immer: „Doch, doch, ’n bisschen soll da noch, zwölf sind’s noch bis zum Gesundheitsgewicht.“
Und Frieder erst mit diesem seltsamen Blick des jetzt spinnst du aber und dann der Satz: „Das brauchst du doch gar nicht mehr, du siehst doch schon gut aus.“(2)

BOOOOOOOAAAAAAAAAAH… Zuckende Augenbraue reicht da nicht mehr.
„Was hat das Aussehen denn mit dem Gesundsein zu tun und ging es nicht gerade darum, was ich will und nicht ob ich das brauche? Und wer entscheidet das, du?!“(3) wollte ich sagen.
Stattdessen sagte ich: „Doch, doch, ich bin noch nicht normalgewichtig.“
Und was kam als Reaktion? Richtig, die „aber pass’ auf, dass du nicht magersüchtig wirst..“-Rede, gepaart mit dem „Manche Menschen sind einfach schwerer gebaut.“ und dem „Viele sehen mit mehr auf den Rippen besser aus.“ (4)

Manchmal überlege ich ernsthaft, ob ich die Haare wieder pink färbe oder vielleicht ein körperbedeckendes Tattoo organisiere, nur damit sie endlich einen Grund haben, mir gut gemeinte, überflüssige, demotivierende und schlicht dumme Ratschläge zu erteilen und sich ständig mit meinem Körper zu beschäftigen, als würde es sie etwas angehen. Denn das tut es nicht.

Und da der besagte Ex seitdem schon ein paar Jährchen her ist, ist mir mittlerweile auch völlig egal, was der dazu sagt.

Jetzt also der Ratgeber für alle, die mich gerne auf mein Gewicht ansprechen möchten:

1- Seid ehrlich, aber bleibt sachlich. Ist mir egal, ob ihr etwas dämlich fragt „Hast du abgenommen?“ (Offensichtlich, duh!) oder einfach fragt: „Darf ich dich ma was fragen? Wie machst du das? Warum machst du das? Was hat das ausgelöst? Was ist das Ziel?“ Ich beantworte ja gerne Fragen, aber ich möchte keine Pseudokomplimente oder übertriebenes Gushing. Ich bin jetzt dünner. Ja. Großes Kino. Aber in Anbetracht der Weltgeschichte wirklich kein großes Ding.

2- Wenn ihr über euer Gewicht konstruktiv mit mir reden wollt, dann bitte. Fragt ruhig, ob ich euch was empfehlen kann oder wie ichs mache oder was-weiß-ich, aber ich will keine „ich kann aber nicht -weils“ hören. Will ich nicht. Denn damit nörgelt ihr und verschwendet meine wertvolle Zeit. Nur weil ich stark abnehme, bin ich nicht als Seelsorger oder seelischer Mülleimer deklariert oder qualifiziert.

3- Ich will keine guten Ratschläge. Wenn ihr gerne kritisch mit mir diskutieren wollt, wie ich abnehme, dann formuliert es als „Ich habe aber gelesen/gehört, dass…“, dann diskutieren wir das total gerne. Fangt nicht an mit „Du darfst aber nicht.. weil..“. Verbote nehme ich nicht an, ich weiß, was ich tue und ihr seid nicht meine Mutter, mein Arzt, mein Chef oder irgendeine andere Autorität in meinem Leben. Seid ihr nicht.

4- Glaubt nicht im Ansatz, dass ihr einfach so darüber urteilen könnt, ob das gut, schlecht, zu viel, zu wenig oder irgendwas ist, dass ich abnehme. Mein Körper, meine Sache. Würdet ihr anfangen, eurem Nachbarn zu erzählen, wie scheiße sein Auto ist? Oder wie hässlich seine Frau? Nein. Weil es euch auch nichts angeht. Same thing.

 

In diesem Sinne ein kleiner Shoutout für alle Neuschlanken: Your body, your choice! Bleibt wild und wunderbar und ich wünsche euch die Schlagfertigkeit im richtigen Moment mal einfach den richtigen Spruch zu finden, falls nötig. Ansonsten gute Weiterreise zum Gesundheitsgewicht. 🙂

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(1) Wenn ihr das fragt, dann suggeriert ihr der Person folgendes: 1. Sie ist jetzt schon dünn. Wenn sie das offensichtlich nicht ist, sagt das über euch als Fragenden folgendes aus: a) ihr müsst blind sein oder b) ihr traut der Person nicht zu, das weiter durchzuziehen oder c) ihr seid neidisch und missgünstig und findet es scheiße, dass jemand, den ihr immer komfortabel als so ne Dicke neben euch wahrgenommen habt, auf einmal schlank wird und damit nicht mehr eurem Bild von ihr entspricht. Zieht euch den Stock aus dem Hintern und lernt echte Mitfreude, Leute. Eine Kerze brennt nicht heller, nur weil man die andere ausmacht.

(2) Gutes Aussehen mit dem gesunden Gewicht in Verbindung zu bringen ist auf mehreren Ebenen trügerisch. Erstens gibt es sowas wie persönliche Präferenzen und optische Gewöhnung, so dass dickere Menschen manchmal als attraktiver wahrgenommen werden. Zweitens hat das Aussehen mit meinem Ziel seit Beginn ganz ehrlich absolut überhaupt nichts zu tun gehabt und es reizt mich, wenn Menschen dieses komplexe und wichtige Thema nur auf die Ästhetik reduzieren. Das ist mir einfach zu niveaulos. Auf dem „Fettlogik“ Blog gab es jetzt einen Gastbeitrag, der das Thema Feminismus und Abnehmen bearbeitete. Darin finde ich auch den einen oder anderen Gedanken wieder, der mich hier bewegt hat. Wessen Zuständigkeit ist mein Körper? MEINE!

(3) Überhaupt der Meinung zu sein, mir, als Kollegin, mit der man de facto NICHTS zu tun hat, außer an einem Tisch im Lehrerzimmer zu sitzen und nie privat zu sprechen, sagen zu wollen, was ich brauche und was gut für mich ist – infam. Eine definitive Grenzüberschreitung jenseits von Gut und Böse. Siehe (2)!

(4) Wenn jemand das sagt, dann versucht er manchmal, schmeichelhaft zu sein und jemandem, der offensichtlich nicht magersüchtig ist, da er noch nicht mal wirklich schlank ist, zu suggerieren, er würde schon als sehr dünn wahrgenommen. Warum? Ich vermute widerum: Die Anpassungsschwierigkeiten, das Unvermögen die Disziplin anderer Menschen positiv zu wertschätzen, ohne sich deswegen schlecht zu fühlen.

Es gibt diverse Probleme mit diesen Aussagen. Erstmal sind sie diskriminierend, Magersüchtigen gegenüber, da diese an einer (meist sogar mehreren) psychischen Krankheiten und Symptomen leiden und diese Äußerungen eine so schwere Krankheit so lapidar verharmlosen, dass es weh tut. Zweitens redet so etwas jemandem weniger Standhaftem sofort ein, mit seiner Methode würde etwas nicht stimmen, er sähe krank aus und müsse sie überdenken. Mir hat das damals den ersten Abnehmerfolg komplett zerrömert, weil ich Angst bekam, durch meine starke Kontrolle tatsächlich obsessiv zu werden. Das war nicht so, ich muss einfach mehr kontrollieren als andere, und ich habe immer genau richtig gegessen, war noch nicht mal unter einem BMI von 24. Drittens spricht es einem gänzlich die mündige Eigenständigkeit ab. Ich wiederhole mich sonst ungern, aber ich sage es noch mal: Ich kann meine Waage lesen. Ich weiß, wie groß ich bin. Ich besitze einen Taschenrechner und mein Hausarzt weiß, wie ich aussehe. Thank you very much.


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Zwischenbericht – weniger dick!

Heute mal ein weniger sinnvoll durchstrukturierter Eintrag aufgrund von Korrekturzeiten und sowas.

Erstmal ein kleiner Rant:

Gestern hatte ich tollen Besuch aus Bremen und wir sprachen lange über unsere Diskussionsverdrossenheit was Dicksein und Übergewicht angeht. Ja, es stimmt, wir sehen nicht scheiße aus, sahen wir noch nie. Das macht den Speckgürtel trotzdem nicht gesund und dass Ärzte und andere Personen, die es eigentlich besser wissen müssten, nicht darauf herumharfen, dass man gefälligst abnehmen muss, haben wir gestern scharf verurteilt. Außerdem ist uns wiederholt aufgefallen, dass die Äußerung „Ich habe Übergewicht.“ bei vielen anscheinend so ankommt, als würde man Fishing for Compliments betreiben und sich damit schlechtmachen wollen. Ein echtes Problem! Wie soll man sonst sachlich und objektiv über das Thema sprechen?

Ständig kommt entweder

  • eine Rechtfertigung: „Also, toll, wie du das machst; Ich müsste ja auch, aber ich könnte das ja nicht.“

Ja. Was soll ich dazu sagen!? Schade? Schlecht für dich? Was habe ich, was du nicht hast?

  • oder ein Abstreiten der Tatsachen: „Neiiin, du siehst doch total super aus so! Du hast doch kein Übergewicht!“

Äh.. ich kann aber meine Waage lesen! Das spricht mir hier gerade de facto ab, dass ich dazu in der Lage bin, meine Waage zu lesen, bzw. dass ich schlich und einfach Augen im Kopf habe. Wie dreist!

Ja, wir sehen gut aus, sind gebildet, schlagfertig, interessiert und aktiv und ja, wir sind trotzdem zu dick. Was ist denn daran so schwer zu verstehen? Mein Gewicht definiert mich nicht, aber es wird von vielen Menschen als Tabuthema weggeredet, obwohl es uns gleichzeitig die ganze Zeit als Thema vor den Latz geknallt und damit völlig unnötig emotionalisiert wird.

Jetzt zu den Fakten:

Stand der Dinge: 85,4 kg, d.h. – 17kg, 13kg to go. Ich habe den Zenit überschritten! Weniger to go als gone! YEAH!

Maße: Brust -7cm, Taille -14cm, Hüfte -10cm, Oberschenkel -5. Formveränderung: unbeschreiblich.

Ich bewege mich an den meisten Tagen so um die 1000 kcal, halte Sport recht diszipliniert durch, habe den HAJ 10K gut durchgehalten und werde ab September für den Halbmarathon trainieren. Charles mit seiner Bodyweightfolter ist in Woche 15 (15.3 von 5 Trainings), weil ich nach Woche 15.1. so einen unfassbaren Bauchmuskelkater bekommen habe, dass ich erstmal vier Tage Bodyweightpause einlegen musste.

Nachdem ich die 88 erreicht hatte, habe ich kurzzeitig ein Motivationsdilemma erlebt, das zu wenig nachvollziehbaren Ausreißern nach oben führte, aufgrund schlecht geplanter Wasseraufnahme und viel zu viel Stress.

Mittlerweile geht’s aber und jetzt mokel ich hier vor mich hin, esse so viel wie ich Hunger habe und wenn am Ende des Tages nur 800kcal da stehen, then so be it.

Und zur WIESUALISIERUNG habe ich noch ein schickes vorher-mittendrin II Foto gebaut. Diesmal sogar mit Bauch.

 

Und damit bin ich – wohlgemerkt – noch nicht mal im Normalgewichtsbereich angekommen. Die sehr ungenaue Rechnung zum KFA sagt zwar, ich hätte 32%, was insgesamt schon als „Normal“ definiert wird und meine WHR ist auch „normal“, aber eben noch weit weg von wirklich gesund.  Also immer weitermachen. Ist schon großartig, wenn man selbst die Resultate sieht. 🙂

 


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Gummizustand

Es ist Freitag Abend, 21.45 Uhr ziemlich präzise und ich bin verabredet. Mit Ella. Wir wollen in den Kristallkeller, eine In-Location im mittelspießigen Stadtteil List vom völlig unterschätzten Hannover.

Ich also erst den Dive in den Schrank gemacht und nach dem Wühlen in dreißig Kilo überwiegend schwarzem Stoff, mit und ohne Spitze, festgestellt: Shit, ich hab ja gar nichts zum Anziehen!
Bevor jetzt alle losplärren: „Bäh! Klischeeee!“ – ich habe wirklich momentan fast nix mehr, was mir passt. 15 Kilo sind halt 15 Kilo und Größe 42 ist meistens nicht Größe 46. Und da sieht ein sexy Samtkleid einfach auch gerne mal aus wie ein trauriger Ökomuttisack. Ich also besagten Sack im Spiegel betrachtet und gedacht: Also, es sieht aus, als sei ich rausgeschrumpft. Geil. Ich bin so dünn geworden! Party!

Gleich n Bier aufgemacht.

Dann also in den Keller und die „Zieh ich an, wenn ich mal schlank bin“ Klamottenkiste durchwühlt. Nagut. Nicht mehr so richtig mein Stil mit dem ganzen Gerüschel, aber was soll’s. Wenigstens passt es.
Ich also die Treppe des Todes wieder hoch, wieder am Spiegel vorbei. Mein Hintern in Leggins wischt noch so durch das periphere Blickfeld. Und da vollzieht sich das Mysterium der abnehmenden Seele, der Gedanke des: „Noah, der ist aber noch ganz schön fett.“ Natürlich liebevoll gedacht, das ganze ist ja erstmal nur eine sachliche Feststellung. Und mein Hintern ist halt fett, was soll ich machen. Es sollen ja auch noch 15 Kilo weichen und die sitzen halt vor allem da. Irgendwo müssen sie sein. Und besser da als am Bauch (Sorry, Apfeltypen).

Ich also wieder vorm Spiegel festgeklebt und Arsch begutachtet. Hier gedreht, da gedreht. Bikini rausgeholt. Hm. Schon ganz gut so. Bisschen den Oberkörper verdrehen. Hm. Ist das ein Bauchmuskel? Vielleicht noch den Oberschenkel so anspannen, dann sieht man schon fast eine Linie.. es klingelt. An der Tür.

Ich, voller Panik, mache erstmal die Tür auf, bevor ich die Gegensprechanlage befrage: „Passwort?“
„May the fourth be with you!“ sagt Ella.
„Ja ja, ich kaufe auch keine Staubsauger von dir. Aber ich bin noch nicht angezogen.“
„WAAAAAS? Ich komm erstma hoch.“ sagt sie und ich höre kurz darauf Schritte auf der Treppe. Sie umarmt mich, ich komme mir im Bikini leicht bekloppt vor, aber läuft. Ist ja Ella.
„So, du willst also in Bademode in den Keller oder was?“ fragt sie, als sie ihr Bier in der Hand hat.
„Nee, ich hatte einen Gummimoment.“
„Aaaah.“ sagt Ella, wohlwissend um das Paradoxon, das vermutlich nicht nur abnehmende Menschen, sondern auch Frauen innerhalb ihres Zyklus kennen. Einen Moment findet man sich schon ziemlich geil, so all things considered – und einen Tag (oder auch nur eine Jeans oder einen H&M oder einen Augenblick) später, sieht man sich mit ganz anderen, deutlich kritischeren Augen.

Das heißt jetzt nicht unbedingt, dass man die ganze Zeit heulend vorm Spiegel steht und sich in ein Loch wünscht, aber es gibt Tage, da muss ich von mir selbst Fotos nebeneinander montieren, um den Fortschritt bewusst wahrzunehmen.

Ella quatscht mich letztendlich in die schwarze Hose vom vorletzten Sommer und ein verbotenes Leotop in Grau-Weiß und so richtigen 90er Schmuck, wie mit 14, Choker und so. Ich schäme mich ein bisschen, finde es aber auch ein bisschen cool.

Wir trinken noch ein Bier, dann gehen wir tanzen.


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Gemein

Ich würde mich grundsätzlich nicht als netten Menschen bezeichnen. Ich bin missgünstig, eitel, trage Leuten, die sich wirklich scheiße benommen haben lange ihren Fehler nach, obwohl ich es vielleicht nicht will, ironiere oft bis ich zum Sarkasmus komme und rede grundsätzlich zu viel von mir selbst. Ich vergesse Geburtstage(1), habe die Linzenz zum Klugscheißen, bin zu oft ein Smombie und manchmal trolle ich absichtlich Leute im Internet, weil ich Spaß daran habe. Wenn Leute scheiße sind, dann finde ich sie auch scheiße und ich kann einfach nicht lügen.

Das letzte würden viele bestimmt als eine super Eigenschaft bezeichnen, ist aber schlicht scheiße unhöflich. Insbesondere wenn, wie schon oft passiert in letzter Zeit, Menschen mit mir über Gewicht und ihr eigenes Gewicht und den optisch damit verbundenen Zustand sprechen.

Das läuft oft nach dem Muster

A: „Oh, du bist aber schmal geworden, wie hast du das denn gemacht?“

Ich: „Kalorienzählen und Sport.“

A: „Oh.“ *Stille* „Naja, ich müsste/würde/hätte/könnte/sollte eigentlich auch ein paar Kilos loswerden.“

Ich (innerlich) Sag jetzt nichts, sag jetzt nichts, sag jetzt nichts: „Joah.“ Mist.

 

Denn ich weigere mich, die zunehmende Verfettung der Gesellschaft schönzuschwafeln.

Ein konkretes Beispiel:

Samstag Abend, wir uns gerade den Bauch vollgemampft mit Spargel mit missglückter Flockhollandaise, die zwar ein bisschen wie Sperma über den Spargel rann, aber genauso gut schmeckte, wie normale Hollandaise. Ich hatte auch reichlich gemölmert, allerdings auch das Laufen am Sonntag (ca. 800 kcal) eingerechnet und für 800 Kalorien kriegt man eine Menge Spargel und Kartoffeln. Da stehen wir so und Tom piekt in meinen Bauch, der aufgrund meiner Position angespannt ist und sagt: „Boah, das ist ja hart wie Stahl.“ Nicht, dass das nicht maßlos übertrieben ist, denn schließlich sind noch gute 4-6 cm Speck und Haut und Bindegewebe über den Bauchmuskeln, die sich nur direkt unter dem Rippenbogen in den schönsten Verrenkungen erahnen lassen, aber was solls. Dann streckt er mir den Bauch hin und ich pieke rein und anstatt was ähnlich übertrieben Nettes zu sagen, denke ich darüber nach, dass er vor drei Stunden noch selbst monierte, so unfit und speckig wie noch nie zu sein. Und ich denke mir in dem Bruchteil der Sekunde: wenn ich ihm jetzt noch die verharmlosende Lobesdusche übergieße, dann bleibt.das.so. Welch Horror denn am Ende sitze ich dann allein in unserer Alters-WG, weil alle anderen aufgrund ihres dauernden Übergewichts bereits gestorben sind und fahre nur Rollstuhlrennen mit mir selbst. Wie kacke wär das denn?! 

„Joah,“ sag ich also und bin mal wieder ehrlich: „Aber da geht noch was.“

Indigniertes humorig Herunterspielen und (mit Recht) humorig Kontramotzen folgt.

 

Und ich stehe da und frage mich: Warum ist das eigentlich so ein Problem mit diesem Sagen, dass jemand zu specky ist?

Und ich muss mir eingestehen, dass dieses dusslige Buch, das alle gelesen haben und das so vielen Menschen auf einmal die Tür zum Erschlanken geöffnet hat, a) diese Frage auch schon betrachtet hat und b) bei mir zu einer Art Erleuchtung hinsichtlich meiner Beziehung zum Dicksein geführt hat.

Grundsätzlich habe ich es immer wieder so wahrgenommen, dass gesellschaftlich dicke Menschen als faul, lethargisch und weniger intelligent gesehen werden; wären sie intelligent und aktiv, wären sie ja dünn, denn sie würden sich besser ernähren und wissen, wie schädlich das Übergewicht nicht nur körperlich, sondern auch gesellschaftlich sein kann.

Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass wenn man, selbst wenn man es nicht so meint, jemandem Übergewicht attestiert, man ihm indirekt diese Eigenschaften zumisst. Faulheit, Dummheit, Trägheit. Gerne auch gepaart mit Erfolglosigkeit bei den Frauen/Männern, Jungfrauen/Mauerblümchen und Muttchen-Image, Stillosigkeit und Maßlosigkeit (2).

Da ich meinerseits allerdings seit der Lektüre eine völlig neutrale Beziehung zu meinen Schwabbelanteilen entwickelt habe und einfach nur sachlich feststellen konnte, das derer zu viele an mir dran sind, habe ich leider auch die ausgeweitete Empathie dahingehend verloren. Hat jemand ein riesiges Muttermal, das eventuell Hautkrebs sein könnte, sage ich ihm das ja auch und lasse ihn nicht leise sterben. Dass Ärzte und Orthopäden in vielen Fällen nichts zum Thema zu fett sein sagen, finde ich schon skandalös genug; dass das gesellschaftliche Bild von „normal“ gleichbedeutend ist mit dem „durchschnittlichen“ Bild, welches leider an der Kante oder etwas über dem gesunden BMI liegt, dramatisiert diese Situation natürlich weiter. Schließlich kann ich nicht durch die Gegend laufen und allen Menschen sagen: Du bist zu fett.

Aber ehrlich mal: Wenn mich jemand indirekt fragt und wenig aussichtsvolles Fishing for Compliments betreibt, dann muss er verdammt noch mal damit leben, wenn kein Kompliment zurück kommt. Warum? Weil ich Fishing for Compliments hasse und weil ich nicht lügen kann.

Denn ich weigere mich, zur Fettshaming Kultur zu gehören, wo man sich über dicke Leute lustig macht und ich weigere mich auch, zur Fatacceptance zu gehören, welche die Folgen des Fettseins verharmlosen. Ich weigere mich, einen gesundheitlich kritischen Zustand schönzuloben aus Höflichkeit. Ich wünsche mir, dass meine Freunde lange leben und man sachliche, wertfreie Gespräche mit mir über das Fettsein, Sportlichkeit und Probleme führt und keine, die davon leben, sich gegenseitig ein fuzzy Feeling einzulügen, weil das Speckkinn „einen viel weicher und lieblicher“ macht.

Da bin ich lieber gemein als verlogen. Bittesehr.


(1) (obwohl ich die Menschen liebe, die Geburtstag haben, weil ich irgendwie nicht logisch nachvollziehen kann, warum der Tag an dem derjenige geboren wurde jetzt so mega wichtig ist. Hätte auch einen Tag davor oder danach gewesen sein können, kosmisch macht das keinen Unterschied und er ist ja nun mal DA. Wann er KAM ist ja egal.)

(2) (Maßlosigkeit mag stimmen, ist allerdings in vielerlei Hinsicht meist körperlich (genetisch) oder psychisch begründet und kann mit den entsprechenden Reglern gut reguliert werden.)


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„Das Vorher“ und „Das Nachher“

Die meisten Vorher-Nachher Bilder zeigen „vorher“ das Maximum der Unvorteilhaftigkeit. Da steht dann eine in hautengen Kleidern oder  verkniffen-unglücklich in weißer Feinripp-Fettsack-Uniform gehüllte Gestalt vor einer weißen Wand, um die Unglückssituation nachhaltig zu betonen und die fleckige Gesichtsfarbe der Wandfarbe noch etwas mehr anzugleichen.

Im Kontrast dazu sieht man oft auf dem „Nachher“ eine breit grinsende Haselnussvisage, die in den neuesten trendy bunten Klamotten perfekt coiffeurt eine scharfe Pose hinwirft. Mein lieblings Hassobjekt in dieser HInsicht sind übrigens die Vorher-Nachhers von WeightWatchers und Bodydingsbums von Detlef D. Soisses. 

Der Denkfehler passiert nur da, wo sie ungefähr in JEDER Situation besser ausgesehen hätten, als vorher! Sogar im PASSBILDAUTOMATEN, denn der ist wenigstens richtig AUSGELEUCHTET.

Diese perfide Manipulation unbegeistert mich.

1. Scheint es keine guten Fotografen zu geben, die Moppelmenschen anständig fotografieren können. Und das halte ich für ein hartes Gerücht.

2. Macht es allen Moppelmenschen erstmal den Tag madig, weil sie stellvertretend lediglich als hässliches und ungeliebtes „vorher“ ungepflegt inszeniert sind. Nur „nachher“ ist die Fashioninszenierung wert. Bah.

3. Ist das ein billiger Trick, der meine Intelligenz beleidigt und mich persönlich keinesfalls motiviert hat!

Denn merke: In jedem dicken Mensch steckt ein dünner Mensch und zu viele Kalorien, insofern sind beide de facto DIESELBE PERSON und sollten mit demselben Maß an Respekt und Anerkennung behandelt werden.

Anyway, in diesem Sinne habe ich ein Vorher-Shooting mit einem befreundeten Fotografen gemacht, der mich zu Hause besuchte als ich noch mehr rummoppelte und mich auf meiner heimischen Küchencouch umgeben von Glitzerkissen fotografiert. Im Metalshirt, das mir leider etwa zwei Größen zu klein war. Von wegen der Vergleichbarkeit, im Oktober (am Ziel laut Konsequenzkalender) soll das nachher-Shooting also genauso ablaufen.

Da ich euch aber letzteWoche schon Vorher-Nachher versprochen habe und mein Versprechen halten will, kommt jetzt mein Vorher-Mittendrin-Ich-Hab-denselben-ollen-Pulli-an-guckt-mal-ob-ihr-was-erkennt-aber-ich-zieh-mich-nicht-aus-im-Internet – Foto.

Daten: Vorher (31.12.2016): 32 Jahre, 183cm groß, 103 kg, weiblich, zynisch.

VorhernnachherPulli.jpg

„Hinterher“ – was eigentlich „Mittendrin“ heißen müsste oder „nach dem ersten Drittel“ (03.04.2017).: 32 Jahre, 183cm groß, 89 kg, weiblich, sehr zynisch durch Wegfall der Schokoladenmediation.

Frappierendste Unterschiede im direkten Vergleich: 

  • Wegfall der geilsten Mädchenwinterschuhe wo gibt aufgrund akuter Sommerlichkeit.
  • Verbesserung des Fotografierungsvermögens, d.h. das Bild ist nachher wenigstens auch scharf.
  • Das Krafttraining hat dazu geführt, dass ich mein Handy mit nur einer Hand halten kann.
  • Ich schaffe es nicht, zweimal denselben Winkel einzunehmen.
  • Ich habe aufgeräumt und den Spiegel geputzt.

Und ich schwöre, das ist derselbe Pulli in derselben Größe! Ich bin nicht geschrumpft!