kuekensalat

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Zwei und zwei Jahre

Mai: Erstes Treffen, verkleidet, du einäugig bucklig, ich Esmeralda. Funken fliegen über dein Kostüm hinweg. Wir lachen, du verstehst meinen Humor, fährst einen alten Amerikaner und gehörst in meine Szene obwohl du dein Leben im Griff hast. Du hast auch eine Freundin und redest nicht gut über sie, aber ich bin jung und ich verstehe nicht, was das heißt. Deine Selbstironie und deine Art imponieren mir. Du sagst: „Die Alte, die verlasse ich auch nicht. Aber Freunde sein, das geht?“ Hätte ich mal nein gesagt, aber stattdessen sage ich: „Okay.“

Juni: Wir reden, du rufst an und jammerst und ich denke arrogant was du laut sagst: „Mit dir wäre das alles besser.“ und ahne nicht, dass eine Menge Büchsen Pandoras dort warten, wo langsam deine Beziehung verreckt. Sommer, Sonne, Sommersprossen, „Willst du noch ein Guinness und was hältst du von dem Film?“ und ich denke, als wir uns später küssen: „Das ist eine total dumme Idee.“ Aber wir klicken, wir verstehen uns blind und nonverbale Kommunikation ist so günstig, wenn man die Wahrheit ignorieren will.

Januar: Erst trennst du dich, trennst dich dann doch nicht, willst aber doch mich und meldest dich und ich – ich schiebe Dramen und schreibe erwachsene Briefe und schicke dir selbstgebrannte CDs mit Adele und du sagst, dass du mich liebst und Zeit brauchst und Abstand von allem, den es dann doch irgendwie nicht gibt. Und es fällt mir schwer einzugestehen, dass ich doch nicht besser bin und hier irgendwas verliere.

August: Zur Hochzeit unserer Freunde gehe ich nicht, weil ich dein Gesicht nicht sehen will, aber dann kommt die Nachricht: „Können wir uns treffen? Aussprechen wäre vielleicht richtig?“ und ich bin nichts wenn nicht diplomatisch, aber ich wünschte, ich hätte nein gesagt. Stattdessen habe ich geflennt.
Vier Monate ist das was dann passiert beinahe Beziehung und kaufst Betten und Weihnachtsgeschenke mit mir und dann kommt Silvester und als ich dich anrufe „Wann kommst du?“ kannst du nicht und hast Gewissensbisse – und ich lege einfach auf.

April: Sinneswandel, Postkartengeständnisse, jeden Dienstag ein Paket – ich habe schon ein lebenslang laufendes, ignoriertes Blumenabo akzeptiert, da hast du dir, klar geistig umnachtet, meine Unterschrift auf den Arm tätowiert. Anscheinend bin ich geistig verreist und anstatt dich als Stalker bei der Polizei anzuzeigen sage ich: „Ich will Kinder und Familie, dass du aufhörst zu rauchen und jemanden, der mich aufrichtig liebt.“ Du nickst, denn versprechen kann man viel und wenn mein Name auf deinem Arm kein Versprechen ist – ernsthaft ist wichtiger als Stil.

Mai: Dritte Chance, dritter Versuch – und zur Krönung des ganzen schenkst du dir die Burgruine, eine zeitgemäße Immobilie, erst 1000 Jahre alt – und auch fast nicht einsturzgefährdet. Frierend lieg ich im Winter im unbeheizten Zimmer, denn bei mir bist du quasi nie, die Burg braucht dich sagst du und das kenne ich schon irgendwie. Ich starre an die dunkle Decke, Muff liegt in der Luft. Klar wollte ich immer Prinzessin sein, aber das meinte ich echt nicht so wortwörtlich – und vor allem wollte ich dann auch den Prinzen… Aber selbst wenn mir das Verständnis fehlt, habe ich immerhin gelernt, wie man Fußböden ölt. Wie Crocs und Muscleshirts sind wir zwar hässlich, aber halt irgendwie bequem und ich noch nicht geheilt von meiner Idee, dich doch irgendwie noch wirklich rumzukriegen, zu Nähe und Familie – es fiel mir schon immer schwer zu scheitern und jetzt doch zu gehen. Denn wenn alles andere nicht Grund genug war, welchen habe ich dann jetzt?

Mai: Es wird warm und ich beschneide deine Rosen, die Katze liebt mich und ich liebe sie, vielleicht mehr als dich – immerhin will sie Familie.  Du rauchst weiter Kette und trinkst Cola wie Wasser und das regt mich auf. Auf meinen Smiley antwortest du nicht mehr und ein paar Stunden danach stehst du wie das Leiden Christi in meine Küche, tust so, als trennst du dich aus Selbstlosigkeit von mir, dabei hat deine Kollegin schon den Hausschlüssel von dir. Ich weine hauptsächlich aus Reflex, das ist halt meine Rolle, zum Glück knickst du nicht ein, lässt meinen Schlüssel auf dem Tisch liegen und schließt die Tür hinter dir und ich erinnere mich, dass ich gerne hundertmal Nein gesagt hätte und ärgere mich kurz mal dabei.

Du akzeptierst die Liebe, die du glaubst zu verdienen, das habe ich verstanden wegen  dir.  Dank dir habe ich gelernt, was ich brauche und wer mich nicht verdient, dass was sich scheiße anhört auch scheiße ist und es dazwischen nicht so viel gibt.  Dass große Freiheit auch Gleichgültigkeit bedeuten kann und Geschenke kein Beweis für Gefühle sind. Dass ich alleine Flügel habe und Soap Operas gar nicht so cool sind, wenn man sie lebt.

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Anderthalb Jahre

 

  1. Zustand, in dem jemand von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen frei ist und sich in seinen Entscheidungen o. Ä. nicht [mehr] eingeschränkt fühlt; Unabhängigkeit, Ungebundenheit
  2. Möglichkeit, sich frei und ungehindert zu bewegen; das Nichtgefangensein
  3. Recht, etwas zu tun; bestimmtes [Vor]recht, das jemandem zusteht oder das er bzw. sie sich nimmt

 

Als es anfängt, bin ich frei.

Keiner da, der mich zurückhält, eigene Wohnung, eigenes Geld, eigene Entscheidungen, noch nicht lange bin ich frei, aber frei bin ich trotzdem und du – du passt gut dazu. Meistens bist du nicht da und wenn, dann unterstützt du mich und ich kann tun, was gerade wichtig ist, meinen Master schreiben zum Beispiel.

Du, mit deiner Band, mit deinen Auftritten, deinem Bart und deiner Ziellosigkeit. Du bist belesen, wirkst viel älter als du bist und hast zu allem eine Meinung und irgendwas zu sagen. Am Anfang imponiert mir das, von weitem sieht es aus wie Bildung.

Dein T3 gefällt mir und dein Angehimmele gefällt mir und deine Musik, ja die Musik die ihr macht gefällt mir auch. Die Szene und die Gedankenspielchen, die damit einhergehen, die kreativen Ausbrüche, die Ideen, die bunten Wochenenden. Freiheit in irgendwie Gebundenheit, aber nur irgendwie. Denn irgendwie bleibt mein Herz immer frei, irgendwie nehme ich das alles nicht wirklich ernst und irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen –

Bis herauskommt, dass deine angepriesene Familiengeschichte zu 80% unwahr ist und du sie nur erzählst, um Eindruck zu schinden. Bis herauskommt, dass du gelogen hast, als du sagtest, du machst deine zweite Ausbildung zu Ende. Bis du das zweite Mal bei mir für Wochen einziehst ohne einen Cent Geld und ich uns mit meinem Studentenbudget durchfüttere. Ich seufze, ich diskutiere, ich berate und ich kommuniziere. Du weinst. Ich seufze wieder. „Es ist dein Leben, aber wenn das alles ist, was du vom Leben willst, dann wird das nichts mit uns“, sage ich, nach einem Jahr. Ich habe gut reden, denn ich bin immer noch frei.

Bis ich meinen Job anfange – und auf einmal ändert sich alles, denn meine Schüler sind reifer als du, sind gebildeter und konsequenter und fleißiger als du, sind zielstrebiger und erwachsener als du – obwohl sie erst 17 sind und alles was ich sehe, wenn ich dich treffe ist deine Verlorenheit und der Versuch, sie zu verstecken. Alles was ich empfinde ist Unwille, die Verantwortung für dich zu übernehmen, die du mir aufdrücken willst, ich ersticke unter deinen Liebesbekundungen aus Verzweiflung und bin entsetzt über deinen Mangel an Selbstständigkeit. In meiner Welt wirst du zu einem kleinen Jungen und ich fühle mich schäbig und alt.

Also tue ich das einzig richtige: Ich verteile Freiheit. Freiheit, die du nicht willst, die dich überfordert, denn hätte ich dich bemuttert, wäre dir das lieb gewesen. Freiheit, die ich nie verloren habe und die du erst wieder mühsam lernen musst.

Sie hilft dir dabei, lässt dich bei sich wohnen und nachdem du erstmal eingezogen bist, ziehst du auch nie wieder aus.

 

 

 

 

 

 


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Dreieinhalb Jahre

„My fingertips are holding onto the
Cracks in our foundations,
And I know that I should let go,
But I can’t
And every time we fight I know its not right,
Every time that you’re upset and I smile
I know I should forget, but I can’t“

Du bist der golden Boy, der Sheldon unter den Partypeople, der Mathematiker, Theoretiker und Querdenker. Du bist kein Träumer, sondern ein Erfinder und Sensoren sind dir weniger rätselhaft als Gefühle. Als du vom Fahrrad absteigst und mich mit einem honigweichen „Hallo!“ begrüßt, werde ich nich von einem Pfeil, sondern von einem Medizinball getroffen, so geistig umnachtet benehme ich mich.

Du bist stumpf und ich flirte so offensiv, dass sich unsere Freunde schämen, aber erst als ich dir einen Kuss aufdrücke, verstehst du, worum es mir geht.

Wir sind so verschieden, dass es weh tut. Du machst, ich bin nur in meinem Kopf, du bist durchtrainiert und isst so viel, dass mir beim Anblick schlecht wird, ich zähle Kalorien, weil ich muss um Normalgewicht zu halten. Du bist Legastheniker und ich studiere Englisch, du bist einfach so und ich zweifle an allem. Du diskutierst aus Spaß und ich um Leben und Tod, du sparst und ich kann nicht mit Geld umgehen, ich habe eine Style und du gehst mit deinen Eltern einkaufen. Du baust Roboter und ich hänge Regale schief auf. Du lernst wochenlang seitenlang Gleichungen und ich schreibe meine Bachelorarbeit in fünf Tagen weil ich ein Motivationsproblem habe bis ich ein Zeitproblem habe. Dein Sommerjob ist als Elektriker im Theater und ich reiße Tickets ab im Kulturverein. Du spielst Badminton und ich tanze auf Bühnen. Du hast keine Lust auf drei Praktikumsmonate in Bremen und ich möchte am liebsten in Australien zu Ende studieren und wenn ich meine praktische Malereiprüfung habe, verstehst du nicht, warum ich in den zwei Wochen nicht ein Wochenende mit deinen Eltern verbringen will, sondern malen. Ich male dir ein Bild und du schmiedest mir einen Ohrring. Ich liebe Loriot und du Mario Barth und dein Auto finde ich spießig und du hasst, dass ich so unordentlich bin.

Wir haben einen gemeinsamen Freundeskreis, schauen dieselben Filme und fahren auf Festivals zusammen, machen Radtouren und kleine Urlaube, besuchen deine Eltern und organisieren Geburtstagsparties. Wir streiten uns. Du verstehst nicht, was mich bewegt, du funktionierst so anders, dass ich nicht verstehe, wie du so anders sein kannst und in all dem Anderssein ist das Gemeinsamsein nur ein Teil. Wenn ich ein Problem habe, habe ich das Problem und auch wenn es dich betrifft, ist es ja mein Problem spricht der Logiker und ich werde stumm, denn logisch denken kann ich und erkennen, wann jemand mich abweist, kann ich auch.

Und wir streiten. Streiten um das Essen, um gemeinsame Abende, um mangelnde Rücksicht, weil wir nicht gemeinsam in den Urlaub fahren und weil du mein Tanzhobby blöd findest und weil du eifersüchtig bist, aber zu stolz das zu sagen und mir lieber das Wochenende verdirbst, und weil ich eifersüchtig bin und du das albern findest und wir uns jetzt so gut kennen, dass jeder Schlag sitzt.

Heute tanze ich auf deiner Hochzeit, du hast den Verlobungsring selbst geschmiedet und deine Schwägerin nennt deine Frau immer noch „die Neue“ obwohl sie schon seit sieben Jahren da ist und ich schaue sie strafend dafür an. Ich hänge mit unseren Freunden ‚rum und wir alle machen Partyselfies mit deinem Bruder und bescheuerten Kostümen und am Ende der Nacht erinnere ich mich daran, was du mir sagtest, als ihr zusammenkamt: „Es ist schön, dass sie so leidenschaftslos ist was viele Themen angeht, so streiten wir uns nie.“ Und wie ich lachte und du nicht verstandest, was ich so lustig daran fand. Und wie du danke sagtest, als wir uns letztens mal wieder mit unseren Freunden trafen, für alles, was du aus unserer Beziehung gelernt hast, damit diese Ehe jetzt funktioniert. Und ich dir danke sagte für alles, was ich von dir lernen durfte, über Menschen, über Logik, über mich.

Und ich erinnere mich an die Erkenntnis, dass Liebe eben nicht reicht, damit etwas funktioniert, aber nur weil es nicht funktioniert, hört sie auch nicht einfach auf. Es braucht ein paar Jahre, ein paar Gespräche, ein paar betrunkene Geständnisse, viel Verzeihen und sehr viel Geduld, bis einem klar wird, dass manchmal Loslassen viel schöner ist als Festhalten.


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Fünf Jahre

Am Anfang ist alles ganz unspektakulär, fast nüchtern, du und ich, eine seltsame Party, Mangel an Alternativen, mehr nicht.

Ich bin das erste Mal mutig, hatte keine Lust herzukommen, bin kürzlich hergezogen und habe dieses Omageruch-50er Jahre Treppenhaus erklommen und hocke hier in einer sturmfreien Eltern Wohnung inmitten von Leuten, die sich mit Vodka betrinken, weil Vodka billig ist. „Come as you are..“, ja, hab ich gemacht, Pulli, Jeans, Zopf, einfach nur ich, nüchtern, groß, übergewichtig. Alles, was mich sonst runterzieht, habe ich heute trotzig ignoriert, denn wenn ich in dieser Stadt ankommen soll, muss ich mutig sein und ja, jetzt kommst du rein.

„Süß“ denke ich und dann „aber nicht für mich.“ weil du kleiner bist und hübsch mit langen Wimpern und braunen Augen, falsches Bravado hüllt dich ein wie ein Cape. Und ich sehe hindurch und du bist nicht bedrohlich, sondern weich, weich genug für mich. Weich, damit ich keine Angst habe, dass du mir das Herz brichst. Weich, damit ich mich auf dich einlassen kann. Weich genug, damit ich beim Anflug von Monogamieterror denken kann: „Wenn es mir nicht gefällt, kann ich mich ja wieder trennen.“

Drei Tage später „gehen wir miteinander“ und ich denke: „Naja, der Richtige ist er nicht, dafür ist es zu früh und er einfach nicht der Richtige“ und merke nicht, dass vor allem ich nicht die Richtige bin.

Aber du wirst der Richtige. Nach vier Wochen, nach Monaten sind wir verliebt. Es ist die einfachste und schönste, die abhängigste und innigste, die unschuldigste und beste, die geilste und gleichzeitig simpelste Beziehung, die ich erlebe. Du gibst mir Selbstvertrauen, Fürsorge, einen Freundeskreis, eine Bestätigung im Leben. Du gibst mir Menschen, die mich lieben und akzeptieren und an denen ich wachse, du gibst mir Welten und Alter Egos, traumhafte Geschichten. Du gibst mir Energie. Ich gebe dir Liebe, Aufmerksamkeit, Bestätigung, Unterstützung in der Familie, den Glauben an deine Fähigkeiten, alles von mir und jede Menge Erwartungen.

Wir sind die ersten füreinander und während es fummelig, schrecklich und seltsam anfängt, macht Übung halt doch den Meister und wir üben – a lot. Einmal fällt ein Fernseher auf mich, einmal werden wir fast von den Eltern erwischt, einmal probierst du Wachsspielchen mit Teelichten (wer kommt auf so eine Scheißidee?) und fesseln bringt mich heute noch zum Lachen. Wir sind sorglos. Einfach. Wir verbringen drei Tage vor dem Kamin mit Comics, aufeinandergestapelt und tauschen die Bände, wenn wir ausgelesen haben. Wir träumen vom Weggehen, anderen Ländern, Reisen, Abenteuer und alternativen Lebensformen. Es ist die beste Zeit.

Und dann gehe ich.

Ich bin erwachsen, ich will ausziehen, ich will weg, die Lebensformen testen, andere Städte sehen. Weg aus dieser Stadt und ein bisschen auch weg von dir, bevor es zu bequem wird, bevor wir nie wieder jemand anderen haben, bevor das hier das letzte ist, was wir tun. Und ich fühle mich verpflichtet, wir haben uns Treue versprochen und versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.

Auch nicht, als ich seit Jahren allein wohne und dich für ein Kind halte, als du endlich auch mal ausziehst und dein Jahre jüngerer Mitbewohner schließlich alle Verträge über sich abschließt.  Auch nicht, als ich jedes Wochenende fahre, weil ich das Semesterticket habe und du dich weigerst, meine neuen Freunde kennenzulernen. Auch nicht, als ich fett werde, weil ich so verloren bin und dann mit dem Mut der Verzweiflung alles abnehme und sich das Innere genauso transformiert wie das Äußere – du dich aber gar nicht, was mich irrational irritiert. Auch nicht, als dein Humor mir auf einmal zu primitiv wird, du World of Warcraft wichtiger findest, als mich vom Zug abzuholen und mich zum Geburtstag mit so viel Kleingeld in die Sauna einlädst, dass ich vor Scham mit einem Schein bezahle und dir das Kleingeld zurückgebe. Auch nicht, als ich gemein werde und du gemein wirst und wir uns mehr ankeifen als alles andere.

Auch nicht, als zwischen uns mehr Schweigen als Gespräch passiert und wir im Urlaub mit Freunden so schlimm nicht reden, dass sie überlegen, sich während der Fahrt durch die dänische Botanik aus deinem dunkelblauen Golf zu werfen.

Auch nicht, als ich mich neu verliebe.

Und dann – doch.


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Exparade

Did you ever look at a picture of your ex and asked yourself: WAS I DRUNK THE ENTIRE RELATIONSHIP?!

Wenn ja, bekommst du jetzt die Medaille der Weiterentwicklung und schonungslosen Selbstkritik, denn nur ein Mensch, der dazu in der Lage ist, seine eigene Bräsigkeit im Hormontaumel zu bemerken, ist wirklich weise.

Natürlich ist man irgendwann dazu bereit, seine Exfreunde als „auf ihre Art und Weise bestimmt ganz tolle Menschen“ anzuerkennen, die „einfach nicht gepasst haben“, schließlich schützt man sich so vor der Erkenntnis, dass man einen beschissenen Geschmack und die beste Freundin einfach immer recht hatte.

New Agists würden jetzt argumentieren, dass jede Beziehung für etwas gut ist und sei es nur die Fähigkeit, Holzfußböden zu ölen oder ein gutes Rezept für Käse-Sahne-Sauce, aber ich halte das nur teilweise für richtig. Ich denke, es gibt Beziehungen, die hätte man sich auch ganz klar schenken können.

Exhibit A: „Mami?“

Der Homo Minifilius, oft Musiker oder (Lebens-) Künstler, der in der deutlich älteren Freundin nicht nur eine spannende, einem selbstempfundenen Reifegrad entsprechende (intellektuelle) Stimulation, sondern auch eine Anleiterin in Lebensfragen sieht, die ihm gut zuspricht, ihm hilft, Entscheidungen hinsichtlich seiner eher zick-zack-förmigen Ausbildungslaufbahn zu treffen, ihn bei sich einziehen lässt und somit die überfällige Abnabelung von den Eltern ermöglicht und ihn finanziell geringfügig (ganz) unterstützt.

Sieht aus wie gleichaltrig und benimmt sich wie 50, ist aber so verantwortungsbewusst und stringent wie ein 12jähriger. Bricht auch zusammen wie ein 12jähriger, wenn alle Beziehungsdiskussionen nicht helfen und Frau irgendwann den Kaffee auf hat. Findet, wenn er Glück hat, irgendwann Frau im „Muttimodus“, die gern einen Hausfreund hat und der es nichts ausmacht, finanziell für alles allein verantwortlich zu sein.

Exhibit B: „Ich stehe total auf starke Frauen“

Der Homo Egohomilis, der mit dieser Aussage eigentlich nur grundsätzlich schon mal anmerken möchte, dass er definitiv nicht die Schulter zum Ausweinen sein wird und es auch nicht in seiner Verantwortung sieht, irgendwelche Glühbirnen anzubringen oder Schränke zusammenzubauen.

Ist beleidigt und überfordert, wenn Frau echte Nähe oder Kooperation möchte und agiert grundsätzlich kompromisslos. Neigt zu vereinzelten, völlig übertriebenen Liebesbeweisen, wenn er merkt, dass Frau sich zurückzieht. Endet irgendwann in einer Beziehung mit einer völlig abhängigen Person, weil nur die es stoisch erträgt, wenn er sie größtenteils wie nervige Luft behandelt.

Exhibit C: „Ich will eigentlich im Moment keine Beziehung.“

Der Homo Commitophobicus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den schmalen Grat zwischen „irgendwie noch Casual“ und „Beziehung“ auszuloten und bei möglichst vielen verschiedenen Frauen auszuprobieren, was noch als unverbindlich durchgeht. Tut völlig überrascht und geradezu entrüstet, wenn tägliches Melden, durchdachte, persönliche Geburtstagsgeschenke oder das Treffen der Familie als Indikatoren interpretiert werden, dass das „EIGENTLICH im Moment“ in obigem Satz sich langsam aufzulösen scheint.

Hat keine Empathie und ist de facto eine feige Sau, weil er so tut, als wäre ihm nicht klar, dass er die Gegenpartei emotional an sich bindet, klärt aber die Fronten nur auf Nachfrage und ist vor allem anderen erstmal ein Forscher im Weinberg des bequemen Herumhurens. Bleibt entweder ewiger Teilzeitsingle oder treibt Freundin in den Wahnsinn mit seinem endlosen Hot-Cold-Hot-Cold-Getue.


Mir ist durchaus klar, dass ich ohne diese Männer in meinem Leben nicht so viel gelernt hätte über mich, über andere, über Psychosen, über meine Vorstellung von Liebe, Beziehung und Freundschaft. Und klar habe ich daher auch a) Kontakte in die Mittelalterszene und jede Menge Gossip, B) Geschichtswissen, Garten- und Katzenpflegetips sowie Renovierungsskills und Psychomanagement und C) IT Infos, ein paar Gadgets, gute Musik und den einen oder anderen kreativen Input gewonnen. Trotzdem waren manche dieser Zeiten so ab von allem, was sich sinnvoll schimpft, dass noch heute manche Namen bei meiner besten Freundin nur diesen besonderen Gesichtsausdruck auslösen, der etwas an ein verstopftes Eichhörnchen erinnert.

Kleine Memo an alle Routine-Klogriffler an euch: Wenn ihr die Story irgendwem erzählt und sie hört sich schon scheiße an, dann ist sie auch scheiße, denn Hormone sind kleine, geile Bitches, die sich mega einen ablachen, wenn ihr den Typen später wiederseht und feststellt: „Der Lauch ist höchstens eine zwei- war ich bei Bewusstsein?!“

Trotzdem wie Alanis sagen würde: Thank you DrummerBoi, thank you Catman, thank you thank you Star Waaaaaaars…

Gerade befinde ich mich in einer Phase verstärkter Reflexion über diese Kracher, ich arbeite noch an einer Form, die den Francis-Chroniken gerecht wäre.

So long!


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Die Stadt

Lichter, dunkel, Lichter, Bratwurstgeruch, fremde Pelzkapuze im Gesicht,

Schmalzkuchenduft, Weihnachtsmusik, Mistletoe – will ich aber nicht.

Will ich nicht, nicht ohne dich.

Scheiß Romantik, scheiß Lieder, scheiß Glitzer, scheiß Stadt.

Was soll die Stadt, wenn sie nur mich hat.

Und nicht dich.

 

Regen, grau, Gebäude, Gerenne, niemand hier den ich kenne.

Alle sind weg, außer mir, ich bin hier,

alleine im feuchtwarmen Straßenbahnwagen

seh wie sich Leute gar nie nichts zu sagen haben.

Und denke, was ich dir gesagt hätte, wenn –

doch nur die Stadt ist hier, denn.

 

Immer noch nass, aber kalt und sehr dunkel,

die Luft riecht nach Schwefel und der Himmel ist bunt,

alles knallt und ich trinke und auch wenn’s schon was her ist

bin ich immer noch wütend und wund.

Besoffen und wütend ist viel besser als traurig,

aber so richtig gut macht die Stadt das jetzt auch nicht.

 

Und ich weine und schimpfe und schleich vor mich hin

weil ich immer noch nicht drüber weggekommen bin

und die Tage sind lange und langweilig hier

und ich bin maulig mit der Stadt und mit mir.

 

Es ist dunkel und eisig und die Sterne sind da

der Morgen ist früh und mir war nicht ganz klar

als ich gestern allein in der Stadt Zeichnen ging,

das sowas auch endet mit Roots und mit Gin.

Mit neuen und den besten Freunden

mit Liebesgeschichten und Biografien

und jetzt gehe ich nach Hause, viertel nach vier, singe Roots

und die Stadt, ja die Stadt

gehört mir.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Gelogen

Diesen Text habe ich in Gedanken an einen Poetry Slam geschrieben, stellt euch also vor, er würde vorgelesen. 😀 😉

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Ich, 26, gertenschlank und wunderschön,
warte darauf, dich – maximal 36, athletisch, zu sehen.
Meine Hobbies sind Sport und Maniküre, ich verdiene mein Geld mit Instagram
und wenn du mir cool genug bist, sage ich dir sogar meinen Instanamen.
Und wenn du mein Freund wärst, bekämst du ein eigenes Hashtag
Sowas wie BigLove oder BestDick oder
– ach Dreck.

 

Ich, 30, mittelmäßig mittellos und mittelmäßig freundlich suche dich,
mittelmäßig sorgenfrei und auf jeden Fall verlässlich.
Ich mag Spaziergänge, Kino, Freunde treffen und ich lese Bücher.
Ich hoffe das ist öde genug für dich, sonst gehst du doch nur wieder.
Ich trage Kleidung von C und A und ess‘ gern bei Va Piano,
aber wenn du keinen Knoblauch magst, ist das auch ok so.
Den lasse ich dann weg, dann könnten wir uns küssen.
– was wir aber auch nicht müssen.

 

Ich, 33 und oft schlecht gelaunt,
habe mir Typen mit einem großen Herzen erträumt.
Ich kann jede Menge Zeug, genug zum Überleben.
Nur Mathe würde ich gerne an dich abgeben.
Steuererklärungen und all sowas, die kriege ich geregelt
und überhaupt brauche ich gar nichts von dir, am wenigsten dein Geld.
Aber Liebe wär schön, Liebe ist mir schon wichtig
und Diskussionen auf Augenhöhe oder vielleicht auch..
– ach geht auch nicht.

 

Ich bin alt und groß und mag jede Menge Zeug,
Star Wars und Malen und Joggen im Wald,
ich liebe Katzen und spielen und ach ja – ICH BIN ALT.

Ich will Kinder und Tiere und ein altes Haus
mit nem Esel im Garten und du guckst da raus.
Ich will Spaß und jemanden, der mich verträgt
der meine Art von Wahnsinn freiwillig wählt,
der mag, dass Gedichte über ihn existieren,
den Otter genauso wie mich faszinieren,
der gut ist im Bett – zumindest für mich-
für alle anderen ist das dann nebensächlich,
den ich anhimmeln kann weil er großartig ist,
der auch mal seine Freunde vermisst,
der sich durchsetzt, wenn wir den Schrank aufteilen
und zwar ohne darüber lange zu heulen,
der beleidigt ist, wenn ich unmöglich werde
und darüber spricht, damit ich daraus lerne.
Der fair ist und uns eine Chance gibt
und sich wirklich aufrichtig in mich verliebt.

 

Ich, 33, gehe jetzt einen Trinken.
Und wenn das Leben es gut mit mir meint,
wirst du mich dort schon finden.