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Persönliche Fettlogiken

Vor über einem Jahr habe ich an dieser Stelle schonmal schamlos Werbung für die Aufklärungsschrift „Fettlogik überwinden“ gemacht, deren rätselhafter Titel sich schnell folgendermaßen erklärt: Als Fettlogik wird eine Überzeugung bezeichnet, welche wirkungsvoll verhindert, dass der Überzeugte erfolgreich sein Körpergewicht kontrolliert.

Märchen wie „Wenn du unter deinem Grundumsatz isst, fällst du übermorgen tot um(1), kommst in den Hungerstoffwechsel und dein Körper gibt nichts mehr her(2) und dann machst du deinen Stoffwechsel kaputt und weil du so viele Diäten gemacht hast, ist er sowieso schon kaputt (3) und deswegen nimmst du nicht ab, obwohl du dich an 1000 kcal am Tag hältst (4).“ werden darin gründlich- und vor allem wissenschaftlich durch mehrere, von größtenteils verlässlichen Quellen zitierte Verweise- außer Kraft gesetzt. Und es bleibt die Erkenntnis: Ich bin zu dick, weil ich mehr Kalorien zu mir nehme, als ich verbrauche.

Bei den meisten führt das zu einer Art Wiederentdeckung der Selbstwirksamkeit. Auf einmal nehmen die Menschen nur noch 500 -1000 kcal zu sich, nehmen ab, merken es funktioniert und BÄM – endlich schlank. Auch ich habe dank des Buches 18 Kilo abgenommen und meine Leidenschaft fürs Laufen entdeckt.

Trotzdem, gerade am oberen Rand des Normalgewichtes (was nicht mein Ziel ist – hint hint) halten sich einige Fettlogiken immer noch unfassbar hartnäckig und schleichen sich auch zeitweilig wieder ein, so dass es sich für mich nun ergeben hat, dass ich el Bibel noch mal lesen wollte. Und was soll ich sagen: Es war wie ein Wiedererwachen. Wahrscheinlich habe ich das Buch jetzt besser durchgearbeitet mit Schnippies und Marker, als je eine Lektüre in der Uni.

Hier meine hartnäckigen vier:

  • (Fett-)Logik 1: Ich tue ja schon so viel, das ist schon sehr gut. Dass ich mich nicht besonders stringent an den Plan halte – irgendwann macht es schon wieder klick und DANN werde ich schlank.

Fakt ist: Dieses Leben ist 100% meine Verantwortung, es ist nur eines und es ist viel. zu. kurz. Niemand wird mich retten, nur ich kann das – egal worum es geht. Und wenn ich länger gesund leben und all das erleben möchte, von dem ich träume, dann ist jetzt nicht eine Sekunde zu früh.

  • Fettlogik 2: „Mein Körper kann heute keinen Sport machen, er muss essen.“ Lacht nicht, es gibt so Tage, da verkrieche ich mich vor der Verantwortung, meinen Hintern nach draußen zu bewegen und schaufele stattdessen unendlich Futter in mich hinein, um irgendein emotionales Loch zu stopfen.

Fakt ist: Die Motivation bekommt man nicht geschenkt. Es gibt Dinge, bei denen man nicht darauf warten kann, sonst tut man sie nie. Durch nur leichte Bewegung werden die chemischen Stoffe im Gehirn schon wieder ausbalanciert und welche emotionale Durststrecke auch immer da vorhanden sein mochte, flacht automatisch ab. Tipps zum Anfangen gibt es noch mal in einem anderen Blog.

  • Fettlogik 3: Wenn ich auf dem Geburtstag/dem Spieleabend/blablabla bin, dann schaffe ich es, mich an meine Kalorienbegrenzung zu halten.

Fakt ist: No fucking way. IMMER und ich meine IMMMER auf Feiern, kriege ich den Futterkasper weil es alles so lecker ist, oder ich den Fehler mache, irgendwas zuckerhaltiges zu essen und in ein Suchtverhalten zu fallen. Da helfen folgende Taktiken: 1- Es ist nicht egal. Es muss aufgeschrieben und weinend über mehrere Tage ausgegelichen werden. Wenn ich das weiß, esse ich sofort weniger. 2- Vorher möglichst kalorienarm speisen aka. Gemüsesuppe für alle und satt. 3- Alkoholkalorien und Nachtpommes einplanen. Sie werden passieren. Ich weiß es, jeder weiß es – also schon mal aufschreiben. 😉 Tipps zur Schadensbegrenzung und trotzdem Spaß haben auf der Feier gibt es auch noch mal separat.

  • Fettlogik 4: Das esse ich jetzt noch auf, weil ich das darf laut Budget, auch wenn ich (zur Abwechslung mal) merke, dass ich satt bin.

Fakt: So eine dumme, dumme Idee. Dadurch weitet sich der Magen, größere Mengen werden verlangt, bevor ich satt bin und am Ende landen wir bei den legendären 1500 Gramm Salaten, die in der Facebook FLÜ Gruppe immer geteilt werden, bei denen mir schon beim Anschauen schlecht wird. Eintuppern, wegpacken, ich weiß, dass ich kurz vorm Schlafengehen oft noch mal einen irrationalen Snackhunger verspüre und dann wäre es total schlau, den Rest der eingeplanten Portion zu snacken.. oder zumindest davon.

Dies gilt übrigens auch für Restaurants und wenn man nett danach fragt, ob man die Portion eingepackt bekommen kann, ist das in der Regel selten ein Problem. Meine BFF und ich haben darüber hinaus auch schon über Mitbring-Tupper nachgedacht, zur Erleichterung und ggf. Müllvermeidung. Schaut mal, was ihr draus macht. 😉

  • Fettlogik 5: Das muss jetzt gegessen werden, obwohl ich es nicht sonderlich möchte, beispielsweise Bambussprossen oder das Curry von vor-vorgestern, sonst wird es schlecht oder es muss weggeworfen werden.

Fakt: Wenn ich tatsächlich nur eine richtig nette Mahlzeit am Tag habe, wieso um Himmels Willen soll ich mir dann drei Wochen alte Bambussprossen reinlatten, die ich ohnehin eklig finde und nur gekauft habe, weil ich das vergessen hatte? Oder das trockene Brot, oder zum vierten Mal Curry oder, oder, oder.. Das ist, als würde man als Gutverdiener zu Primark gehen und dort unter schlimmsten Bedingungen hergestellte, minderwertige Kleidung aus Plastikfaser kaufen, die man auf der Haut kaum erträgt, weil man noch Geld übrig hat und sich Kleidung kaufen muss und „Die Sachen halt gekauft werden müssen und eh da sind.“

Immer, wenn ich etwas zu mir nehme, dass ich nicht brauche oder eigentlich nicht essen will, tue ich mir – streng genommen – Gewalt an. Niemand zwingt mich, aber ich zwinge mich und zwar nicht zu etwas Sinnvollem, wie Bewegung oder Geld zum Leben zu verdienen, sondern ich nutze meinen Körper im schlimmsten Fall als eine Art Mülleimer. Anstatt das Essen also im Müll zu entsorgen, entsorge ich es in mich? Das klingt irgendwie falsch.

Essen sollte, und das ist meine persönliche Überzeugung, nie mit Zwang, Pflicht oder Unwohlsein verbunden sein. Man sollte seinem Körper damit etwas zuführen, was er gebrauchen kann. Auch bewusster Verzicht ist kein Zwang, sondern eine Entscheidung. Nicht zu unterschätzen ist dabei die psychologische Ebene der Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit und -Pflege und der Effekt, den es hat, wenn man in jeder Situation wirklich bewusst das isst, was man auch wirklich gern essen möchte (Thema Buffet und Beilagen..)

Essen wegzuwerfen fällt mir auch unfassbar schwer. Die Lösung liegt also im ersten Schritt in der Müllvermeidung, d.h. weniger kaufen, mehr einfrieren, Einkaufsliste, haltbares Essen, kleinere Portionen kochen, aber hat das alles mal nicht geklappt, sind verschenken (Tipp: foodsharing) und wegwerfen völlig legitim und nur ein Bruchteil dessen, was Restaurants und Supermärkte täglich entsorgen (App-Tipp: Too Good to Go).

——

Ich werde diesen Katalog weiterführen und nehme gerne weitere Fettlogiken auf mit ihrer faktischen Umsetzung. 😉

Für mich die wichtigste Erkenntnis ist, dass ich immer noch mal wieder einen Reminder brauche, wie schädlich Übergewicht ist und dass jeder Tag, den ich meinen Körper in diesem Zustand belasse, meine Chancen früher mobiliäts- und lebensbedrohlich zu erkranken erhöht. Ich will das nicht. Meine Cellulite und die Hautschlappen sind mir schnurz, ich will einfach nur mit 80 noch alle Zehen haben und mir nicht ständig Insulin spritzen müssen, die Berge bewandern und nicht nur Butterfahrten machen und mit meinen Enkeln (haha, wer meinen Track Record bei den Herren kennt… XD) spielen und zwar nicht nur MauMau (die Gehirntätigkeit wird übrigens durch schweres Übergewicht auch eingeschränkt – just saying!), sondern auch Fußball. Mit dem neuen Knie mitte 50 habe ich schon meinen Frieden gemacht, aber auch das hält länger, wenn ich Idealgewicht habe.

 

 

 

 

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Gemein

Ich würde mich grundsätzlich nicht als netten Menschen bezeichnen. Ich bin missgünstig, eitel, trage Leuten, die sich wirklich scheiße benommen haben lange ihren Fehler nach, obwohl ich es vielleicht nicht will, ironiere oft bis ich zum Sarkasmus komme und rede grundsätzlich zu viel von mir selbst. Ich vergesse Geburtstage(1), habe die Linzenz zum Klugscheißen, bin zu oft ein Smombie und manchmal trolle ich absichtlich Leute im Internet, weil ich Spaß daran habe. Wenn Leute scheiße sind, dann finde ich sie auch scheiße und ich kann einfach nicht lügen.

Das letzte würden viele bestimmt als eine super Eigenschaft bezeichnen, ist aber schlicht scheiße unhöflich. Insbesondere wenn, wie schon oft passiert in letzter Zeit, Menschen mit mir über Gewicht und ihr eigenes Gewicht und den optisch damit verbundenen Zustand sprechen.

Das läuft oft nach dem Muster

A: „Oh, du bist aber schmal geworden, wie hast du das denn gemacht?“

Ich: „Kalorienzählen und Sport.“

A: „Oh.“ *Stille* „Naja, ich müsste/würde/hätte/könnte/sollte eigentlich auch ein paar Kilos loswerden.“

Ich (innerlich) Sag jetzt nichts, sag jetzt nichts, sag jetzt nichts: „Joah.“ Mist.

 

Denn ich weigere mich, die zunehmende Verfettung der Gesellschaft schönzuschwafeln.

Ein konkretes Beispiel:

Samstag Abend, wir uns gerade den Bauch vollgemampft mit Spargel mit missglückter Flockhollandaise, die zwar ein bisschen wie Sperma über den Spargel rann, aber genauso gut schmeckte, wie normale Hollandaise. Ich hatte auch reichlich gemölmert, allerdings auch das Laufen am Sonntag (ca. 800 kcal) eingerechnet und für 800 Kalorien kriegt man eine Menge Spargel und Kartoffeln. Da stehen wir so und Tom piekt in meinen Bauch, der aufgrund meiner Position angespannt ist und sagt: „Boah, das ist ja hart wie Stahl.“ Nicht, dass das nicht maßlos übertrieben ist, denn schließlich sind noch gute 4-6 cm Speck und Haut und Bindegewebe über den Bauchmuskeln, die sich nur direkt unter dem Rippenbogen in den schönsten Verrenkungen erahnen lassen, aber was solls. Dann streckt er mir den Bauch hin und ich pieke rein und anstatt was ähnlich übertrieben Nettes zu sagen, denke ich darüber nach, dass er vor drei Stunden noch selbst monierte, so unfit und speckig wie noch nie zu sein. Und ich denke mir in dem Bruchteil der Sekunde: wenn ich ihm jetzt noch die verharmlosende Lobesdusche übergieße, dann bleibt.das.so. Welch Horror denn am Ende sitze ich dann allein in unserer Alters-WG, weil alle anderen aufgrund ihres dauernden Übergewichts bereits gestorben sind und fahre nur Rollstuhlrennen mit mir selbst. Wie kacke wär das denn?! 

„Joah,“ sag ich also und bin mal wieder ehrlich: „Aber da geht noch was.“

Indigniertes humorig Herunterspielen und (mit Recht) humorig Kontramotzen folgt.

 

Und ich stehe da und frage mich: Warum ist das eigentlich so ein Problem mit diesem Sagen, dass jemand zu specky ist?

Und ich muss mir eingestehen, dass dieses dusslige Buch, das alle gelesen haben und das so vielen Menschen auf einmal die Tür zum Erschlanken geöffnet hat, a) diese Frage auch schon betrachtet hat und b) bei mir zu einer Art Erleuchtung hinsichtlich meiner Beziehung zum Dicksein geführt hat.

Grundsätzlich habe ich es immer wieder so wahrgenommen, dass gesellschaftlich dicke Menschen als faul, lethargisch und weniger intelligent gesehen werden; wären sie intelligent und aktiv, wären sie ja dünn, denn sie würden sich besser ernähren und wissen, wie schädlich das Übergewicht nicht nur körperlich, sondern auch gesellschaftlich sein kann.

Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass wenn man, selbst wenn man es nicht so meint, jemandem Übergewicht attestiert, man ihm indirekt diese Eigenschaften zumisst. Faulheit, Dummheit, Trägheit. Gerne auch gepaart mit Erfolglosigkeit bei den Frauen/Männern, Jungfrauen/Mauerblümchen und Muttchen-Image, Stillosigkeit und Maßlosigkeit (2).

Da ich meinerseits allerdings seit der Lektüre eine völlig neutrale Beziehung zu meinen Schwabbelanteilen entwickelt habe und einfach nur sachlich feststellen konnte, das derer zu viele an mir dran sind, habe ich leider auch die ausgeweitete Empathie dahingehend verloren. Hat jemand ein riesiges Muttermal, das eventuell Hautkrebs sein könnte, sage ich ihm das ja auch und lasse ihn nicht leise sterben. Dass Ärzte und Orthopäden in vielen Fällen nichts zum Thema zu fett sein sagen, finde ich schon skandalös genug; dass das gesellschaftliche Bild von „normal“ gleichbedeutend ist mit dem „durchschnittlichen“ Bild, welches leider an der Kante oder etwas über dem gesunden BMI liegt, dramatisiert diese Situation natürlich weiter. Schließlich kann ich nicht durch die Gegend laufen und allen Menschen sagen: Du bist zu fett.

Aber ehrlich mal: Wenn mich jemand indirekt fragt und wenig aussichtsvolles Fishing for Compliments betreibt, dann muss er verdammt noch mal damit leben, wenn kein Kompliment zurück kommt. Warum? Weil ich Fishing for Compliments hasse und weil ich nicht lügen kann.

Denn ich weigere mich, zur Fettshaming Kultur zu gehören, wo man sich über dicke Leute lustig macht und ich weigere mich auch, zur Fatacceptance zu gehören, welche die Folgen des Fettseins verharmlosen. Ich weigere mich, einen gesundheitlich kritischen Zustand schönzuloben aus Höflichkeit. Ich wünsche mir, dass meine Freunde lange leben und man sachliche, wertfreie Gespräche mit mir über das Fettsein, Sportlichkeit und Probleme führt und keine, die davon leben, sich gegenseitig ein fuzzy Feeling einzulügen, weil das Speckkinn „einen viel weicher und lieblicher“ macht.

Da bin ich lieber gemein als verlogen. Bittesehr.


(1) (obwohl ich die Menschen liebe, die Geburtstag haben, weil ich irgendwie nicht logisch nachvollziehen kann, warum der Tag an dem derjenige geboren wurde jetzt so mega wichtig ist. Hätte auch einen Tag davor oder danach gewesen sein können, kosmisch macht das keinen Unterschied und er ist ja nun mal DA. Wann er KAM ist ja egal.)

(2) (Maßlosigkeit mag stimmen, ist allerdings in vielerlei Hinsicht meist körperlich (genetisch) oder psychisch begründet und kann mit den entsprechenden Reglern gut reguliert werden.)


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10 Dinge, die dir keiner sagt, die passieren, wenn du abspeckst

Immer wieder lese ich auf einschlägigen Seiten von der Motivierungsarie der „10 Gründe“, das heißt, man soll sich zehn Gründe aufschreiben, natürlich positiv formuliert, weshalb man abnehmen will und 10 Gründe, natürlich so gruselig wie möglich, weshalb fettbleiben kacke wäre.

Ich habe definitiv auch so eine dumme Liste gehabt, auf der so Sachen standen wie: Ich bleibe gesund, mein Knie ist froh, ich passe in diese oder jene Klamotte, ich kann Handstand üben, ohne dass mir mein Bauch ins Gesicht fällt.. Aber niemand sagt einem, wie es wirklich ist, abzunehmen.

Deswegen mal eine Liste von zehn Dingen, die mir vorher keiner gesagt hat:

  1. Du säufst wie ein Pferd.

Wenn du erfolgreich abnimmst, reduzierst du Kalorien. Und ein Regler, an dem man schrauben kann, damit man Hunger und Durst unterscheiden lernt, ist einen von beiden zu eliminieren. Durst ist da die einfachere Variante.

Früher habe ich gut und gerne mal einen Liter, vielleicht auch anderthalb, den Kaffee mitgezählt, getrunken. Seit ich auf 1000 Kalorien lebe und mehr Tage die Woche Sport mache als nicht, trinke ich im Schnitt drei Liter Wasser am Tag, manchmal auch dreieinhalb. Und das muss halt auch wieder raus.

You get the picture.

2. Besuch verhungert.

Wenn mein Besuch abends zum Essen kommt, ist alles gut. Aber morgens zum Frühstück wird es dann schon etwas haariger, denn ich besitze kein Brot, keine Butter, keinen Käse und keine Marmelade, keine vollfette Milch und keine Kekse. Und nicht jeder frühstückt gerne Haferflockenpfannkuchen, Omelette oder Skyr mit Erdbeeren. Damn.

3. Rebell Adé.

Früher habe ich oft nichts als ein Mappentäschchen in die Schule geschlörrt, mir am Bahnhof ein bis drei fett belegte Pizzataschen mit extra Sahnesoße gekauft oder die Cafte geplündert und bin dann fett und vollgefressen wieder heim gefahren. Definitiv hatte ich oft kein Frühstück dabei, geschweige denn Mittag. Pah. Mittag. Getrunken habe ich Kaffee, wie ein guter Pädagoge.

Jetzt – und es ist mir fast peinlich, das zu schreiben – muss ich einen Rucksack mitnehmen, wenn ich lang habe, weil ich sonst mein Essen und Wasser nicht mitkriege. Und ich koche manchmal extra noch abends, weil ich sonst morgen nix zu essen habe in der Schule, was in meinen Plan passt. Und da schnippel ich lieber noch ne Viertelstunde Grünzeug und werfe es in einen Topf um es zu schmoren, als am nächsten Tag irgendwas zu essen.

4. Das schlimme T.

Nie hat mich Tupper interessiert. Scheiß auf Tupper, das kaufen nur frustrierte perfektions-Hausfrauen, die sich aufgrund akuter Ungebumstheit eine Ersatzbefriedigung suchen müssen.

Boah ist meine Tupperdose mit Schnappverschluss, tropfsicher, ein Segen für mein Morgenskyr.

5. Neue bekloppte Spitznamen.

Wenn man meinen Kühlschrank öffnet, sieht man einen Dschungel aus Gemüse. Gemüse. Gemüüüüüse. Noch mal. Gemüse. Und Fisch, Fleisch und Skyr. Manchmal auch Magermozzarella. Achja, und ich brauche mittlerweile zwei Schalen für meine Obst- und Gemüselagerung auf dem Tisch.

Also habe ich ob meiner Größe und Ernährungsgewohnheiten mittlerweile den liebevollen Decknamen „Giraffi“ erhalten. Thanks Boys..

6. Man muss anders waschen. 

Eine erstaunliche Entwicklung meines Körpers ist die, dass er natürlich, da trainierter, weniger schwitzt im Alltag. Auch ein T-Shirt, das ich sonst nur einmal getragen habe, geht heute zwei Tage. Dafür mache ich aber fünf Tage die Woche Sport – und das muss ja auch gewaschen werden. Damn.

7. Andere Menschen begegnen mir mit zwiespältigem Lob.

(Dazu muss ich sagen, dass ich noch BMI-mäßig im Übergewicht herumdümpele und es bis zum oberen, optimistischen Rand des Normalgewichtes noch fünf Kilo sind. )

Die besten Beispiele sind dafür: „Hörst du auch noch mal wieder auf damit?“

Nach einem Blick auf meine – natürlich noch recht runden – Hüften: „Naja, die Verteilung ist eben Genetik, da kann man nicht einfach was wegjoggen.“ (Genetik. Einfach. Wegjoggen. Ohne Worte)

Und: „Aber nicht, dass du sportsüchtig wirst.“ (Pathologisches Lexikon raushol. *blätter* Nein. Nein, ich denke nicht. Laut Definition bin ich vielleicht neurotisch, aber nicht sportsüchtig.)

Siehe oben, nur mit „magersüchtig“ und auch da muss ich sagen: Fuck you big time.

„Ich finde ja ein bisschen mehr schöner.“ (Honestly, der Spruch ist so schlimm. Erstens: Schade für dich, umso besser für mich. Zweitens: Ich habe immer noch Übergewicht. Soll ich das definieren oder geht’s?)

8. Bewegung wird lebenswichtig(er)

Früher habe ich bei Aggression gewählt zwischen der Kalaschnikow und der Sahnetorte und mich meistens für die Sahnetorte entschieden, selbst wenn ich die Kalaschnikow quasi schon geladen und entsichert hatte.

Heute gehe ich einfach laufen. Also, alle mal lieb dem Dr. Marquart danken. Danke, Dr. Marquart. So. Weiterlaufen.

9. Man gibt viel Geld aus für Zeug, das man nicht erwartet hat. 

Zum Beispiel für Anmeldungen für den Hannover Marathon, Laufschuhe, Laufleggins, Sporttops, feste Tupperdosen aus denen nichts herausläuft, Müslibecher, exotische Gemüsesorten, neue Unterwäsche, weil alle BHs aussehen wie große Schalen mit kleinen, schrumpeligen Äpfelchen drin. *hoil*

10. Man wird ein unfassbar einfacher Partygast.

Auf 1000 Kalorien und bei meinem Sportregime vertrage ich nämlich original gar nichts mehr. Drei Bier und ich sitze gröhlend in der Ecke und unterhalte mich angeregt mit dem Hutständer. Außerdem esse ich ja fast nix vom Buffet, will of steel und so. Haha.

 

Und weil ich mich SO geehrt gefühlt habe und es so unfassbar cool finde, gefeatured worden zu sein, feature ich nun zurück: Noch mal ganz vielen lieben Dank für die Ehre an Marc Winking, der den unregelmäßigsten aller mäßigen Blogs voller Verve auf seinem gut gepflegten Portal als BLOG DER WOCHE ausgebreitet hat: https://kochkatastrophen.blogspot.de/2017/03/abnehm-blog-der-woche-kuekensalat.html

❤ Und weil er sich über mangelnde Vorher- Nachher-Bilder ausgelassen hat (natürlich nur objektiv-beobachtend), verspreche ich hiermit, nach meinem Results 12-Wochen-Plan (also in einer Woche) mal ein vorher-nachher meiner ersten drei Monate zu posten. Hand drauf!

 


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Die Sache mit den Proteinen

Nachdem der Seppo in seinem letzten Seppofitlog über seine Ode an den Magerquark mal Proteine zum Thema gemacht hat, habe ich mir die Frage gestellt, ob bei 4-5 Mal Functional Fitness Training und 2-3 Mal Laufen die Woche vielleicht auch eine etwas höhere Proteinzufuhr nützlich sein könnte.

In Anbetracht der  Tatsache, dass ich noch lebe, sehe ich meinen Körper durchaus als ein Wunderwerk der modernen Stoffwechseltechnik und habe mir tatsächlich, obwohl ich es sonst nie getan hätte, Proteinpulver gekauft. Warum? Weil ich auch noch was anderes als Harzer, Hähnchen und Magerquark essen und trotzdem weder über 1000 Kalorien essen noch Muskelmasse ab- sondern aufbauen will. Also rühre ich mir jetzt allmorgendlich mein liebevoll „Work Protein Breakfast“ an (Englisch klingt so viel fitter), bestehend aus 2 EL Haferflocken, 100g Himbeeren, 340 g Skyr, 3 EL Proteinpulver neutral (man kann sicher auch Vanille nehmen, aber das hat mir zu viel Zucker) und einer Prise Vanille aus der Vanillemühle. Das rettet mich tatsächlich bis mittags über den Tag – Lo and behold!

Nach einem Prä-Workout Snack bestehend aus einer Banane und drei Teelöffeln Erdnussbutter habe ich heute sogar meine letztjährige Durchschnittsbestzeit auf 5 km geknackt. Hell yeah. Womöglich mache ich doch beim Hannover Marathon 10K mit – immerhin sind jetzt 10 Kilo gewichen und bis dahin dürfte ich die magische 8 vorne haben. Bei einer Größe von über 1,80m ist das schon nah an OK.

Diese besondere Ernährungskultur hat allerdings auch Kritiker, die vor allem mit Unverständnis und kaltblütiger Provokation konfrontieren, wie ich heute feststellen musste.

 

Es ist 18.17 Uhr an einem Mittwoch und schellt. An meiner Tür.

Das an sich ist weder verwunderlich noch besorgniserregend. Und da ich gerade mal wieder den Speckninja mache und mit meiner persönlichen Hassübung durch die Wohnung „lunge“ wie ein Idiot, stellt sich die folgenschwere Frage: Öffnen, oder nicht öffnen?

Vor meinem inneren Auge entspinnen sich zwei Szenarien, eine der großen Disziplin, in der ich die Tür nicht öffne, nicht den armen, verirrten Jan kennenlerne ohne Akku, der bei mir nur mal kurz telefonieren wollte, nicht mit ihm durchbrenne und mit einer Finca in Portugal und viereinhalb Kindern lebe – und stattdessen aufgrund meiner mangelnden sozialen Verbindungen einsam und allein in meiner Wohnung verende – zwar in top Shape, aber das sieht man nach drei Wochen Verwesung leider auch nicht mehr.

Szenario zwei reißt mein Gehirn noch kurz an, aber dann bin ich so entsetzt von der Verwesungs-Szene, dass ich lieber doch zur Tür „lunge“ und sie schwungvoll mit der Bewegung öffne.

Draußen steht nicht Jan, sondern meine Nachbarin/Mitbewohnerin und starrt mich ob meiner, zugegeben etwas seltsamen, Haltung an.

„Hallo.“ sage ich.

„Hallo,“ sagt sie, „Hast du noch Brot? Ich hab mich den ganzen Tag auf mein Abendbrot gefreut, jetzt ist mir aber das Haferbrot verschimmelt und da dachte ich -“ Sie bricht ab hinsichtlich meines Gesichtsausdruckes.

„Ich hab‘ kein Brot, sorry.“ sage ich.

„Kein Brot.“ sagt sie.

„Kein Brot.“ bestätige ich.

„Kein Brot mehr?“ fragt sie und zieht das „mehr“ in die Länge, was mir leider nicht hilft, die Frage besser zu verstehen.

„Nein, kein Brot.“ sage ich deswegen noch einmal.

„Überhaupt kein Brot, also nicht gerade leer geworden, sondern gar keins?“ hakt sie nach.

„Nein.“ sage ich.

„Auch keinen Toast?“  Ich fühle mich ein bisschen wie ein Vegetarier im ruralen Russland („Kein Fleisch?“ „Nein.“ „Auch keine Wurst?“ „Nein.“).

„Ja. Ich esse kein Brot. Also. Momentan nicht.“ erkläre ich geduldsam und begebe mich dann doch endlich aus meiner Ausfallschritthaltung, da dies ja augenscheinlich eine längere Brotdiskussion wird.

„Aha. Hat das mit diesem 1000 Kalorien-Fitness-Kram zu tun, den du fährst?“ fragt sie, vermutlich nur etwas gereizt, da meine Fitnesspläne ihre Abendbrotpläne direkt durchkreuzt haben.

„Ja.“ sage ich. Stille herrscht im Treppenhaus. Ich fühle mich fast genötigt zu erklären, aber dann setzt sie nach: „Warum isst du kein Brot?“

„Weil ich nur 1000 Kalorien habe am Tag und Brot mir zu unsympathisch, quasi direkt zu labberig, zu profillos, zu wenig ausdrucksstark ist, um ein Drittel meiner Tageskalorien darin zu investieren, es am Gaumen kleben zu haben.“

Sie kennt mich, deswegen schmunzelt sie nur. „Und was isst du stattdessen?“

„Quark.“ sage ich und beobachte voller Bewunderung, wie erst eine und dann die andere Augenbraue deutlich an Höhe gewinnt.

„Also, als ob Quark jetzt so viel leckerer wäre.“ sagt sie schließlich. „Und ein guter Ersatz ist das auch nicht.“

„Besteht aber zu 30% aus Proteinen und ist deswegen gut für den Muskelaufbau.“ sage ich.

Sie winkt ab. „Jaaah. Aber er passt nicht zu meinem Parmaschinken. Dann noch schönes Training!“

 

Ich schließe die Tür hinter ihrem wehenden Pferdeschwanz und verfluche Brot und Parmaschinken und lunge zurück in mein Schlaf- und Fitnesszimmer. Scheiß Diät.

„Halt durch!“ ruft Charles aus der App.

„Halt die Fresse!“ sage ich und zeige ihm den Finger.

Auch, wenn er Recht hat.

 


 

 

 

 

 


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Brigittes Dichotomie

Unbenannt-2Ich, gestern, an der Kasse im roten Supermarkt, bewaffnet mit Gemüse und Tofu, fällt mein Blick wie zufällig auf das Regal mit den „Frauenmagazinen“. Mein Blick schweift an der Plastikgesichtergalerie mit Photoshop Dauerabo entlang und ich beneide den Bruchteil einer Sekunde lang Beyoncés Locken, bevor mir aufgeht, dass auf 80% aller Fotos von ihr nicht mal Beyoncé aussieht, wie Beyoncé.

Da der Kassierer gestern wohl eine harte Nacht hatte, geht es eher bedächtig voran und ich habe viel Zeit, die Botox-Brigade zu mustern – und sogar schreibunte Titel zu lesen. Unweigerlich fällt mir auf, wie viele Frauen-Zeitschriften das Thema „Was Männer wirklich wollen“ behandeln. Fast kotze ich ein wenig in die Auslage.
„Bei XY % aller Männer sind lange Locken das ultimative Lockmittel.“ und “ Wie wichtig ist die Figur?“ und “ Frauen mit „Männerhobbies“ – turn on oder turn off?“

 Ist das also im Jahr 2016 immer noch mein erklärtes Lebensziel? Mich zu informieren, was „Männer wirklich wollen“ (wer recherchiert sowas? Und wen fragen die? Ist das überhaupt meine Zielgruppe?!) und dann voller Panik so zu formen in der Hoffnung, dass jemand meine einsame, verzweifelte Existenz als unwürdiger Single beendet? Meine Haare lang zu züchten, vier Tage die Woche meine Freizeit im Fitti zu verbringen, meine Comics zu verklappen, meine Randgruppen-CDs zu verklappen, die Actionfilme im DVD Regal nach hinten zu schieben, die Malsachen in den Keller zu räumen, damit es dekorativ und nicht nach Handwerker aussieht, den Motorradführerschein abzubrechen und die intelligenten Bücher zu verstecken, damit sich ein potentieller Partner nicht eingeschüchtert fühlt? Und die Masterfrage: Was will ich denn dann mit so einem wenn ich ihn erstmal habe? Kekse essen und lange Spaziergänge im Park machen? Wandern gehen womöglich noch. Schauder!
Das ist für mich dieselbe Dichotomie wie „Liebe dich wie du bist“ und „Die beste Diät um in 14 Tagen die Bikinifigur zu erreichen“ in einem Heft. Das ist falsch auf so vielen Ebenen. Ich lese diese Schloppen nur noch beim Friseur. Wenn überhaupt.

Seid wie ihr seid, am Ende kommt es sowieso raus oder wie Audrey mal sagte: „I believe that happy girls are the prettiest.“ (oder so ähnlich).


Ein Kommentar

Die anonymen Allesfresser

Nach langem Zaudern, Weinen und mich selbst im Spiegel vermessen hat es sich ergeben, dass das Fahrrad allein (ich berichtete im Sommer..) nichts gebracht hat. Ich sehe noch genauso aus wie vor einem halben Jahr. Eigentlich keine schlechte Quote. Immerhin habe ich mich in der Zwischenzeit weder in eine Kugel mit Bierbauch noch einen pfannkuchenförmigen, rudimentär humanoiden Blob verwandelt. Trotzdem.

Und vor allem nachdem Monsieur Herzkasper vorschlug, mich zu unterstützen und parallel mit dem Rauchen aufzuhören FALLS ich mein Ziel erreiche – fühle ich mich quasi verpflichtet, ihn dazu zu zwingen. Seinetwegen natürlich. Völlig uneigennützig. Klar habe ich auch keinen Bock, ihn mit 45 zu beerdigen. Lästig, so ne Beerdigung. Und immer diese schwarzen Klamotten. Deh.

Als die selbst verordnete Radikaumstellung mich aber trübsinnig an einem Sellerie kauen und gleichzeitig sabbernd Monas Schokolade angeiern lässt, muss ich doch andere Geschütze auffahren. Hungern ist nur was für Leute mit der Disziplin chinesischer Turnkinder.
Also fahre ich jetzt auf den Hof der Seniorenresidenz „Casa Irgendwas“ in der das berühmt-berüchtigte „WeightWatchers“ Treffen stattfinden soll, die Endstation für die fetten Fetties dieser Welt, wo pausenlos übers Abnehmen gebetet wird und die Leute seltsame Dinge tun, die sie auf wundersame Weise dünn werden lassen. Ich fühle mich irgendwie schlecht informiert.Und irgendwie fehl am Platze, vor allem als ich an zwei dicken Damen im Eingangsbereich vorbei laufe, die sich um solche Themen wie Kleidergrößen mit Sicherheit keine Sorgen mehr machen.

Ich stelle mich brav in die kleine Schlange. In dem semischick mit Aufstellern dekorierten Seminarraum finde ich etwa 30 Stühle, viele HInweise auf essen, ein Buffet mit eingeschweisten Schokoriegeln, Chips und Fertigtütensuppen. Außerdem steht vor mir eine schick gekleidete, mäßig dünne Tante mit Fönfrisur und leicht gezwungenem Lächeln. Die ausschließlich weiblichen Teilnehmer hopsen eine nach der anderen aufs Schafott. Das Schafott ist eine High Tech Waage aus den 70ern mit einem Kabel zur Anzeige, die hinter einem Metallsichtschutz auf dem Tisch steht. Top Secret, die Kilomarke!

Komisch. Trashfood und relativ schlanke Menschen… so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Eher wie die Versammlung der Wale zur Paarungszeit vor der Küste Rios, die pausenlos mit Tomaten und Gurken beworfen werden und ihre Schokoladensünden gestehen müssen.
Ich warte, bis die genervte Brillentante hinter dem Schirmchen mich anguckt uns sage dann: „Äh. Ich will mich anmelden.“ Sie mustert mich und sagt dann gedehnt freundlich: „Ja, dann nehmen Sie doch bitte Platz und nach dem Treffen kommen Sie nach vorne und ich erkläre Ihnen alles.“ Sie drückt mir ein kleines Prospekt in die Hand. Drin steht sowas wie „Omas Erbsensuppe“ und „Leichtere Alternative“. Die rechte Hälfte ist noch leer und ich frage mich, ob das jetzt ein lustiger Lückentext wird, den wir raten dürfen. Und ob ich das hier ernst nehmen darf.

Ich starre auf eine Pappdrehscheibe mit Hochglanz Fotos von Essen vor mir. Mein Magen knurrt.

Nach einer halben Stunde ist auch der Rest der lustigen Gesellschaft eingetroffen. Von einer jungen Mutter bis zu Oma Berta sitzt hier alles, durch alle Schichten. Eigentlich interessant, nur dass ich nach kürzester Zeit maximal gelangweilt bin. Nächstes Mal nehme ich mir was zu lesen mit.. oder was zu stricken. Wie die Oma hinter mir.

Die Brillentante fängt an zu reden. Ich stelle fest, dass sie eine unnachahmliche Art hat, unvorbereitet zu sein. Fast jeder Satz wird abgelesen aus dem kleinen Karteikartenblock, den sie als Leiterin des Treffens anscheinend von den WWs bekommen hat. Außerdem hat sie eine Lache wie ein Pferd. Nicht unsympathisch. Aber ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die Pferdelache und ihren Dialekt ertragen kann. „Für Leute, die wo keine Linsen mögen…“

Das beste sind allerdings die Themen: Es wird über Bratäpfel diskutiert, die mit Dominosteinen gefüllt und in der Mikrowelle gemacht werden statt mit Marzipan und im Ofen, Löffel Nutella, die man in den Kühlschrank legt zum härten und dann lutscht – statt Schokolade, über Dosenlinsen statt trockener, weil die weniger Punkte haben und über Fertigsuppen, deren Nachteil laut der versammelten Pfosten hier nur in ihren vielen Kalorien liegen.

Mein Magen dreht sich überraschend erst vollends um, als Halbfettmargarine und Süßstoff als ernsthafte Alternativen zu Butter und Zucker diskutiert werden und andere Low-Quality Low-Calorie Verbrechen der Nahrungsmittelindustrie. Gleich erzählen sie mir noch, dass ich den fettreduzierten Käse essen soll. Igitt. Wenn ich auf einer Käserinde kauen will, frage ich meine Mitbewohner nach ihren Resten.. die muss ich nicht für Geld im Supermarkt erwerben.
Ich habe einen JD-Moment (der aus Scrubs mit den Tagträumen), in dem ich dramatisch mit den Armen fuchtelnd aufstehe und laut herausbrülle: ESST GESUND, IHR PFEIFEN! Niemand braucht sechs Scheiben Low-Fat Käse! *facepalm*

Trotz aller Grausamkeiten erreiche ich das Ende der Veranstaltung ohne geistige Umnachtung. In Anbetracht des Süßigkeitenregals werde ich neugierig. Mesmerisiert von der leckeren Schokoladenbildchen vorne drauf nehme ich einen in die Hand und gucke auf die Zutaten. Nicht die Kalorien. Die stehn ja drauf. Klar, überall Süßstoff drin. Bäh. Die anderen Tanten finden es anscheinend furchtbar lecker. Ich warte geduldig auf die Pferdefrau, meine Beichtmutter.

Zuerst fragt sie mich, warum ich abnehmen will und erklärt mir dann in kleinen Schritten das System. Naja, hört sich sinnig und nicht zu anspruchsvoll einzuhalten an. Außerdem kann ich dann weg von meiner Radikalumstellung und muss nicht mehr Sellerie kauen und traurig gucken. Und wenn es nicht klappt, kann ich wenigstens die Pferdefrau dafür verantwortlich machen. Nachdem sie ihren Vortrag beendet hat, melde ich mich  an. Ich denke an Fotos von vor einem Jahr, meinen gesunden Menschenverstand und seine Zigarettenquote.

Dafür halte ich auch die Pferdelache aus und die Frage: „WEER isst denn die Kaki? DIE KAKIII?“