kuekensalat

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Anderthalb Jahre

 

  1. Zustand, in dem jemand von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen frei ist und sich in seinen Entscheidungen o. Ä. nicht [mehr] eingeschränkt fühlt; Unabhängigkeit, Ungebundenheit
  2. Möglichkeit, sich frei und ungehindert zu bewegen; das Nichtgefangensein
  3. Recht, etwas zu tun; bestimmtes [Vor]recht, das jemandem zusteht oder das er bzw. sie sich nimmt

 

Als es anfängt, bin ich frei.

Keiner da, der mich zurückhält, eigene Wohnung, eigenes Geld, eigene Entscheidungen, noch nicht lange bin ich frei, aber frei bin ich trotzdem und du – du passt gut dazu. Meistens bist du nicht da und wenn, dann unterstützt du mich und ich kann tun, was gerade wichtig ist, meinen Master schreiben zum Beispiel.

Du, mit deiner Band, mit deinen Auftritten, deinem Bart und deiner Ziellosigkeit. Du bist belesen, wirkst viel älter als du bist und hast zu allem eine Meinung und irgendwas zu sagen. Am Anfang imponiert mir das, von weitem sieht es aus wie Bildung.

Dein T3 gefällt mir und dein Angehimmele gefällt mir und deine Musik, ja die Musik die ihr macht gefällt mir auch. Die Szene und die Gedankenspielchen, die damit einhergehen, die kreativen Ausbrüche, die Ideen, die bunten Wochenenden. Freiheit in irgendwie Gebundenheit, aber nur irgendwie. Denn irgendwie bleibt mein Herz immer frei, irgendwie nehme ich das alles nicht wirklich ernst und irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen –

Bis herauskommt, dass deine angepriesene Familiengeschichte zu 80% unwahr ist und du sie nur erzählst, um Eindruck zu schinden. Bis herauskommt, dass du gelogen hast, als du sagtest, du machst deine zweite Ausbildung zu Ende. Bis du das zweite Mal bei mir für Wochen einziehst ohne einen Cent Geld und ich uns mit meinem Studentenbudget durchfüttere. Ich seufze, ich diskutiere, ich berate und ich kommuniziere. Du weinst. Ich seufze wieder. „Es ist dein Leben, aber wenn das alles ist, was du vom Leben willst, dann wird das nichts mit uns“, sage ich, nach einem Jahr. Ich habe gut reden, denn ich bin immer noch frei.

Bis ich meinen Job anfange – und auf einmal ändert sich alles, denn meine Schüler sind reifer als du, sind gebildeter und konsequenter und fleißiger als du, sind zielstrebiger und erwachsener als du – obwohl sie erst 17 sind und alles was ich sehe, wenn ich dich treffe ist deine Verlorenheit und der Versuch, sie zu verstecken. Alles was ich empfinde ist Unwille, die Verantwortung für dich zu übernehmen, die du mir aufdrücken willst, ich ersticke unter deinen Liebesbekundungen aus Verzweiflung und bin entsetzt über deinen Mangel an Selbstständigkeit. In meiner Welt wirst du zu einem kleinen Jungen und ich fühle mich schäbig und alt.

Also tue ich das einzig richtige: Ich verteile Freiheit. Freiheit, die du nicht willst, die dich überfordert, denn hätte ich dich bemuttert, wäre dir das lieb gewesen. Freiheit, die ich nie verloren habe und die du erst wieder mühsam lernen musst.

Sie hilft dir dabei, lässt dich bei sich wohnen und nachdem du erstmal eingezogen bist, ziehst du auch nie wieder aus.

 

 

 

 

 

 

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Dreieinhalb Jahre

„My fingertips are holding onto the
Cracks in our foundations,
And I know that I should let go,
But I can’t
And every time we fight I know its not right,
Every time that you’re upset and I smile
I know I should forget, but I can’t“

Du bist der golden Boy, der Sheldon unter den Partypeople, der Mathematiker, Theoretiker und Querdenker. Du bist kein Träumer, sondern ein Erfinder und Sensoren sind dir weniger rätselhaft als Gefühle. Als du vom Fahrrad absteigst und mich mit einem honigweichen „Hallo!“ begrüßt, werde ich nich von einem Pfeil, sondern von einem Medizinball getroffen, so geistig umnachtet benehme ich mich.

Du bist stumpf und ich flirte so offensiv, dass sich unsere Freunde schämen, aber erst als ich dir einen Kuss aufdrücke, verstehst du, worum es mir geht.

Wir sind so verschieden, dass es weh tut. Du machst, ich bin nur in meinem Kopf, du bist durchtrainiert und isst so viel, dass mir beim Anblick schlecht wird, ich zähle Kalorien, weil ich muss um Normalgewicht zu halten. Du bist Legastheniker und ich studiere Englisch, du bist einfach so und ich zweifle an allem. Du diskutierst aus Spaß und ich um Leben und Tod, du sparst und ich kann nicht mit Geld umgehen, ich habe eine Style und du gehst mit deinen Eltern einkaufen. Du baust Roboter und ich hänge Regale schief auf. Du lernst wochenlang seitenlang Gleichungen und ich schreibe meine Bachelorarbeit in fünf Tagen weil ich ein Motivationsproblem habe bis ich ein Zeitproblem habe. Dein Sommerjob ist als Elektriker im Theater und ich reiße Tickets ab im Kulturverein. Du spielst Badminton und ich tanze auf Bühnen. Du hast keine Lust auf drei Praktikumsmonate in Bremen und ich möchte am liebsten in Australien zu Ende studieren und wenn ich meine praktische Malereiprüfung habe, verstehst du nicht, warum ich in den zwei Wochen nicht ein Wochenende mit deinen Eltern verbringen will, sondern malen. Ich male dir ein Bild und du schmiedest mir einen Ohrring. Ich liebe Loriot und du Mario Barth und dein Auto finde ich spießig und du hasst, dass ich so unordentlich bin.

Wir haben einen gemeinsamen Freundeskreis, schauen dieselben Filme und fahren auf Festivals zusammen, machen Radtouren und kleine Urlaube, besuchen deine Eltern und organisieren Geburtstagsparties. Wir streiten uns. Du verstehst nicht, was mich bewegt, du funktionierst so anders, dass ich nicht verstehe, wie du so anders sein kannst und in all dem Anderssein ist das Gemeinsamsein nur ein Teil. Wenn ich ein Problem habe, habe ich das Problem und auch wenn es dich betrifft, ist es ja mein Problem spricht der Logiker und ich werde stumm, denn logisch denken kann ich und erkennen, wann jemand mich abweist, kann ich auch.

Und wir streiten. Streiten um das Essen, um gemeinsame Abende, um mangelnde Rücksicht, weil wir nicht gemeinsam in den Urlaub fahren und weil du mein Tanzhobby blöd findest und weil du eifersüchtig bist, aber zu stolz das zu sagen und mir lieber das Wochenende verdirbst, und weil ich eifersüchtig bin und du das albern findest und wir uns jetzt so gut kennen, dass jeder Schlag sitzt.

Heute tanze ich auf deiner Hochzeit, du hast den Verlobungsring selbst geschmiedet und deine Schwägerin nennt deine Frau immer noch „die Neue“ obwohl sie schon seit sieben Jahren da ist und ich schaue sie strafend dafür an. Ich hänge mit unseren Freunden ‚rum und wir alle machen Partyselfies mit deinem Bruder und bescheuerten Kostümen und am Ende der Nacht erinnere ich mich daran, was du mir sagtest, als ihr zusammenkamt: „Es ist schön, dass sie so leidenschaftslos ist was viele Themen angeht, so streiten wir uns nie.“ Und wie ich lachte und du nicht verstandest, was ich so lustig daran fand. Und wie du danke sagtest, als wir uns letztens mal wieder mit unseren Freunden trafen, für alles, was du aus unserer Beziehung gelernt hast, damit diese Ehe jetzt funktioniert. Und ich dir danke sagte für alles, was ich von dir lernen durfte, über Menschen, über Logik, über mich.

Und ich erinnere mich an die Erkenntnis, dass Liebe eben nicht reicht, damit etwas funktioniert, aber nur weil es nicht funktioniert, hört sie auch nicht einfach auf. Es braucht ein paar Jahre, ein paar Gespräche, ein paar betrunkene Geständnisse, viel Verzeihen und sehr viel Geduld, bis einem klar wird, dass manchmal Loslassen viel schöner ist als Festhalten.


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Fünf Jahre

Am Anfang ist alles ganz unspektakulär, fast nüchtern, du und ich, eine seltsame Party, Mangel an Alternativen, mehr nicht.

Ich bin das erste Mal mutig, hatte keine Lust herzukommen, bin kürzlich hergezogen und habe dieses Omageruch-50er Jahre Treppenhaus erklommen und hocke hier in einer sturmfreien Eltern Wohnung inmitten von Leuten, die sich mit Vodka betrinken, weil Vodka billig ist. „Come as you are..“, ja, hab ich gemacht, Pulli, Jeans, Zopf, einfach nur ich, nüchtern, groß, übergewichtig. Alles, was mich sonst runterzieht, habe ich heute trotzig ignoriert, denn wenn ich in dieser Stadt ankommen soll, muss ich mutig sein und ja, jetzt kommst du rein.

„Süß“ denke ich und dann „aber nicht für mich.“ weil du kleiner bist und hübsch mit langen Wimpern und braunen Augen, falsches Bravado hüllt dich ein wie ein Cape. Und ich sehe hindurch und du bist nicht bedrohlich, sondern weich, weich genug für mich. Weich, damit ich keine Angst habe, dass du mir das Herz brichst. Weich, damit ich mich auf dich einlassen kann. Weich genug, damit ich beim Anflug von Monogamieterror denken kann: „Wenn es mir nicht gefällt, kann ich mich ja wieder trennen.“

Drei Tage später „gehen wir miteinander“ und ich denke: „Naja, der Richtige ist er nicht, dafür ist es zu früh und er einfach nicht der Richtige“ und merke nicht, dass vor allem ich nicht die Richtige bin.

Aber du wirst der Richtige. Nach vier Wochen, nach Monaten sind wir verliebt. Es ist die einfachste und schönste, die abhängigste und innigste, die unschuldigste und beste, die geilste und gleichzeitig simpelste Beziehung, die ich erlebe. Du gibst mir Selbstvertrauen, Fürsorge, einen Freundeskreis, eine Bestätigung im Leben. Du gibst mir Menschen, die mich lieben und akzeptieren und an denen ich wachse, du gibst mir Welten und Alter Egos, traumhafte Geschichten. Du gibst mir Energie. Ich gebe dir Liebe, Aufmerksamkeit, Bestätigung, Unterstützung in der Familie, den Glauben an deine Fähigkeiten, alles von mir und jede Menge Erwartungen.

Wir sind die ersten füreinander und während es fummelig, schrecklich und seltsam anfängt, macht Übung halt doch den Meister und wir üben – a lot. Einmal fällt ein Fernseher auf mich, einmal werden wir fast von den Eltern erwischt, einmal probierst du Wachsspielchen mit Teelichten (wer kommt auf so eine Scheißidee?) und fesseln bringt mich heute noch zum Lachen. Wir sind sorglos. Einfach. Wir verbringen drei Tage vor dem Kamin mit Comics, aufeinandergestapelt und tauschen die Bände, wenn wir ausgelesen haben. Wir träumen vom Weggehen, anderen Ländern, Reisen, Abenteuer und alternativen Lebensformen. Es ist die beste Zeit.

Und dann gehe ich.

Ich bin erwachsen, ich will ausziehen, ich will weg, die Lebensformen testen, andere Städte sehen. Weg aus dieser Stadt und ein bisschen auch weg von dir, bevor es zu bequem wird, bevor wir nie wieder jemand anderen haben, bevor das hier das letzte ist, was wir tun. Und ich fühle mich verpflichtet, wir haben uns Treue versprochen und versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.

Auch nicht, als ich seit Jahren allein wohne und dich für ein Kind halte, als du endlich auch mal ausziehst und dein Jahre jüngerer Mitbewohner schließlich alle Verträge über sich abschließt.  Auch nicht, als ich jedes Wochenende fahre, weil ich das Semesterticket habe und du dich weigerst, meine neuen Freunde kennenzulernen. Auch nicht, als ich fett werde, weil ich so verloren bin und dann mit dem Mut der Verzweiflung alles abnehme und sich das Innere genauso transformiert wie das Äußere – du dich aber gar nicht, was mich irrational irritiert. Auch nicht, als dein Humor mir auf einmal zu primitiv wird, du World of Warcraft wichtiger findest, als mich vom Zug abzuholen und mich zum Geburtstag mit so viel Kleingeld in die Sauna einlädst, dass ich vor Scham mit einem Schein bezahle und dir das Kleingeld zurückgebe. Auch nicht, als ich gemein werde und du gemein wirst und wir uns mehr ankeifen als alles andere.

Auch nicht, als zwischen uns mehr Schweigen als Gespräch passiert und wir im Urlaub mit Freunden so schlimm nicht reden, dass sie überlegen, sich während der Fahrt durch die dänische Botanik aus deinem dunkelblauen Golf zu werfen.

Auch nicht, als ich mich neu verliebe.

Und dann – doch.


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Exparade

Did you ever look at a picture of your ex and asked yourself: WAS I DRUNK THE ENTIRE RELATIONSHIP?!

Wenn ja, bekommst du jetzt die Medaille der Weiterentwicklung und schonungslosen Selbstkritik, denn nur ein Mensch, der dazu in der Lage ist, seine eigene Bräsigkeit im Hormontaumel zu bemerken, ist wirklich weise.

Natürlich ist man irgendwann dazu bereit, seine Exfreunde als „auf ihre Art und Weise bestimmt ganz tolle Menschen“ anzuerkennen, die „einfach nicht gepasst haben“, schließlich schützt man sich so vor der Erkenntnis, dass man einen beschissenen Geschmack und die beste Freundin einfach immer recht hatte.

New Agists würden jetzt argumentieren, dass jede Beziehung für etwas gut ist und sei es nur die Fähigkeit, Holzfußböden zu ölen oder ein gutes Rezept für Käse-Sahne-Sauce, aber ich halte das nur teilweise für richtig. Ich denke, es gibt Beziehungen, die hätte man sich auch ganz klar schenken können.

Exhibit A: „Mami?“

Der Homo Minifilius, oft Musiker oder (Lebens-) Künstler, der in der deutlich älteren Freundin nicht nur eine spannende, einem selbstempfundenen Reifegrad entsprechende (intellektuelle) Stimulation, sondern auch eine Anleiterin in Lebensfragen sieht, die ihm gut zuspricht, ihm hilft, Entscheidungen hinsichtlich seiner eher zick-zack-förmigen Ausbildungslaufbahn zu treffen, ihn bei sich einziehen lässt und somit die überfällige Abnabelung von den Eltern ermöglicht und ihn finanziell geringfügig (ganz) unterstützt.

Sieht aus wie gleichaltrig und benimmt sich wie 50, ist aber so verantwortungsbewusst und stringent wie ein 12jähriger. Bricht auch zusammen wie ein 12jähriger, wenn alle Beziehungsdiskussionen nicht helfen und Frau irgendwann den Kaffee auf hat. Findet, wenn er Glück hat, irgendwann Frau im „Muttimodus“, die gern einen Hausfreund hat und der es nichts ausmacht, finanziell für alles allein verantwortlich zu sein.

Exhibit B: „Ich stehe total auf starke Frauen“

Der Homo Egohomilis, der mit dieser Aussage eigentlich nur grundsätzlich schon mal anmerken möchte, dass er definitiv nicht die Schulter zum Ausweinen sein wird und es auch nicht in seiner Verantwortung sieht, irgendwelche Glühbirnen anzubringen oder Schränke zusammenzubauen.

Ist beleidigt und überfordert, wenn Frau echte Nähe oder Kooperation möchte und agiert grundsätzlich kompromisslos. Neigt zu vereinzelten, völlig übertriebenen Liebesbeweisen, wenn er merkt, dass Frau sich zurückzieht. Endet irgendwann in einer Beziehung mit einer völlig abhängigen Person, weil nur die es stoisch erträgt, wenn er sie größtenteils wie nervige Luft behandelt.

Exhibit C: „Ich will eigentlich im Moment keine Beziehung.“

Der Homo Commitophobicus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den schmalen Grat zwischen „irgendwie noch Casual“ und „Beziehung“ auszuloten und bei möglichst vielen verschiedenen Frauen auszuprobieren, was noch als unverbindlich durchgeht. Tut völlig überrascht und geradezu entrüstet, wenn tägliches Melden, durchdachte, persönliche Geburtstagsgeschenke oder das Treffen der Familie als Indikatoren interpretiert werden, dass das „EIGENTLICH im Moment“ in obigem Satz sich langsam aufzulösen scheint.

Hat keine Empathie und ist de facto eine feige Sau, weil er so tut, als wäre ihm nicht klar, dass er die Gegenpartei emotional an sich bindet, klärt aber die Fronten nur auf Nachfrage und ist vor allem anderen erstmal ein Forscher im Weinberg des bequemen Herumhurens. Bleibt entweder ewiger Teilzeitsingle oder treibt Freundin in den Wahnsinn mit seinem endlosen Hot-Cold-Hot-Cold-Getue.


Mir ist durchaus klar, dass ich ohne diese Männer in meinem Leben nicht so viel gelernt hätte über mich, über andere, über Psychosen, über meine Vorstellung von Liebe, Beziehung und Freundschaft. Und klar habe ich daher auch a) Kontakte in die Mittelalterszene und jede Menge Gossip, B) Geschichtswissen, Garten- und Katzenpflegetips sowie Renovierungsskills und Psychomanagement und C) IT Infos, ein paar Gadgets, gute Musik und den einen oder anderen kreativen Input gewonnen. Trotzdem waren manche dieser Zeiten so ab von allem, was sich sinnvoll schimpft, dass noch heute manche Namen bei meiner besten Freundin nur diesen besonderen Gesichtsausdruck auslösen, der etwas an ein verstopftes Eichhörnchen erinnert.

Kleine Memo an alle Routine-Klogriffler an euch: Wenn ihr die Story irgendwem erzählt und sie hört sich schon scheiße an, dann ist sie auch scheiße, denn Hormone sind kleine, geile Bitches, die sich mega einen ablachen, wenn ihr den Typen später wiederseht und feststellt: „Der Lauch ist höchstens eine zwei- war ich bei Bewusstsein?!“

Trotzdem wie Alanis sagen würde: Thank you DrummerBoi, thank you Catman, thank you thank you Star Waaaaaaars…

Gerade befinde ich mich in einer Phase verstärkter Reflexion über diese Kracher, ich arbeite noch an einer Form, die den Francis-Chroniken gerecht wäre.

So long!


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Die Stadt

Lichter, dunkel, Lichter, Bratwurstgeruch, fremde Pelzkapuze im Gesicht,

Schmalzkuchenduft, Weihnachtsmusik, Mistletoe – will ich aber nicht.

Will ich nicht, nicht ohne dich.

Scheiß Romantik, scheiß Lieder, scheiß Glitzer, scheiß Stadt.

Was soll die Stadt, wenn sie nur mich hat.

Und nicht dich.

 

Regen, grau, Gebäude, Gerenne, niemand hier den ich kenne.

Alle sind weg, außer mir, ich bin hier,

alleine im feuchtwarmen Straßenbahnwagen

seh wie sich Leute gar nie nichts zu sagen haben.

Und denke, was ich dir gesagt hätte, wenn –

doch nur die Stadt ist hier, denn.

 

Immer noch nass, aber kalt und sehr dunkel,

die Luft riecht nach Schwefel und der Himmel ist bunt,

alles knallt und ich trinke und auch wenn’s schon was her ist

bin ich immer noch wütend und wund.

Besoffen und wütend ist viel besser als traurig,

aber so richtig gut macht die Stadt das jetzt auch nicht.

 

Und ich weine und schimpfe und schleich vor mich hin

weil ich immer noch nicht drüber weggekommen bin

und die Tage sind lange und langweilig hier

und ich bin maulig mit der Stadt und mit mir.

 

Es ist dunkel und eisig und die Sterne sind da

der Morgen ist früh und mir war nicht ganz klar

als ich gestern allein in der Stadt Zeichnen ging,

das sowas auch endet mit Roots und mit Gin.

Mit neuen und den besten Freunden

mit Liebesgeschichten und Biografien

und jetzt gehe ich nach Hause, viertel nach vier, singe Roots

und die Stadt, ja die Stadt

gehört mir.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Gelogen

Diesen Text habe ich in Gedanken an einen Poetry Slam geschrieben, stellt euch also vor, er würde vorgelesen. 😀 😉

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Ich, 26, gertenschlank und wunderschön,
warte darauf, dich – maximal 36, athletisch, zu sehen.
Meine Hobbies sind Sport und Maniküre, ich verdiene mein Geld mit Instagram
und wenn du mir cool genug bist, sage ich dir sogar meinen Instanamen.
Und wenn du mein Freund wärst, bekämst du ein eigenes Hashtag
Sowas wie BigLove oder BestDick oder
– ach Dreck.

 

Ich, 30, mittelmäßig mittellos und mittelmäßig freundlich suche dich,
mittelmäßig sorgenfrei und auf jeden Fall verlässlich.
Ich mag Spaziergänge, Kino, Freunde treffen und ich lese Bücher.
Ich hoffe das ist öde genug für dich, sonst gehst du doch nur wieder.
Ich trage Kleidung von C und A und ess‘ gern bei Va Piano,
aber wenn du keinen Knoblauch magst, ist das auch ok so.
Den lasse ich dann weg, dann könnten wir uns küssen.
– was wir aber auch nicht müssen.

 

Ich, 33 und oft schlecht gelaunt,
habe mir Typen mit einem großen Herzen erträumt.
Ich kann jede Menge Zeug, genug zum Überleben.
Nur Mathe würde ich gerne an dich abgeben.
Steuererklärungen und all sowas, die kriege ich geregelt
und überhaupt brauche ich gar nichts von dir, am wenigsten dein Geld.
Aber Liebe wär schön, Liebe ist mir schon wichtig
und Diskussionen auf Augenhöhe oder vielleicht auch..
– ach geht auch nicht.

 

Ich bin alt und groß und mag jede Menge Zeug,
Star Wars und Malen und Joggen im Wald,
ich liebe Katzen und spielen und ach ja – ICH BIN ALT.

Ich will Kinder und Tiere und ein altes Haus
mit nem Esel im Garten und du guckst da raus.
Ich will Spaß und jemanden, der mich verträgt
der meine Art von Wahnsinn freiwillig wählt,
der mag, dass Gedichte über ihn existieren,
den Otter genauso wie mich faszinieren,
der gut ist im Bett – zumindest für mich-
für alle anderen ist das dann nebensächlich,
den ich anhimmeln kann weil er großartig ist,
der auch mal seine Freunde vermisst,
der sich durchsetzt, wenn wir den Schrank aufteilen
und zwar ohne darüber lange zu heulen,
der beleidigt ist, wenn ich unmöglich werde
und darüber spricht, damit ich daraus lerne.
Der fair ist und uns eine Chance gibt
und sich wirklich aufrichtig in mich verliebt.

 

Ich, 33, gehe jetzt einen Trinken.
Und wenn das Leben es gut mit mir meint,
wirst du mich dort schon finden.

 

 


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Echt

Ich habe dich gesehen, und ich dachte, du wärest echt.  Und jetzt gibt es uns und eigentlich gibt es uns nicht. Denn vor lauter Angst davor, dass etwas Leichtes echt wird und weniger leicht, aus lauter Vergangenheit voller Menschen, die nicht ich sind und die nicht jetzt sind, machst du lieber nur etwas Trauriges aus dem, was stattdessen echt sein könnte.

Du hast Angst davor, etwas zu verpassen, nicht richtig eskaliert zu sein, dich nicht ausgelebt zu haben. Und anstatt los zu gehen, zu eskalieren und dich auszuleben – hast du wieder Angst. Willst nicht loslassen, was da ist – obwohl es erklärt nichts ist.

Du sagst „Ich will keine Beziehung.“ und ich sage: „Was ist denn hieran keine Beziehung?“ und du – du schweigst. Weil du kein Lügner bist.
Und trotzdem hast du Angst, dass wenn du es so nennst, dein Gehirn einen mysteriösen Wunderschalter umlegt und alles, was bis hierher großartig und schön war, auf einmal nur noch erdrückend und eng wird. Angst, dass ich mysteriöse Eifersucht und Kontrollwahn entwickle, Angst, dass ich dich morgen in einem weißen Kleid vor den rosengeschmückten Altar schleppe und dir mit vorgezogener Waffe das „Ja, ich will“ aus den Lungen presse, augenblicklich Drillinge gebäre und dich dazu zwinge, mit mir Vorhänge auszusuchen. Dabei sind mir Vorhänge total egal.

Und auch wenn es sich anfühlt wie sterben, lasse ich dich gehen.

Jetzt kannst du tun, was ich schon hinter mir habe. Du kannst eskalieren und dich ausleben. Du kannst dich betrinken um morgens am See gefühlt tiefgefroren mit nassen Füßen und einem Lappen im Gesicht wach zu werden. Du kannst mit irgendwem irgendwann in irgendein Bett sinken und dich am nächsten Morgen hundeelend in deinen verräucherten Klamotten aus der verpekten 5er WG schleichen und versuchen, während des Nichtkotzens nicht in Kotze zu treten. Du kannst am Joint am Eingang ziehen, hinter den Klos ohnmächtig werden und dann von den Bullen mitgenommen werden. Du kannst ganz allein bekloppte Dinge tun, dich tätowieren lassen und dir die Haare abrasieren. Du kannst alleine reisen und tausende von Leuten kennenlernen, die du auf Facebook addest und irgendwann mit dem Gedanken „Who’s that?“ wieder löschst. Du kannst in Strip Clubs gehen und den Mädels Geld in den String stecken und dich eklig fühlen und du kannst die Kleine an der Theke kennenlernen und am Ende des nächsten Abends vom mittelmäßigen Sex halbwegs gesättigt auf ihrem Bauch einschlafen. Und dann wirst du feststellen, dass eskalieren geil ist und wie sehr es befreit, sich auszuleben. Und du wirst eine ganze Zeit nicht genug davon bekommen. Und du wirst lange denken: „Das, das hier wollte ich.“

Es dauert nur einen Augenblick, nur eine Nacht, nur eine Zeit und dann ist es wieder vorbei und die Namen verschwimmen und die Nächte bleiben als Teppich aus Dunkelheit, Lichtern und Erinnerung zurück und werden immer weniger, was du brauchst, obwohl du sie vielleicht noch willst.

Und dann wachst du irgendwann neben ihr auf und wünschst dir, diese hier würde bleiben. Diese hier würde es meinen, wenn sie mit dir schläft. Diese hier würde es fühlen, wenn sie dich anlächelt, diese würde sich wirklich für dich begeistern.

Wünschst dir, so wie ich es mir jetzt wünsche, diese hier wäre echt.