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Persönliche Fettlogiken

Vor über einem Jahr habe ich an dieser Stelle schonmal schamlos Werbung für die Aufklärungsschrift „Fettlogik überwinden“ gemacht, deren rätselhafter Titel sich schnell folgendermaßen erklärt: Als Fettlogik wird eine Überzeugung bezeichnet, welche wirkungsvoll verhindert, dass der Überzeugte erfolgreich sein Körpergewicht kontrolliert.

Märchen wie „Wenn du unter deinem Grundumsatz isst, fällst du übermorgen tot um(1), kommst in den Hungerstoffwechsel und dein Körper gibt nichts mehr her(2) und dann machst du deinen Stoffwechsel kaputt und weil du so viele Diäten gemacht hast, ist er sowieso schon kaputt (3) und deswegen nimmst du nicht ab, obwohl du dich an 1000 kcal am Tag hältst (4).“ werden darin gründlich- und vor allem wissenschaftlich durch mehrere, von größtenteils verlässlichen Quellen zitierte Verweise- außer Kraft gesetzt. Und es bleibt die Erkenntnis: Ich bin zu dick, weil ich mehr Kalorien zu mir nehme, als ich verbrauche.

Bei den meisten führt das zu einer Art Wiederentdeckung der Selbstwirksamkeit. Auf einmal nehmen die Menschen nur noch 500 -1000 kcal zu sich, nehmen ab, merken es funktioniert und BÄM – endlich schlank. Auch ich habe dank des Buches 18 Kilo abgenommen und meine Leidenschaft fürs Laufen entdeckt.

Trotzdem, gerade am oberen Rand des Normalgewichtes (was nicht mein Ziel ist – hint hint) halten sich einige Fettlogiken immer noch unfassbar hartnäckig und schleichen sich auch zeitweilig wieder ein, so dass es sich für mich nun ergeben hat, dass ich el Bibel noch mal lesen wollte. Und was soll ich sagen: Es war wie ein Wiedererwachen. Wahrscheinlich habe ich das Buch jetzt besser durchgearbeitet mit Schnippies und Marker, als je eine Lektüre in der Uni.

Hier meine hartnäckigen vier:

  • (Fett-)Logik 1: Ich tue ja schon so viel, das ist schon sehr gut. Dass ich mich nicht besonders stringent an den Plan halte – irgendwann macht es schon wieder klick und DANN werde ich schlank.

Fakt ist: Dieses Leben ist 100% meine Verantwortung, es ist nur eines und es ist viel. zu. kurz. Niemand wird mich retten, nur ich kann das – egal worum es geht. Und wenn ich länger gesund leben und all das erleben möchte, von dem ich träume, dann ist jetzt nicht eine Sekunde zu früh.

  • Fettlogik 2: „Mein Körper kann heute keinen Sport machen, er muss essen.“ Lacht nicht, es gibt so Tage, da verkrieche ich mich vor der Verantwortung, meinen Hintern nach draußen zu bewegen und schaufele stattdessen unendlich Futter in mich hinein, um irgendein emotionales Loch zu stopfen.

Fakt ist: Die Motivation bekommt man nicht geschenkt. Es gibt Dinge, bei denen man nicht darauf warten kann, sonst tut man sie nie. Durch nur leichte Bewegung werden die chemischen Stoffe im Gehirn schon wieder ausbalanciert und welche emotionale Durststrecke auch immer da vorhanden sein mochte, flacht automatisch ab. Tipps zum Anfangen gibt es noch mal in einem anderen Blog.

  • Fettlogik 3: Wenn ich auf dem Geburtstag/dem Spieleabend/blablabla bin, dann schaffe ich es, mich an meine Kalorienbegrenzung zu halten.

Fakt ist: No fucking way. IMMER und ich meine IMMMER auf Feiern, kriege ich den Futterkasper weil es alles so lecker ist, oder ich den Fehler mache, irgendwas zuckerhaltiges zu essen und in ein Suchtverhalten zu fallen. Da helfen folgende Taktiken: 1- Es ist nicht egal. Es muss aufgeschrieben und weinend über mehrere Tage ausgegelichen werden. Wenn ich das weiß, esse ich sofort weniger. 2- Vorher möglichst kalorienarm speisen aka. Gemüsesuppe für alle und satt. 3- Alkoholkalorien und Nachtpommes einplanen. Sie werden passieren. Ich weiß es, jeder weiß es – also schon mal aufschreiben. 😉 Tipps zur Schadensbegrenzung und trotzdem Spaß haben auf der Feier gibt es auch noch mal separat.

  • Fettlogik 4: Das esse ich jetzt noch auf, weil ich das darf laut Budget, auch wenn ich (zur Abwechslung mal) merke, dass ich satt bin.

Fakt: So eine dumme, dumme Idee. Dadurch weitet sich der Magen, größere Mengen werden verlangt, bevor ich satt bin und am Ende landen wir bei den legendären 1500 Gramm Salaten, die in der Facebook FLÜ Gruppe immer geteilt werden, bei denen mir schon beim Anschauen schlecht wird. Eintuppern, wegpacken, ich weiß, dass ich kurz vorm Schlafengehen oft noch mal einen irrationalen Snackhunger verspüre und dann wäre es total schlau, den Rest der eingeplanten Portion zu snacken.. oder zumindest davon.

Dies gilt übrigens auch für Restaurants und wenn man nett danach fragt, ob man die Portion eingepackt bekommen kann, ist das in der Regel selten ein Problem. Meine BFF und ich haben darüber hinaus auch schon über Mitbring-Tupper nachgedacht, zur Erleichterung und ggf. Müllvermeidung. Schaut mal, was ihr draus macht. 😉

  • Fettlogik 5: Das muss jetzt gegessen werden, obwohl ich es nicht sonderlich möchte, beispielsweise Bambussprossen oder das Curry von vor-vorgestern, sonst wird es schlecht oder es muss weggeworfen werden.

Fakt: Wenn ich tatsächlich nur eine richtig nette Mahlzeit am Tag habe, wieso um Himmels Willen soll ich mir dann drei Wochen alte Bambussprossen reinlatten, die ich ohnehin eklig finde und nur gekauft habe, weil ich das vergessen hatte? Oder das trockene Brot, oder zum vierten Mal Curry oder, oder, oder.. Das ist, als würde man als Gutverdiener zu Primark gehen und dort unter schlimmsten Bedingungen hergestellte, minderwertige Kleidung aus Plastikfaser kaufen, die man auf der Haut kaum erträgt, weil man noch Geld übrig hat und sich Kleidung kaufen muss und „Die Sachen halt gekauft werden müssen und eh da sind.“

Immer, wenn ich etwas zu mir nehme, dass ich nicht brauche oder eigentlich nicht essen will, tue ich mir – streng genommen – Gewalt an. Niemand zwingt mich, aber ich zwinge mich und zwar nicht zu etwas Sinnvollem, wie Bewegung oder Geld zum Leben zu verdienen, sondern ich nutze meinen Körper im schlimmsten Fall als eine Art Mülleimer. Anstatt das Essen also im Müll zu entsorgen, entsorge ich es in mich? Das klingt irgendwie falsch.

Essen sollte, und das ist meine persönliche Überzeugung, nie mit Zwang, Pflicht oder Unwohlsein verbunden sein. Man sollte seinem Körper damit etwas zuführen, was er gebrauchen kann. Auch bewusster Verzicht ist kein Zwang, sondern eine Entscheidung. Nicht zu unterschätzen ist dabei die psychologische Ebene der Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit und -Pflege und der Effekt, den es hat, wenn man in jeder Situation wirklich bewusst das isst, was man auch wirklich gern essen möchte (Thema Buffet und Beilagen..)

Essen wegzuwerfen fällt mir auch unfassbar schwer. Die Lösung liegt also im ersten Schritt in der Müllvermeidung, d.h. weniger kaufen, mehr einfrieren, Einkaufsliste, haltbares Essen, kleinere Portionen kochen, aber hat das alles mal nicht geklappt, sind verschenken (Tipp: foodsharing) und wegwerfen völlig legitim und nur ein Bruchteil dessen, was Restaurants und Supermärkte täglich entsorgen (App-Tipp: Too Good to Go).

——

Ich werde diesen Katalog weiterführen und nehme gerne weitere Fettlogiken auf mit ihrer faktischen Umsetzung. 😉

Für mich die wichtigste Erkenntnis ist, dass ich immer noch mal wieder einen Reminder brauche, wie schädlich Übergewicht ist und dass jeder Tag, den ich meinen Körper in diesem Zustand belasse, meine Chancen früher mobiliäts- und lebensbedrohlich zu erkranken erhöht. Ich will das nicht. Meine Cellulite und die Hautschlappen sind mir schnurz, ich will einfach nur mit 80 noch alle Zehen haben und mir nicht ständig Insulin spritzen müssen, die Berge bewandern und nicht nur Butterfahrten machen und mit meinen Enkeln (haha, wer meinen Track Record bei den Herren kennt… XD) spielen und zwar nicht nur MauMau (die Gehirntätigkeit wird übrigens durch schweres Übergewicht auch eingeschränkt – just saying!), sondern auch Fußball. Mit dem neuen Knie mitte 50 habe ich schon meinen Frieden gemacht, aber auch das hält länger, wenn ich Idealgewicht habe.

 

 

 

 

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Gemein

Ich würde mich grundsätzlich nicht als netten Menschen bezeichnen. Ich bin missgünstig, eitel, trage Leuten, die sich wirklich scheiße benommen haben lange ihren Fehler nach, obwohl ich es vielleicht nicht will, ironiere oft bis ich zum Sarkasmus komme und rede grundsätzlich zu viel von mir selbst. Ich vergesse Geburtstage(1), habe die Linzenz zum Klugscheißen, bin zu oft ein Smombie und manchmal trolle ich absichtlich Leute im Internet, weil ich Spaß daran habe. Wenn Leute scheiße sind, dann finde ich sie auch scheiße und ich kann einfach nicht lügen.

Das letzte würden viele bestimmt als eine super Eigenschaft bezeichnen, ist aber schlicht scheiße unhöflich. Insbesondere wenn, wie schon oft passiert in letzter Zeit, Menschen mit mir über Gewicht und ihr eigenes Gewicht und den optisch damit verbundenen Zustand sprechen.

Das läuft oft nach dem Muster

A: „Oh, du bist aber schmal geworden, wie hast du das denn gemacht?“

Ich: „Kalorienzählen und Sport.“

A: „Oh.“ *Stille* „Naja, ich müsste/würde/hätte/könnte/sollte eigentlich auch ein paar Kilos loswerden.“

Ich (innerlich) Sag jetzt nichts, sag jetzt nichts, sag jetzt nichts: „Joah.“ Mist.

 

Denn ich weigere mich, die zunehmende Verfettung der Gesellschaft schönzuschwafeln.

Ein konkretes Beispiel:

Samstag Abend, wir uns gerade den Bauch vollgemampft mit Spargel mit missglückter Flockhollandaise, die zwar ein bisschen wie Sperma über den Spargel rann, aber genauso gut schmeckte, wie normale Hollandaise. Ich hatte auch reichlich gemölmert, allerdings auch das Laufen am Sonntag (ca. 800 kcal) eingerechnet und für 800 Kalorien kriegt man eine Menge Spargel und Kartoffeln. Da stehen wir so und Tom piekt in meinen Bauch, der aufgrund meiner Position angespannt ist und sagt: „Boah, das ist ja hart wie Stahl.“ Nicht, dass das nicht maßlos übertrieben ist, denn schließlich sind noch gute 4-6 cm Speck und Haut und Bindegewebe über den Bauchmuskeln, die sich nur direkt unter dem Rippenbogen in den schönsten Verrenkungen erahnen lassen, aber was solls. Dann streckt er mir den Bauch hin und ich pieke rein und anstatt was ähnlich übertrieben Nettes zu sagen, denke ich darüber nach, dass er vor drei Stunden noch selbst monierte, so unfit und speckig wie noch nie zu sein. Und ich denke mir in dem Bruchteil der Sekunde: wenn ich ihm jetzt noch die verharmlosende Lobesdusche übergieße, dann bleibt.das.so. Welch Horror denn am Ende sitze ich dann allein in unserer Alters-WG, weil alle anderen aufgrund ihres dauernden Übergewichts bereits gestorben sind und fahre nur Rollstuhlrennen mit mir selbst. Wie kacke wär das denn?! 

„Joah,“ sag ich also und bin mal wieder ehrlich: „Aber da geht noch was.“

Indigniertes humorig Herunterspielen und (mit Recht) humorig Kontramotzen folgt.

 

Und ich stehe da und frage mich: Warum ist das eigentlich so ein Problem mit diesem Sagen, dass jemand zu specky ist?

Und ich muss mir eingestehen, dass dieses dusslige Buch, das alle gelesen haben und das so vielen Menschen auf einmal die Tür zum Erschlanken geöffnet hat, a) diese Frage auch schon betrachtet hat und b) bei mir zu einer Art Erleuchtung hinsichtlich meiner Beziehung zum Dicksein geführt hat.

Grundsätzlich habe ich es immer wieder so wahrgenommen, dass gesellschaftlich dicke Menschen als faul, lethargisch und weniger intelligent gesehen werden; wären sie intelligent und aktiv, wären sie ja dünn, denn sie würden sich besser ernähren und wissen, wie schädlich das Übergewicht nicht nur körperlich, sondern auch gesellschaftlich sein kann.

Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass wenn man, selbst wenn man es nicht so meint, jemandem Übergewicht attestiert, man ihm indirekt diese Eigenschaften zumisst. Faulheit, Dummheit, Trägheit. Gerne auch gepaart mit Erfolglosigkeit bei den Frauen/Männern, Jungfrauen/Mauerblümchen und Muttchen-Image, Stillosigkeit und Maßlosigkeit (2).

Da ich meinerseits allerdings seit der Lektüre eine völlig neutrale Beziehung zu meinen Schwabbelanteilen entwickelt habe und einfach nur sachlich feststellen konnte, das derer zu viele an mir dran sind, habe ich leider auch die ausgeweitete Empathie dahingehend verloren. Hat jemand ein riesiges Muttermal, das eventuell Hautkrebs sein könnte, sage ich ihm das ja auch und lasse ihn nicht leise sterben. Dass Ärzte und Orthopäden in vielen Fällen nichts zum Thema zu fett sein sagen, finde ich schon skandalös genug; dass das gesellschaftliche Bild von „normal“ gleichbedeutend ist mit dem „durchschnittlichen“ Bild, welches leider an der Kante oder etwas über dem gesunden BMI liegt, dramatisiert diese Situation natürlich weiter. Schließlich kann ich nicht durch die Gegend laufen und allen Menschen sagen: Du bist zu fett.

Aber ehrlich mal: Wenn mich jemand indirekt fragt und wenig aussichtsvolles Fishing for Compliments betreibt, dann muss er verdammt noch mal damit leben, wenn kein Kompliment zurück kommt. Warum? Weil ich Fishing for Compliments hasse und weil ich nicht lügen kann.

Denn ich weigere mich, zur Fettshaming Kultur zu gehören, wo man sich über dicke Leute lustig macht und ich weigere mich auch, zur Fatacceptance zu gehören, welche die Folgen des Fettseins verharmlosen. Ich weigere mich, einen gesundheitlich kritischen Zustand schönzuloben aus Höflichkeit. Ich wünsche mir, dass meine Freunde lange leben und man sachliche, wertfreie Gespräche mit mir über das Fettsein, Sportlichkeit und Probleme führt und keine, die davon leben, sich gegenseitig ein fuzzy Feeling einzulügen, weil das Speckkinn „einen viel weicher und lieblicher“ macht.

Da bin ich lieber gemein als verlogen. Bittesehr.


(1) (obwohl ich die Menschen liebe, die Geburtstag haben, weil ich irgendwie nicht logisch nachvollziehen kann, warum der Tag an dem derjenige geboren wurde jetzt so mega wichtig ist. Hätte auch einen Tag davor oder danach gewesen sein können, kosmisch macht das keinen Unterschied und er ist ja nun mal DA. Wann er KAM ist ja egal.)

(2) (Maßlosigkeit mag stimmen, ist allerdings in vielerlei Hinsicht meist körperlich (genetisch) oder psychisch begründet und kann mit den entsprechenden Reglern gut reguliert werden.)


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10 Dinge, die dir keiner sagt, die passieren, wenn du abspeckst

Immer wieder lese ich auf einschlägigen Seiten von der Motivierungsarie der „10 Gründe“, das heißt, man soll sich zehn Gründe aufschreiben, natürlich positiv formuliert, weshalb man abnehmen will und 10 Gründe, natürlich so gruselig wie möglich, weshalb fettbleiben kacke wäre.

Ich habe definitiv auch so eine dumme Liste gehabt, auf der so Sachen standen wie: Ich bleibe gesund, mein Knie ist froh, ich passe in diese oder jene Klamotte, ich kann Handstand üben, ohne dass mir mein Bauch ins Gesicht fällt.. Aber niemand sagt einem, wie es wirklich ist, abzunehmen.

Deswegen mal eine Liste von zehn Dingen, die mir vorher keiner gesagt hat:

  1. Du säufst wie ein Pferd.

Wenn du erfolgreich abnimmst, reduzierst du Kalorien. Und ein Regler, an dem man schrauben kann, damit man Hunger und Durst unterscheiden lernt, ist einen von beiden zu eliminieren. Durst ist da die einfachere Variante.

Früher habe ich gut und gerne mal einen Liter, vielleicht auch anderthalb, den Kaffee mitgezählt, getrunken. Seit ich auf 1000 Kalorien lebe und mehr Tage die Woche Sport mache als nicht, trinke ich im Schnitt drei Liter Wasser am Tag, manchmal auch dreieinhalb. Und das muss halt auch wieder raus.

You get the picture.

2. Besuch verhungert.

Wenn mein Besuch abends zum Essen kommt, ist alles gut. Aber morgens zum Frühstück wird es dann schon etwas haariger, denn ich besitze kein Brot, keine Butter, keinen Käse und keine Marmelade, keine vollfette Milch und keine Kekse. Und nicht jeder frühstückt gerne Haferflockenpfannkuchen, Omelette oder Skyr mit Erdbeeren. Damn.

3. Rebell Adé.

Früher habe ich oft nichts als ein Mappentäschchen in die Schule geschlörrt, mir am Bahnhof ein bis drei fett belegte Pizzataschen mit extra Sahnesoße gekauft oder die Cafte geplündert und bin dann fett und vollgefressen wieder heim gefahren. Definitiv hatte ich oft kein Frühstück dabei, geschweige denn Mittag. Pah. Mittag. Getrunken habe ich Kaffee, wie ein guter Pädagoge.

Jetzt – und es ist mir fast peinlich, das zu schreiben – muss ich einen Rucksack mitnehmen, wenn ich lang habe, weil ich sonst mein Essen und Wasser nicht mitkriege. Und ich koche manchmal extra noch abends, weil ich sonst morgen nix zu essen habe in der Schule, was in meinen Plan passt. Und da schnippel ich lieber noch ne Viertelstunde Grünzeug und werfe es in einen Topf um es zu schmoren, als am nächsten Tag irgendwas zu essen.

4. Das schlimme T.

Nie hat mich Tupper interessiert. Scheiß auf Tupper, das kaufen nur frustrierte perfektions-Hausfrauen, die sich aufgrund akuter Ungebumstheit eine Ersatzbefriedigung suchen müssen.

Boah ist meine Tupperdose mit Schnappverschluss, tropfsicher, ein Segen für mein Morgenskyr.

5. Neue bekloppte Spitznamen.

Wenn man meinen Kühlschrank öffnet, sieht man einen Dschungel aus Gemüse. Gemüse. Gemüüüüüse. Noch mal. Gemüse. Und Fisch, Fleisch und Skyr. Manchmal auch Magermozzarella. Achja, und ich brauche mittlerweile zwei Schalen für meine Obst- und Gemüselagerung auf dem Tisch.

Also habe ich ob meiner Größe und Ernährungsgewohnheiten mittlerweile den liebevollen Decknamen „Giraffi“ erhalten. Thanks Boys..

6. Man muss anders waschen. 

Eine erstaunliche Entwicklung meines Körpers ist die, dass er natürlich, da trainierter, weniger schwitzt im Alltag. Auch ein T-Shirt, das ich sonst nur einmal getragen habe, geht heute zwei Tage. Dafür mache ich aber fünf Tage die Woche Sport – und das muss ja auch gewaschen werden. Damn.

7. Andere Menschen begegnen mir mit zwiespältigem Lob.

(Dazu muss ich sagen, dass ich noch BMI-mäßig im Übergewicht herumdümpele und es bis zum oberen, optimistischen Rand des Normalgewichtes noch fünf Kilo sind. )

Die besten Beispiele sind dafür: „Hörst du auch noch mal wieder auf damit?“

Nach einem Blick auf meine – natürlich noch recht runden – Hüften: „Naja, die Verteilung ist eben Genetik, da kann man nicht einfach was wegjoggen.“ (Genetik. Einfach. Wegjoggen. Ohne Worte)

Und: „Aber nicht, dass du sportsüchtig wirst.“ (Pathologisches Lexikon raushol. *blätter* Nein. Nein, ich denke nicht. Laut Definition bin ich vielleicht neurotisch, aber nicht sportsüchtig.)

Siehe oben, nur mit „magersüchtig“ und auch da muss ich sagen: Fuck you big time.

„Ich finde ja ein bisschen mehr schöner.“ (Honestly, der Spruch ist so schlimm. Erstens: Schade für dich, umso besser für mich. Zweitens: Ich habe immer noch Übergewicht. Soll ich das definieren oder geht’s?)

8. Bewegung wird lebenswichtig(er)

Früher habe ich bei Aggression gewählt zwischen der Kalaschnikow und der Sahnetorte und mich meistens für die Sahnetorte entschieden, selbst wenn ich die Kalaschnikow quasi schon geladen und entsichert hatte.

Heute gehe ich einfach laufen. Also, alle mal lieb dem Dr. Marquart danken. Danke, Dr. Marquart. So. Weiterlaufen.

9. Man gibt viel Geld aus für Zeug, das man nicht erwartet hat. 

Zum Beispiel für Anmeldungen für den Hannover Marathon, Laufschuhe, Laufleggins, Sporttops, feste Tupperdosen aus denen nichts herausläuft, Müslibecher, exotische Gemüsesorten, neue Unterwäsche, weil alle BHs aussehen wie große Schalen mit kleinen, schrumpeligen Äpfelchen drin. *hoil*

10. Man wird ein unfassbar einfacher Partygast.

Auf 1000 Kalorien und bei meinem Sportregime vertrage ich nämlich original gar nichts mehr. Drei Bier und ich sitze gröhlend in der Ecke und unterhalte mich angeregt mit dem Hutständer. Außerdem esse ich ja fast nix vom Buffet, will of steel und so. Haha.

 

Und weil ich mich SO geehrt gefühlt habe und es so unfassbar cool finde, gefeatured worden zu sein, feature ich nun zurück: Noch mal ganz vielen lieben Dank für die Ehre an Marc Winking, der den unregelmäßigsten aller mäßigen Blogs voller Verve auf seinem gut gepflegten Portal als BLOG DER WOCHE ausgebreitet hat: https://kochkatastrophen.blogspot.de/2017/03/abnehm-blog-der-woche-kuekensalat.html

❤ Und weil er sich über mangelnde Vorher- Nachher-Bilder ausgelassen hat (natürlich nur objektiv-beobachtend), verspreche ich hiermit, nach meinem Results 12-Wochen-Plan (also in einer Woche) mal ein vorher-nachher meiner ersten drei Monate zu posten. Hand drauf!

 


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Einfach nur dran glauben

Ich bin ja davon überzeugt, dass Klamotte alles ist.

Naja, nicht ALLES alles, aber schon ein bisschen alles. Egal, ob man sich nun abspalten, ver-oder enthipstern, ökologisieren, managerisieren, statuisieren oder demoralisieren möchte. Ihr wisst, was ich meine.

Auch die Fitnessindustrie hat sich dessen schon angenommen und wartet  mit immer spannenderen Klamotten so hoch auf, dass die letzten Magazin-Cover, die mir aus den Regalen entgegen kamen, auch immer öfter etwas von „Fitwear Trends“ verkündeten. Ich, milde lächelnd noch so: „Wer macht’n so einen Mist mit?“

Doch das Interesse bleibt und jetzt, wo ich auch mitmache bei diesem „Sport“ muss ich gestehen: Wenn ich daheim in Schnappatmung über meine Matte rolle, möchte ich auch lieber schnitty als shitty aussehen.

Anscheinend gibt es für Long Moppels wie mich allerdings die hässlichsten Prints in den absonderlichsten Längen mit den unmöglichsten Kombinationen (lies: durchsichtig mit glänzend. wtf? Wer trägt denn was Durchsichtiges, wenn er versucht, sich Speck wegzustrampeln?) und un-fucking-fassbare Turnschuhdesigns. Ich habe selten so hässliche Schuhe gesehen. Mal ehrlich. Rosa Sohle? Also bitte.

Was bleibt? Entweder a) Männerkleidung kaufen (YAY! ÄRMEL! aber: Booooh! Boobs!) oder b) „irgendwas Günstiges, was nicht oberkacke aussieht“.

Gut, letztendlich hat der Geiz gewonnen. Da ich mit meinem perfekten Startgewicht von 100 Kilo mal übermotiviert dachte: „Boah, Bodyweight Training ist eine total brillante Idee!“ und meine gefühlt bergversetzenden, meine Untermieter traumatisierenden 4-Count-Burpees in meinem heimischen Schlafzimmer exerziere, ist es auch eigentlich völlig schnurzpiepe, dass die nun erworbenen, pechschwarzen Leggins sich liebevoll an jede Delle schmiegen und das schwarze Top auch gut einen Zweitjob als Nylonstrumpf ausfüllen würde.

Nein, das alles spielt keine Rolle –  denn wenn ich meinen schwarzen Kapuzenpulli drüber ziehe, vollzieht sich eine wundersame Wandlung.

Ich werde von einer Grufti-Raupe Nimmersatt zu einem blitzschnellen, schattengleichen, das Trainingsprogramm voller Härte bezwingenden Speckninja.

Und da sag‘ noch mal einer, Klamotten wären beim Sport  unwichtig.

speckninja