kuekensalat

Dieser Blog ist total wichtig.


Hinterlasse einen Kommentar

Autopilot

Ich glaube mein Körper hat eine innere Kalorienbilanz.

Ich schreibe seit ein paar Wochen jeden Tag auf was ich einspare (oder auch nicht) und tracke jeden Happen. Wie ich es anscheinend so will, habe ich in unfehlbarer Regelmäßigkeit Fressattacken (einmal die Woche etwa), die dazu führen, dass ich fast alle gesparten Kalorien wieder aufesse. Was zur Hölle?!

Gerade jetzt mit den Korrekturen scheint ein Vorbeigehen an den Süßigkeitentonnen der Hölle buchstäblich nicht durchführbar. Stattdessen autopilote ich wie ein Zuckersuchsystem von einer Tonne (ich übertreibe nicht..) zur Nächsten mit dem inneren Antrieb, der Welt effektivster Süßigkeitentester zu werden. Leider hört das zu Hause nicht auf, so dass ich es definitiv noch schaffe wie ein wahrer urbaner Küchenmeister 2000 kcal zu mampfen zu finden, obwohl ich nur Eier, Mehl und Harzer Käse zu Hause habe.

Ich habe es jetzt mit Fasten versucht – Betonung auf versucht. Klappte erstmal, gerade ist es wieder eher ein kleines Aufkeimen bevor ich es mit einer Tafel Schokolade erschlage. *seufz* ich bin zu fett (BMI 25,6). Ich will das Fett nicht, das ist doch schwer! Dazu kommt noch, dass ich dem Begehren meines Kunstkurses nachgegeben habe, ein Kuchenabo einzurichten, d.h. jede Woche backt eine andere aus dem Kurs einen Kuchen.

Leider war bisher nur meiner halbwegs figurfreundlich.. Diese 17/18jährigen hauen da alles rein, was irgendwie zu hauen ist; Schokolade ist noch das Harmloseste. Ich warte noch auf die rosa gefärbte Butterglasur.

Trotz aller Tragikomik ein Lichtblick: Ich habe heute morgen meinen gesamten Cappucino auf dem Fenster und dem Mülleimer im Zug verteilt, was außer mir noch ein paar Menschen erheitern konnte und mein Sportprogramm hat die letzten Wochen ganz gut funktioniert, so dass sogar meine Bodenschlampe einsehen musste, dass meine Muskelmasse sich in die andere Richtung verändert hat. ✌🏻👍🏻🎉 Nimm das, Bodenschlampe!

Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

Es könnte alles so einfach sein…

Juni. Es ist manchmal warm und eigentlich will ich mich ja schon seit Wochen abmelden, weil es auf dieser schäbigen, freien Internetplattform ohnehin nur Kruppzeug gibt, das einem dreimal dieselbe Nachricht zur Kontaktaufnahme schickt – im Abstand von zwei Wochen.

Und dann – eine Nachricht, intelligent, anständige Rechtschreibung, netter Anschrieb – BÄM.

Es wird gesprochen, länger, mehr Nachrichten.

Playlists werden ausgetauscht und für annehmbar bis gut befunden. Es folgen spannende Diskussionen mit philosophischem Inhalt. Nach zwei Wochen Textmekka wird klar: Es muss ein Treffen passieren, selbst wenn man eigentlich die Nase voll hatte von Blind Dates, selbst wenn die Attraktivitässkala keinen gesteigerten Auswurf abgibt beim Betrachten des Profilbildes, mehr als ein: „OK“ kommt da nicht.

Aber die geistige Ebene stimmt, die Musik stimmt, die Filme, Kunst, Kultur, Vorstellung davon, wie eine Beziehung zu sein hat – alles scheint wie von Geisterhand festgeschrieben im Gewebe der Welt um diesen einen Menschen hervorzustricken.

Fünfzehn Uhr, es ist warm, aber bald soll es regnen. Ich denke, ich könnte underdressed sein, wärmetechnisch. Auf den letzten Metern zum Treffpunkt verschmilzt das Bild mit dem echten Bild: Groß, lockiges Haar – jedoch nicht blond, sondern grau, das etwas schräge Lächeln weniger charismatisch als schräg, die Hände mit langen, schmalen Fingern und er, der bisher so farbenfroh und spannend klang wirkt auf einmal wie ein ausgebleichtes Polaroid.

Und so folgt am Ende des Dates, das doch ein paar Stunden dauert, denn man kennt sich ja, auch ein zweites. Und auch ein drittes und dann die Erkenntnis:

Es könnte alles so einfach sein. Isses aber nicht.

Und egal wie sehr man will – wenn es nicht kribbelt, dann hilft auch keine Ahoibrause.

 


6 Kommentare

Gummizustand

Es ist Freitag Abend, 21.45 Uhr ziemlich präzise und ich bin verabredet. Mit Ella. Wir wollen in den Kristallkeller, eine In-Location im mittelspießigen Stadtteil List vom völlig unterschätzten Hannover.

Ich also erst den Dive in den Schrank gemacht und nach dem Wühlen in dreißig Kilo überwiegend schwarzem Stoff, mit und ohne Spitze, festgestellt: Shit, ich hab ja gar nichts zum Anziehen!
Bevor jetzt alle losplärren: „Bäh! Klischeeee!“ – ich habe wirklich momentan fast nix mehr, was mir passt. 15 Kilo sind halt 15 Kilo und Größe 42 ist meistens nicht Größe 46. Und da sieht ein sexy Samtkleid einfach auch gerne mal aus wie ein trauriger Ökomuttisack. Ich also besagten Sack im Spiegel betrachtet und gedacht: Also, es sieht aus, als sei ich rausgeschrumpft. Geil. Ich bin so dünn geworden! Party!

Gleich n Bier aufgemacht.

Dann also in den Keller und die „Zieh ich an, wenn ich mal schlank bin“ Klamottenkiste durchwühlt. Nagut. Nicht mehr so richtig mein Stil mit dem ganzen Gerüschel, aber was soll’s. Wenigstens passt es.
Ich also die Treppe des Todes wieder hoch, wieder am Spiegel vorbei. Mein Hintern in Leggins wischt noch so durch das periphere Blickfeld. Und da vollzieht sich das Mysterium der abnehmenden Seele, der Gedanke des: „Noah, der ist aber noch ganz schön fett.“ Natürlich liebevoll gedacht, das ganze ist ja erstmal nur eine sachliche Feststellung. Und mein Hintern ist halt fett, was soll ich machen. Es sollen ja auch noch 15 Kilo weichen und die sitzen halt vor allem da. Irgendwo müssen sie sein. Und besser da als am Bauch (Sorry, Apfeltypen).

Ich also wieder vorm Spiegel festgeklebt und Arsch begutachtet. Hier gedreht, da gedreht. Bikini rausgeholt. Hm. Schon ganz gut so. Bisschen den Oberkörper verdrehen. Hm. Ist das ein Bauchmuskel? Vielleicht noch den Oberschenkel so anspannen, dann sieht man schon fast eine Linie.. es klingelt. An der Tür.

Ich, voller Panik, mache erstmal die Tür auf, bevor ich die Gegensprechanlage befrage: „Passwort?“
„May the fourth be with you!“ sagt Ella.
„Ja ja, ich kaufe auch keine Staubsauger von dir. Aber ich bin noch nicht angezogen.“
„WAAAAAS? Ich komm erstma hoch.“ sagt sie und ich höre kurz darauf Schritte auf der Treppe. Sie umarmt mich, ich komme mir im Bikini leicht bekloppt vor, aber läuft. Ist ja Ella.
„So, du willst also in Bademode in den Keller oder was?“ fragt sie, als sie ihr Bier in der Hand hat.
„Nee, ich hatte einen Gummimoment.“
„Aaaah.“ sagt Ella, wohlwissend um das Paradoxon, das vermutlich nicht nur abnehmende Menschen, sondern auch Frauen innerhalb ihres Zyklus kennen. Einen Moment findet man sich schon ziemlich geil, so all things considered – und einen Tag (oder auch nur eine Jeans oder einen H&M oder einen Augenblick) später, sieht man sich mit ganz anderen, deutlich kritischeren Augen.

Das heißt jetzt nicht unbedingt, dass man die ganze Zeit heulend vorm Spiegel steht und sich in ein Loch wünscht, aber es gibt Tage, da muss ich von mir selbst Fotos nebeneinander montieren, um den Fortschritt bewusst wahrzunehmen.

Ella quatscht mich letztendlich in die schwarze Hose vom vorletzten Sommer und ein verbotenes Leotop in Grau-Weiß und so richtigen 90er Schmuck, wie mit 14, Choker und so. Ich schäme mich ein bisschen, finde es aber auch ein bisschen cool.

Wir trinken noch ein Bier, dann gehen wir tanzen.


2 Kommentare

Die Wohnung

Die Wohnung

Little John und the Red Light

Nichtsahnend sitze ich Mittwochsmorgens beim Frühstück, als mich das militante Piepen meines neuen Nachrichtentones meinen Skyrmatsch fast katapultartig an die Küchentischlampe klatschen lässt. Mit zitternden Fingern probiere ich anschließend mindestens fünf Mal die Fingerabdruck-Entriegelung meines Phones, aber Skyr verändert halt den Fingerabdruck, so dass ich schließlich entnervt mit dem Ärmel interveniere. Endlich meines Telefones Herr – oder Frau, wie man das gerne so hätte – erreicht mich der erstickt geschriebene Schrei von Mia.

„No. Nonononono. No. Er ist es nicht.“

Ich schreibe zurück: „Haha, war die an mich? Von wem redest du?“

Sie tippt, dann erscheinen die Worte: „John. Ich rede von John. Du weißt schon, little John?“ auf dem Bildschirm. Mein linkes Augenlid beginnt bereits zu zucken. (1)

„Und von wannen ward euch solche Weisheit?“ frage ich nun, nur halb scherzhaft.(2)

„Ich war ja bei John zu Hause…“ schreibt sie und während ich noch zurück tippe, ruft sie an. „Und es war grau-en-haft!“ betont sie ausgedeht und ich höre noch den latent bestehenden Schockzustand. In mir spielen sich fantastische alternative Realitäten ab.

„Wie? Was? Unsauber? Hässliche Gardinen?“ frage ich.

„NEIN, schlimmer!“ keucht sie und ich glaube, ein unterdrücktes Würgen wahrzunehmen.

„Keine Leichen?!“ murmele ich.

„Nein, jetzt sei nicht krass.“, sagt sie.

„Ich bin nicht krass.“ sage ich.

„Doch, eigentlich immer.“ sagt sie und ich verliere die Geduld: „Jetzt red‘ schon! Warum hat little John keine Dreimonatsfrist verdient?“

Mia setzt mit einem tiefen Luftholen zu einem längeren Exkurs an: „Also, als ich reinkam, da war ich schon irritiert. Du kennst doch so Dates, da ist erst alles toll, aber dann passiert so irgendwas und auf einmal fallen deine Eierstöcke in Schockstarre und es ist irreparabel vorbei?“

„Du meinst so wie mit Daniel, dem Nashornmann? Oder dem Typen, der dir ins Waschbecken gekotzt hat?“ Sie grunzt zustimmend: „Nja.“

„Mmmh.“ Ich denke an Monas Dr. Eisenpimmes.

„Ja, so war’s mit John’s Wohnung.“ Und dann erläutert sie das Ausmaß der Misere. Nicht nur John war eher klein, auch seine Wohnung konnte das Label „Zweizimmerwohnung“ nur mit Liebe aufrecht erhalten. Das an sich ist ja kein Problem, Platzbedarf ist ja subjektiv. Mia wohnt allerdings auf großem Fuß. Wo bereits an der Tür das Two and a Half Men Poster prangte (was bei Mia eigentlich mehr Ein- als Ausdruck gemacht hat, immerhin war das eines ihrer gemeinsamen Themen) waren zwei Drittel der Butze nur spartanisch eingerichtet  und grundsätzlich auf so etwas wie ein ansatzweise stimmiges Gesamtkonzept zugunsten der neuverteilten Jugendzimmermöblierung verzichtet worden.

„Naja, Geschmack..“ setze ich an.

„Jaja,“ unterbricht sie mich: „Das war alles noch ok. Klar, die Wand hatte große Flecken wo das alte Sofa gestanden hatte und der Teppich wellte sich, aber das wäre ja nicht sooo schlimm gewesen. Im Studium habe ich auch mal Ein Jahr so ähnlich gewohnt.“ Ich verzichte darauf, ihr zu sagen, dass der Mann definitiv das dreifache verdient von ihrem Bafögsatz und über 40 ist. Sie klingt so schon niedergeschlagen genug. John hatte sie echt begeistert. Ich fühle mit ihr.

Mia ist schon eher ein schöngeistiger Typ, der auf Blumen und sowas steht. Dass John nicht eine einzige lebende Pflanze besaß und mit den Worten „Die sterben bei mir eh nur“ auch seine Pflegeeigenschaften im Minusbereich ansiedelte, war da ein tragischer Seitenhieb. Richtig schlimm wurde es aber erst, als sich die Küche als eine minimal eingerichtete Kochnische herausstellte, die aussah, als habe jemand es noch nicht geschafft, den explodierten Topf Bolognese wieder einzusammeln oder einen Besteckkasten zu kaufen. Ich seufze mit einem Blick auf mein Skyr. Vielleicht hat sie ihn auch nur erschreckt?

„Aber das es war ja leider noch nicht! Das BAD!“ Mias Stimme überschlägt sich fast. „Da war Rolllaminat drin, das sich an dem 50er Jahre Fliesenspiegel hochgerollt hat. Und da drunter – oh du ahnst es nicht. Auf dem Boden eine dicke Schicht aus Staub und Barthaaren –  Ich habe immer gewartet, dass irgendwas „Mama?“ zu mir sagt.“

„Infam.“ sage ich mit Nachdruck und bin wirklich etwas angewidert.

„Ach hör auf!“ motzt sie.

„War das alles?“ frage ich.

„Nein!“ schluchzt sie am anderen Ende weinerlich. „DAS SCHLAFZIMMER!“

Ich bin versucht, meinen Kopf auf die Tischplatte zu schlagen. „Oh bitte.“ stöhne ich. „Das SCHLAFZIMMER,“ beginnt sie bedeutungsschwanger „sah aus, wie eine Abstellkammer. Rechts neben dem Bett ein zerlegter Tisch und ausgelesene Zeitungen, oben auf dem Schrank Kartons über Kartons von seinen Hobbies und, anstatt eines Beistelltischchens das Angelmagazin der letzten 15 Jahre auf einem Stapel und mir gegenüber ein monströser Röhrenfernseher und ein riesiger TEDDYBÄR.“

„Oh Gott.“ – spätestens jetzt bin auch ich entsetzt. Kuscheltiere. Nichts tötet jegliche Libido so gründlich, wie flauschige Knopfaugen am Bett – sofern man erwachsen und halbwegs konventionell-sexuell gepolt ist.

„Und du hast trotzdem bei ihm übernachtet?“ bringe ich raus.

„Ja.. ich wusste nicht, ob ich nicht überreagiere.“ gibt sie kleinlaut zu Protokoll.

„Mmmh.. naja. Hast du ihm schon mitgeteilt, dass sein nicht vorhandener Nesttrieb dich so gründlich abgeschreckt hat?“

Sie verneint, gelobt Besserung und nach kurzem Themawechsel sitze ich wieder allein mit meinem Skyr am Tisch. Ich betrachte den riesigen Skyrfleck auf der Tischplatte und frage mich zum wiederholten Male, was bei Menschen schief läuft, die keinen eigenen Nesttrieb entwickeln, egal wie lange sie allein sind und wie sie wohnen. Angeblich sollen Männer da ja grundsätzlich weniger empfindlich sein, aber ich kenne reichlich Gegenbeispiele, wo die Kerle definitiv ordentlicher und geputzter sind als die Mädels und beide Geschlechter völlig gleichberechtigt zu Klimbim und durchgestyltem Wohnen neigen.

Ich nippe an meinem lauwarmen Kaffee. Vielleicht ist es doch eine Frage der Persönlichkeit.

In diesem Moment klingelt das Telefon noch einmal.

„Ja?“

„Und weißt du was das schlimmste war?“ Ich zucke die Schultern, irritiert, und versuche, mich nicht an meinem Kaffee zu verschlucken.

„Er hatte zwar Flecken an den Wänden, Risse im Teppich und eine völlig verpekte Küche, aber seine Beleuchtung konnte er über seine Apple Watch und Smart Home steuern. Und rate, welche Glühbirnenfarbe er im Schlafzimmer in seine Tiffanylampe eingesetzt hatte.“

„Nicht im Ernst.“ Mir schwant Böses.

„ROSA.“

„Boah Mia.“

„Ja, oder?“

Das Telefonat endet mit einer stillen Schweigeminute für John; John, der eine Frau finden muss, die so unfassbar begeistert von seiner stimmgesteuerten rosa Schlafzimmerbeleuchtung ist, dass sie sogar die mit ihr kommunizierende Baddreckschicht adoptieren möchte.


(1) [Als wichtige HIntergrundinfo sollte man vielleicht erwähnen, dass Mia, ihres Zeichens wirklich smart und wenn auch eher unkonventionell so dennoch recht hübsch, ein fast so mieses Talent zur Männerfindung hat, wie ich. Wir beide schaffen es immer,  die besonderen Pflänzchen in einem Raum von  Normalos zu orten. Man sollte uns beim Geheimdienst beschäftigen. „Sagen Sie schon, wer kann’s nicht gewesen sein?!“ Dieses Mal hatte sie sich John angenommen. John, von mir liebevoll „Little John“ getauft, da der gute Mann der nur leicht überdurchschnittlich großen Mia bis etwa zur Nasenspitze reichte. Er war lieb, keine Frage, intelligent, sehr witzig, zugewandt und auch ein bis dato guter Konversionalist – sofern meiner einer das überhaupt beurteilen konnte – gewesen. Aber halt für mich als Riesin schon eher niedlich und irgendwie latent ein bisschen seltsam. Fand ich. Mia fand ihn total zucker und hatte ihn nach dem zweiten Treffen mit nach Hause genommen. Das zweite Treffen bei ihr hatte trotz großer Begeisterung bereits leichte Zweifel ob ihrer Kompatibilität aufgeworfen, aber auch das wurde erstmal zugunsten näherem Kennenlernen ignoriert. Irgendwie schwammen die beiden auch von außen betrachtet zunächst sehr auf einer Welle.]

(2) [Genau wie ich tendiert nämlich auch Mia dazu, an einen „Partner in Crime“, einen „Typen zum Pferde und andere Tiere stehlen“ und den „Typen aus meiner Vision letztens“ zu glauben. Anders als ich denkt sie aber, er könne auch in little John verborgen liegen. Ich bin mir sicher, dass sie damit größere Erfolgschancen hat als ich latent oberflächliches Wesen. Sie ist auch davon überzeugt, dass sie jedem, den sie auch nur ansatzweise geil findet, eine ausgedehnte Chance geben sollte, also Monatelang. Und so überraschte mich diese Nachricht, nach nur drei Wochen und dem gerade mal dritten Treffen schon ziemlich.]


10 Kommentare

„Das Vorher“ und „Das Nachher“

Die meisten Vorher-Nachher Bilder zeigen „vorher“ das Maximum der Unvorteilhaftigkeit. Da steht dann eine in hautengen Kleidern oder  verkniffen-unglücklich in weißer Feinripp-Fettsack-Uniform gehüllte Gestalt vor einer weißen Wand, um die Unglückssituation nachhaltig zu betonen und die fleckige Gesichtsfarbe der Wandfarbe noch etwas mehr anzugleichen.

Im Kontrast dazu sieht man oft auf dem „Nachher“ eine breit grinsende Haselnussvisage, die in den neuesten trendy bunten Klamotten perfekt coiffeurt eine scharfe Pose hinwirft. Mein lieblings Hassobjekt in dieser HInsicht sind übrigens die Vorher-Nachhers von WeightWatchers und Bodydingsbums von Detlef D. Soisses. 

Der Denkfehler passiert nur da, wo sie ungefähr in JEDER Situation besser ausgesehen hätten, als vorher! Sogar im PASSBILDAUTOMATEN, denn der ist wenigstens richtig AUSGELEUCHTET.

Diese perfide Manipulation unbegeistert mich.

1. Scheint es keine guten Fotografen zu geben, die Moppelmenschen anständig fotografieren können. Und das halte ich für ein hartes Gerücht.

2. Macht es allen Moppelmenschen erstmal den Tag madig, weil sie stellvertretend lediglich als hässliches und ungeliebtes „vorher“ ungepflegt inszeniert sind. Nur „nachher“ ist die Fashioninszenierung wert. Bah.

3. Ist das ein billiger Trick, der meine Intelligenz beleidigt und mich persönlich keinesfalls motiviert hat!

Denn merke: In jedem dicken Mensch steckt ein dünner Mensch und zu viele Kalorien, insofern sind beide de facto DIESELBE PERSON und sollten mit demselben Maß an Respekt und Anerkennung behandelt werden.

Anyway, in diesem Sinne habe ich ein Vorher-Shooting mit einem befreundeten Fotografen gemacht, der mich zu Hause besuchte als ich noch mehr rummoppelte und mich auf meiner heimischen Küchencouch umgeben von Glitzerkissen fotografiert. Im Metalshirt, das mir leider etwa zwei Größen zu klein war. Von wegen der Vergleichbarkeit, im Oktober (am Ziel laut Konsequenzkalender) soll das nachher-Shooting also genauso ablaufen.

Da ich euch aber letzteWoche schon Vorher-Nachher versprochen habe und mein Versprechen halten will, kommt jetzt mein Vorher-Mittendrin-Ich-Hab-denselben-ollen-Pulli-an-guckt-mal-ob-ihr-was-erkennt-aber-ich-zieh-mich-nicht-aus-im-Internet – Foto.

Daten: Vorher (31.12.2016): 32 Jahre, 183cm groß, 103 kg, weiblich, zynisch.

VorhernnachherPulli.jpg

„Hinterher“ – was eigentlich „Mittendrin“ heißen müsste oder „nach dem ersten Drittel“ (03.04.2017).: 32 Jahre, 183cm groß, 89 kg, weiblich, sehr zynisch durch Wegfall der Schokoladenmediation.

Frappierendste Unterschiede im direkten Vergleich: 

  • Wegfall der geilsten Mädchenwinterschuhe wo gibt aufgrund akuter Sommerlichkeit.
  • Verbesserung des Fotografierungsvermögens, d.h. das Bild ist nachher wenigstens auch scharf.
  • Das Krafttraining hat dazu geführt, dass ich mein Handy mit nur einer Hand halten kann.
  • Ich schaffe es nicht, zweimal denselben Winkel einzunehmen.
  • Ich habe aufgeräumt und den Spiegel geputzt.

Und ich schwöre, das ist derselbe Pulli in derselben Größe! Ich bin nicht geschrumpft!

 


6 Kommentare

Die Sache mit den Proteinen

Nachdem der Seppo in seinem letzten Seppofitlog über seine Ode an den Magerquark mal Proteine zum Thema gemacht hat, habe ich mir die Frage gestellt, ob bei 4-5 Mal Functional Fitness Training und 2-3 Mal Laufen die Woche vielleicht auch eine etwas höhere Proteinzufuhr nützlich sein könnte.

In Anbetracht der  Tatsache, dass ich noch lebe, sehe ich meinen Körper durchaus als ein Wunderwerk der modernen Stoffwechseltechnik und habe mir tatsächlich, obwohl ich es sonst nie getan hätte, Proteinpulver gekauft. Warum? Weil ich auch noch was anderes als Harzer, Hähnchen und Magerquark essen und trotzdem weder über 1000 Kalorien essen noch Muskelmasse ab- sondern aufbauen will. Also rühre ich mir jetzt allmorgendlich mein liebevoll „Work Protein Breakfast“ an (Englisch klingt so viel fitter), bestehend aus 2 EL Haferflocken, 100g Himbeeren, 340 g Skyr, 3 EL Proteinpulver neutral (man kann sicher auch Vanille nehmen, aber das hat mir zu viel Zucker) und einer Prise Vanille aus der Vanillemühle. Das rettet mich tatsächlich bis mittags über den Tag – Lo and behold!

Nach einem Prä-Workout Snack bestehend aus einer Banane und drei Teelöffeln Erdnussbutter habe ich heute sogar meine letztjährige Durchschnittsbestzeit auf 5 km geknackt. Hell yeah. Womöglich mache ich doch beim Hannover Marathon 10K mit – immerhin sind jetzt 10 Kilo gewichen und bis dahin dürfte ich die magische 8 vorne haben. Bei einer Größe von über 1,80m ist das schon nah an OK.

Diese besondere Ernährungskultur hat allerdings auch Kritiker, die vor allem mit Unverständnis und kaltblütiger Provokation konfrontieren, wie ich heute feststellen musste.

 

Es ist 18.17 Uhr an einem Mittwoch und schellt. An meiner Tür.

Das an sich ist weder verwunderlich noch besorgniserregend. Und da ich gerade mal wieder den Speckninja mache und mit meiner persönlichen Hassübung durch die Wohnung „lunge“ wie ein Idiot, stellt sich die folgenschwere Frage: Öffnen, oder nicht öffnen?

Vor meinem inneren Auge entspinnen sich zwei Szenarien, eine der großen Disziplin, in der ich die Tür nicht öffne, nicht den armen, verirrten Jan kennenlerne ohne Akku, der bei mir nur mal kurz telefonieren wollte, nicht mit ihm durchbrenne und mit einer Finca in Portugal und viereinhalb Kindern lebe – und stattdessen aufgrund meiner mangelnden sozialen Verbindungen einsam und allein in meiner Wohnung verende – zwar in top Shape, aber das sieht man nach drei Wochen Verwesung leider auch nicht mehr.

Szenario zwei reißt mein Gehirn noch kurz an, aber dann bin ich so entsetzt von der Verwesungs-Szene, dass ich lieber doch zur Tür „lunge“ und sie schwungvoll mit der Bewegung öffne.

Draußen steht nicht Jan, sondern meine Nachbarin/Mitbewohnerin und starrt mich ob meiner, zugegeben etwas seltsamen, Haltung an.

„Hallo.“ sage ich.

„Hallo,“ sagt sie, „Hast du noch Brot? Ich hab mich den ganzen Tag auf mein Abendbrot gefreut, jetzt ist mir aber das Haferbrot verschimmelt und da dachte ich -“ Sie bricht ab hinsichtlich meines Gesichtsausdruckes.

„Ich hab‘ kein Brot, sorry.“ sage ich.

„Kein Brot.“ sagt sie.

„Kein Brot.“ bestätige ich.

„Kein Brot mehr?“ fragt sie und zieht das „mehr“ in die Länge, was mir leider nicht hilft, die Frage besser zu verstehen.

„Nein, kein Brot.“ sage ich deswegen noch einmal.

„Überhaupt kein Brot, also nicht gerade leer geworden, sondern gar keins?“ hakt sie nach.

„Nein.“ sage ich.

„Auch keinen Toast?“  Ich fühle mich ein bisschen wie ein Vegetarier im ruralen Russland („Kein Fleisch?“ „Nein.“ „Auch keine Wurst?“ „Nein.“).

„Ja. Ich esse kein Brot. Also. Momentan nicht.“ erkläre ich geduldsam und begebe mich dann doch endlich aus meiner Ausfallschritthaltung, da dies ja augenscheinlich eine längere Brotdiskussion wird.

„Aha. Hat das mit diesem 1000 Kalorien-Fitness-Kram zu tun, den du fährst?“ fragt sie, vermutlich nur etwas gereizt, da meine Fitnesspläne ihre Abendbrotpläne direkt durchkreuzt haben.

„Ja.“ sage ich. Stille herrscht im Treppenhaus. Ich fühle mich fast genötigt zu erklären, aber dann setzt sie nach: „Warum isst du kein Brot?“

„Weil ich nur 1000 Kalorien habe am Tag und Brot mir zu unsympathisch, quasi direkt zu labberig, zu profillos, zu wenig ausdrucksstark ist, um ein Drittel meiner Tageskalorien darin zu investieren, es am Gaumen kleben zu haben.“

Sie kennt mich, deswegen schmunzelt sie nur. „Und was isst du stattdessen?“

„Quark.“ sage ich und beobachte voller Bewunderung, wie erst eine und dann die andere Augenbraue deutlich an Höhe gewinnt.

„Also, als ob Quark jetzt so viel leckerer wäre.“ sagt sie schließlich. „Und ein guter Ersatz ist das auch nicht.“

„Besteht aber zu 30% aus Proteinen und ist deswegen gut für den Muskelaufbau.“ sage ich.

Sie winkt ab. „Jaaah. Aber er passt nicht zu meinem Parmaschinken. Dann noch schönes Training!“

 

Ich schließe die Tür hinter ihrem wehenden Pferdeschwanz und verfluche Brot und Parmaschinken und lunge zurück in mein Schlaf- und Fitnesszimmer. Scheiß Diät.

„Halt durch!“ ruft Charles aus der App.

„Halt die Fresse!“ sage ich und zeige ihm den Finger.

Auch, wenn er Recht hat.

 


 

 

 

 

 


2 Kommentare

Einfach nur dran glauben

Ich bin ja davon überzeugt, dass Klamotte alles ist.

Naja, nicht ALLES alles, aber schon ein bisschen alles. Egal, ob man sich nun abspalten, ver-oder enthipstern, ökologisieren, managerisieren, statuisieren oder demoralisieren möchte. Ihr wisst, was ich meine.

Auch die Fitnessindustrie hat sich dessen schon angenommen und wartet  mit immer spannenderen Klamotten so hoch auf, dass die letzten Magazin-Cover, die mir aus den Regalen entgegen kamen, auch immer öfter etwas von „Fitwear Trends“ verkündeten. Ich, milde lächelnd noch so: „Wer macht’n so einen Mist mit?“

Doch das Interesse bleibt und jetzt, wo ich auch mitmache bei diesem „Sport“ muss ich gestehen: Wenn ich daheim in Schnappatmung über meine Matte rolle, möchte ich auch lieber schnitty als shitty aussehen.

Anscheinend gibt es für Long Moppels wie mich allerdings die hässlichsten Prints in den absonderlichsten Längen mit den unmöglichsten Kombinationen (lies: durchsichtig mit glänzend. wtf? Wer trägt denn was Durchsichtiges, wenn er versucht, sich Speck wegzustrampeln?) und un-fucking-fassbare Turnschuhdesigns. Ich habe selten so hässliche Schuhe gesehen. Mal ehrlich. Rosa Sohle? Also bitte.

Was bleibt? Entweder a) Männerkleidung kaufen (YAY! ÄRMEL! aber: Booooh! Boobs!) oder b) „irgendwas Günstiges, was nicht oberkacke aussieht“.

Gut, letztendlich hat der Geiz gewonnen. Da ich mit meinem perfekten Startgewicht von 100 Kilo mal übermotiviert dachte: „Boah, Bodyweight Training ist eine total brillante Idee!“ und meine gefühlt bergversetzenden, meine Untermieter traumatisierenden 4-Count-Burpees in meinem heimischen Schlafzimmer exerziere, ist es auch eigentlich völlig schnurzpiepe, dass die nun erworbenen, pechschwarzen Leggins sich liebevoll an jede Delle schmiegen und das schwarze Top auch gut einen Zweitjob als Nylonstrumpf ausfüllen würde.

Nein, das alles spielt keine Rolle –  denn wenn ich meinen schwarzen Kapuzenpulli drüber ziehe, vollzieht sich eine wundersame Wandlung.

Ich werde von einer Grufti-Raupe Nimmersatt zu einem blitzschnellen, schattengleichen, das Trainingsprogramm voller Härte bezwingenden Speckninja.

Und da sag‘ noch mal einer, Klamotten wären beim Sport  unwichtig.

speckninja

By the way: 4,6/32 Kilo