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Persönliche Fettlogiken

Vor über einem Jahr habe ich an dieser Stelle schonmal schamlos Werbung für die Aufklärungsschrift „Fettlogik überwinden“ gemacht, deren rätselhafter Titel sich schnell folgendermaßen erklärt: Als Fettlogik wird eine Überzeugung bezeichnet, welche wirkungsvoll verhindert, dass der Überzeugte erfolgreich sein Körpergewicht kontrolliert.

Märchen wie „Wenn du unter deinem Grundumsatz isst, fällst du übermorgen tot um(1), kommst in den Hungerstoffwechsel und dein Körper gibt nichts mehr her(2) und dann machst du deinen Stoffwechsel kaputt und weil du so viele Diäten gemacht hast, ist er sowieso schon kaputt (3) und deswegen nimmst du nicht ab, obwohl du dich an 1000 kcal am Tag hältst (4).“ werden darin gründlich- und vor allem wissenschaftlich durch mehrere, von größtenteils verlässlichen Quellen zitierte Verweise- außer Kraft gesetzt. Und es bleibt die Erkenntnis: Ich bin zu dick, weil ich mehr Kalorien zu mir nehme, als ich verbrauche.

Bei den meisten führt das zu einer Art Wiederentdeckung der Selbstwirksamkeit. Auf einmal nehmen die Menschen nur noch 500 -1000 kcal zu sich, nehmen ab, merken es funktioniert und BÄM – endlich schlank. Auch ich habe dank des Buches 18 Kilo abgenommen und meine Leidenschaft fürs Laufen entdeckt.

Trotzdem, gerade am oberen Rand des Normalgewichtes (was nicht mein Ziel ist – hint hint) halten sich einige Fettlogiken immer noch unfassbar hartnäckig und schleichen sich auch zeitweilig wieder ein, so dass es sich für mich nun ergeben hat, dass ich el Bibel noch mal lesen wollte. Und was soll ich sagen: Es war wie ein Wiedererwachen. Wahrscheinlich habe ich das Buch jetzt besser durchgearbeitet mit Schnippies und Marker, als je eine Lektüre in der Uni.

Hier meine hartnäckigen vier:

  • (Fett-)Logik 1: Ich tue ja schon so viel, das ist schon sehr gut. Dass ich mich nicht besonders stringent an den Plan halte – irgendwann macht es schon wieder klick und DANN werde ich schlank.

Fakt ist: Dieses Leben ist 100% meine Verantwortung, es ist nur eines und es ist viel. zu. kurz. Niemand wird mich retten, nur ich kann das – egal worum es geht. Und wenn ich länger gesund leben und all das erleben möchte, von dem ich träume, dann ist jetzt nicht eine Sekunde zu früh.

  • Fettlogik 2: „Mein Körper kann heute keinen Sport machen, er muss essen.“ Lacht nicht, es gibt so Tage, da verkrieche ich mich vor der Verantwortung, meinen Hintern nach draußen zu bewegen und schaufele stattdessen unendlich Futter in mich hinein, um irgendein emotionales Loch zu stopfen.

Fakt ist: Die Motivation bekommt man nicht geschenkt. Es gibt Dinge, bei denen man nicht darauf warten kann, sonst tut man sie nie. Durch nur leichte Bewegung werden die chemischen Stoffe im Gehirn schon wieder ausbalanciert und welche emotionale Durststrecke auch immer da vorhanden sein mochte, flacht automatisch ab. Tipps zum Anfangen gibt es noch mal in einem anderen Blog.

  • Fettlogik 3: Wenn ich auf dem Geburtstag/dem Spieleabend/blablabla bin, dann schaffe ich es, mich an meine Kalorienbegrenzung zu halten.

Fakt ist: No fucking way. IMMER und ich meine IMMMER auf Feiern, kriege ich den Futterkasper weil es alles so lecker ist, oder ich den Fehler mache, irgendwas zuckerhaltiges zu essen und in ein Suchtverhalten zu fallen. Da helfen folgende Taktiken: 1- Es ist nicht egal. Es muss aufgeschrieben und weinend über mehrere Tage ausgegelichen werden. Wenn ich das weiß, esse ich sofort weniger. 2- Vorher möglichst kalorienarm speisen aka. Gemüsesuppe für alle und satt. 3- Alkoholkalorien und Nachtpommes einplanen. Sie werden passieren. Ich weiß es, jeder weiß es – also schon mal aufschreiben. 😉 Tipps zur Schadensbegrenzung und trotzdem Spaß haben auf der Feier gibt es auch noch mal separat.

  • Fettlogik 4: Das esse ich jetzt noch auf, weil ich das darf laut Budget, auch wenn ich (zur Abwechslung mal) merke, dass ich satt bin.

Fakt: So eine dumme, dumme Idee. Dadurch weitet sich der Magen, größere Mengen werden verlangt, bevor ich satt bin und am Ende landen wir bei den legendären 1500 Gramm Salaten, die in der Facebook FLÜ Gruppe immer geteilt werden, bei denen mir schon beim Anschauen schlecht wird. Eintuppern, wegpacken, ich weiß, dass ich kurz vorm Schlafengehen oft noch mal einen irrationalen Snackhunger verspüre und dann wäre es total schlau, den Rest der eingeplanten Portion zu snacken.. oder zumindest davon.

Dies gilt übrigens auch für Restaurants und wenn man nett danach fragt, ob man die Portion eingepackt bekommen kann, ist das in der Regel selten ein Problem. Meine BFF und ich haben darüber hinaus auch schon über Mitbring-Tupper nachgedacht, zur Erleichterung und ggf. Müllvermeidung. Schaut mal, was ihr draus macht. 😉

  • Fettlogik 5: Das muss jetzt gegessen werden, obwohl ich es nicht sonderlich möchte, beispielsweise Bambussprossen oder das Curry von vor-vorgestern, sonst wird es schlecht oder es muss weggeworfen werden.

Fakt: Wenn ich tatsächlich nur eine richtig nette Mahlzeit am Tag habe, wieso um Himmels Willen soll ich mir dann drei Wochen alte Bambussprossen reinlatten, die ich ohnehin eklig finde und nur gekauft habe, weil ich das vergessen hatte? Oder das trockene Brot, oder zum vierten Mal Curry oder, oder, oder.. Das ist, als würde man als Gutverdiener zu Primark gehen und dort unter schlimmsten Bedingungen hergestellte, minderwertige Kleidung aus Plastikfaser kaufen, die man auf der Haut kaum erträgt, weil man noch Geld übrig hat und sich Kleidung kaufen muss und „Die Sachen halt gekauft werden müssen und eh da sind.“

Immer, wenn ich etwas zu mir nehme, dass ich nicht brauche oder eigentlich nicht essen will, tue ich mir – streng genommen – Gewalt an. Niemand zwingt mich, aber ich zwinge mich und zwar nicht zu etwas Sinnvollem, wie Bewegung oder Geld zum Leben zu verdienen, sondern ich nutze meinen Körper im schlimmsten Fall als eine Art Mülleimer. Anstatt das Essen also im Müll zu entsorgen, entsorge ich es in mich? Das klingt irgendwie falsch.

Essen sollte, und das ist meine persönliche Überzeugung, nie mit Zwang, Pflicht oder Unwohlsein verbunden sein. Man sollte seinem Körper damit etwas zuführen, was er gebrauchen kann. Auch bewusster Verzicht ist kein Zwang, sondern eine Entscheidung. Nicht zu unterschätzen ist dabei die psychologische Ebene der Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit und -Pflege und der Effekt, den es hat, wenn man in jeder Situation wirklich bewusst das isst, was man auch wirklich gern essen möchte (Thema Buffet und Beilagen..)

Essen wegzuwerfen fällt mir auch unfassbar schwer. Die Lösung liegt also im ersten Schritt in der Müllvermeidung, d.h. weniger kaufen, mehr einfrieren, Einkaufsliste, haltbares Essen, kleinere Portionen kochen, aber hat das alles mal nicht geklappt, sind verschenken (Tipp: foodsharing) und wegwerfen völlig legitim und nur ein Bruchteil dessen, was Restaurants und Supermärkte täglich entsorgen (App-Tipp: Too Good to Go).

——

Ich werde diesen Katalog weiterführen und nehme gerne weitere Fettlogiken auf mit ihrer faktischen Umsetzung. 😉

Für mich die wichtigste Erkenntnis ist, dass ich immer noch mal wieder einen Reminder brauche, wie schädlich Übergewicht ist und dass jeder Tag, den ich meinen Körper in diesem Zustand belasse, meine Chancen früher mobiliäts- und lebensbedrohlich zu erkranken erhöht. Ich will das nicht. Meine Cellulite und die Hautschlappen sind mir schnurz, ich will einfach nur mit 80 noch alle Zehen haben und mir nicht ständig Insulin spritzen müssen, die Berge bewandern und nicht nur Butterfahrten machen und mit meinen Enkeln (haha, wer meinen Track Record bei den Herren kennt… XD) spielen und zwar nicht nur MauMau (die Gehirntätigkeit wird übrigens durch schweres Übergewicht auch eingeschränkt – just saying!), sondern auch Fußball. Mit dem neuen Knie mitte 50 habe ich schon meinen Frieden gemacht, aber auch das hält länger, wenn ich Idealgewicht habe.

 

 

 

 

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Exparade

Did you ever look at a picture of your ex and asked yourself: WAS I DRUNK THE ENTIRE RELATIONSHIP?!

Wenn ja, bekommst du jetzt die Medaille der Weiterentwicklung und schonungslosen Selbstkritik, denn nur ein Mensch, der dazu in der Lage ist, seine eigene Bräsigkeit im Hormontaumel zu bemerken, ist wirklich weise.

Natürlich ist man irgendwann dazu bereit, seine Exfreunde als „auf ihre Art und Weise bestimmt ganz tolle Menschen“ anzuerkennen, die „einfach nicht gepasst haben“, schließlich schützt man sich so vor der Erkenntnis, dass man einen beschissenen Geschmack und die beste Freundin einfach immer recht hatte.

New Agists würden jetzt argumentieren, dass jede Beziehung für etwas gut ist und sei es nur die Fähigkeit, Holzfußböden zu ölen oder ein gutes Rezept für Käse-Sahne-Sauce, aber ich halte das nur teilweise für richtig. Ich denke, es gibt Beziehungen, die hätte man sich auch ganz klar schenken können.

Exhibit A: „Mami?“

Der Homo Minifilius, oft Musiker oder (Lebens-) Künstler, der in der deutlich älteren Freundin nicht nur eine spannende, einem selbstempfundenen Reifegrad entsprechende (intellektuelle) Stimulation, sondern auch eine Anleiterin in Lebensfragen sieht, die ihm gut zuspricht, ihm hilft, Entscheidungen hinsichtlich seiner eher zick-zack-förmigen Ausbildungslaufbahn zu treffen, ihn bei sich einziehen lässt und somit die überfällige Abnabelung von den Eltern ermöglicht und ihn finanziell geringfügig (ganz) unterstützt.

Sieht aus wie gleichaltrig und benimmt sich wie 50, ist aber so verantwortungsbewusst und stringent wie ein 12jähriger. Bricht auch zusammen wie ein 12jähriger, wenn alle Beziehungsdiskussionen nicht helfen und Frau irgendwann den Kaffee auf hat. Findet, wenn er Glück hat, irgendwann Frau im „Muttimodus“, die gern einen Hausfreund hat und der es nichts ausmacht, finanziell für alles allein verantwortlich zu sein.

Exhibit B: „Ich stehe total auf starke Frauen“

Der Homo Egohomilis, der mit dieser Aussage eigentlich nur grundsätzlich schon mal anmerken möchte, dass er definitiv nicht die Schulter zum Ausweinen sein wird und es auch nicht in seiner Verantwortung sieht, irgendwelche Glühbirnen anzubringen oder Schränke zusammenzubauen.

Ist beleidigt und überfordert, wenn Frau echte Nähe oder Kooperation möchte und agiert grundsätzlich kompromisslos. Neigt zu vereinzelten, völlig übertriebenen Liebesbeweisen, wenn er merkt, dass Frau sich zurückzieht. Endet irgendwann in einer Beziehung mit einer völlig abhängigen Person, weil nur die es stoisch erträgt, wenn er sie größtenteils wie nervige Luft behandelt.

Exhibit C: „Ich will eigentlich im Moment keine Beziehung.“

Der Homo Commitophobicus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den schmalen Grat zwischen „irgendwie noch Casual“ und „Beziehung“ auszuloten und bei möglichst vielen verschiedenen Frauen auszuprobieren, was noch als unverbindlich durchgeht. Tut völlig überrascht und geradezu entrüstet, wenn tägliches Melden, durchdachte, persönliche Geburtstagsgeschenke oder das Treffen der Familie als Indikatoren interpretiert werden, dass das „EIGENTLICH im Moment“ in obigem Satz sich langsam aufzulösen scheint.

Hat keine Empathie und ist de facto eine feige Sau, weil er so tut, als wäre ihm nicht klar, dass er die Gegenpartei emotional an sich bindet, klärt aber die Fronten nur auf Nachfrage und ist vor allem anderen erstmal ein Forscher im Weinberg des bequemen Herumhurens. Bleibt entweder ewiger Teilzeitsingle oder treibt Freundin in den Wahnsinn mit seinem endlosen Hot-Cold-Hot-Cold-Getue.


Mir ist durchaus klar, dass ich ohne diese Männer in meinem Leben nicht so viel gelernt hätte über mich, über andere, über Psychosen, über meine Vorstellung von Liebe, Beziehung und Freundschaft. Und klar habe ich daher auch a) Kontakte in die Mittelalterszene und jede Menge Gossip, B) Geschichtswissen, Garten- und Katzenpflegetips sowie Renovierungsskills und Psychomanagement und C) IT Infos, ein paar Gadgets, gute Musik und den einen oder anderen kreativen Input gewonnen. Trotzdem waren manche dieser Zeiten so ab von allem, was sich sinnvoll schimpft, dass noch heute manche Namen bei meiner besten Freundin nur diesen besonderen Gesichtsausdruck auslösen, der etwas an ein verstopftes Eichhörnchen erinnert.

Kleine Memo an alle Routine-Klogriffler an euch: Wenn ihr die Story irgendwem erzählt und sie hört sich schon scheiße an, dann ist sie auch scheiße, denn Hormone sind kleine, geile Bitches, die sich mega einen ablachen, wenn ihr den Typen später wiederseht und feststellt: „Der Lauch ist höchstens eine zwei- war ich bei Bewusstsein?!“

Trotzdem wie Alanis sagen würde: Thank you DrummerBoi, thank you Catman, thank you thank you Star Waaaaaaars…

Gerade befinde ich mich in einer Phase verstärkter Reflexion über diese Kracher, ich arbeite noch an einer Form, die den Francis-Chroniken gerecht wäre.

So long!


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Die Stadt

Lichter, dunkel, Lichter, Bratwurstgeruch, fremde Pelzkapuze im Gesicht,

Schmalzkuchenduft, Weihnachtsmusik, Mistletoe – will ich aber nicht.

Will ich nicht, nicht ohne dich.

Scheiß Romantik, scheiß Lieder, scheiß Glitzer, scheiß Stadt.

Was soll die Stadt, wenn sie nur mich hat.

Und nicht dich.

 

Regen, grau, Gebäude, Gerenne, niemand hier den ich kenne.

Alle sind weg, außer mir, ich bin hier,

alleine im feuchtwarmen Straßenbahnwagen

seh wie sich Leute gar nie nichts zu sagen haben.

Und denke, was ich dir gesagt hätte, wenn –

doch nur die Stadt ist hier, denn.

 

Immer noch nass, aber kalt und sehr dunkel,

die Luft riecht nach Schwefel und der Himmel ist bunt,

alles knallt und ich trinke und auch wenn’s schon was her ist

bin ich immer noch wütend und wund.

Besoffen und wütend ist viel besser als traurig,

aber so richtig gut macht die Stadt das jetzt auch nicht.

 

Und ich weine und schimpfe und schleich vor mich hin

weil ich immer noch nicht drüber weggekommen bin

und die Tage sind lange und langweilig hier

und ich bin maulig mit der Stadt und mit mir.

 

Es ist dunkel und eisig und die Sterne sind da

der Morgen ist früh und mir war nicht ganz klar

als ich gestern allein in der Stadt Zeichnen ging,

das sowas auch endet mit Roots und mit Gin.

Mit neuen und den besten Freunden

mit Liebesgeschichten und Biografien

und jetzt gehe ich nach Hause, viertel nach vier, singe Roots

und die Stadt, ja die Stadt

gehört mir.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Du bist nur am Essen! 

Ich, nichtsahnend an meinem Baumstriezel kauend, latsche nach der standesamtlichen Trauung meiner Freunde mit ihnen – wie gewünscht – über den örtlichen Mittelaltermarkt, da quakt mich von links ein Mitglied unserer Truppe an: „Ey, du bist auch nur am Essen!“

Mir gefriert der Bissen im Mund und vor meinem inneren Auge spielt sich ein hammerharter Flashback ab. Ich, 17, auf der Hochzeit von Verwandten, schiebe mir verstohlen das dritte Sahnestück Hochzeitstorte zwischen die Kiemen und hoffe, dass mich niemand dabei beobachtet. Denn Essen, ja, Essen. Essen ist einerseits auf Hochzeiten „erlaubt“, andererseits ja aber grundsätzlich „schwierig“; schließlich habe ich quasi kein Sättigungsgefühl und aus der heutigen Perspektive auch definitiv keine Ahnung, was sich da so summiert. Die Waage hat nicht umsonst kürzlich die dreistellige Marke durchbrochen. Also sitze ich hier, zwischen meinen Verwandten und während meine Oma mich sinnend anschaut und meine Großtante latent missbilligend (mit Recht) und ich auf meinem Stück Kuchen kaue, werde ich immer trauriger und die ganze Situation immer schlimmer, bis der Kuchen in meinem Hals wie Asche klumpt und ich das Gefühl habe, dringend raus und weinen zu wollen. „Du bist auch nur am Essen.“ kommt schließlich von meiner Cousine und sie fügt an: „Tanz‘ doch mal!“

Anders, als sie es gemeint hat, beziehe ich das natürlich maximal auf meinen dicken Hintern und meine Speckhamsterbacken und natürlich gehe ich nicht tanzen, denn meine Oberschenkel fühlen sich seit dieser Sekunde an, wie Schinken und alles, was ich noch schaffe, ist zur Toilette zu schlurfen und mich dort erstmal heulend eine halbe Stunde einzuschließen. Geile Hochzeit. Alle saufen und knutschen rum und ich sitze heulend auf dem Klo. Bravo, Francis.

 

Flash Forward:

Ich, 32, kaue weiter auf meinem Striezel und lache Rosa aus: „Ja!“ Klar esse ich die ganze Zeit, wenn sie mich sieht.  Wann denn sonst? Alleine in meinem Hotelzimmer oder was? Ich biete ihr ein Stück Striezel an. Sie lehnt dankend ab. Bleibt mehr für mich. Was Rosa nicht weiß: Ich hatte keine Zeit zu frühstücken, auf der Fahrt im Auto eine Banane und einen Apfel und mittags so Knast, dass ich dachte, ich falle über die Standesbeamtin. Als dann alle anderen sich nach der Trauung die fetten Blechkuchen reinhauten, hatte ich so Kohldampf, dass ein ganzes Blech Zucker nicht gereicht hätte und bestellte daher eine Ofenkartoffel mit Quark und Gemüse, die ich genüsslich zu zwei Dritteln verschlang. Rosa beobachtete mich dabei in der Tat. Klar sieht das mehr aus, ist es aber nicht. Und sechs Stunden später, nachdem ich im Hotel erstmal zwei Liter Wasser nachgefüllt und meine Dehydrations-Kopfschmerzen weggenickert hatte, war noch Zeit für Woche 15.2 vom Bodyweight Training (Scheiß Muskelkaterpausen) uuund wir sind gestern geschlagene 13 000 Schritte gelatscht. Da ist nicht nur Sau im Brötchen und ein Bier, sondern auch noch ein Striezel und ein Kaffee drin.

Und mir wird klar: Ich bin endlich ein glücklicher Mensch, Essen ist nur noch Spaß!

Und noch etwas wird mir klar: Die vielen dünnen Menschen, die ich jahrelang beneidete dafür, dass sie am Buffet das Tablett ultravoll hatten und trotzdem aussahen wie ein Strich in der Landschaft – die haben nämlich meist einiges, das ich von Natur aus erstmal nicht habe. Erstens: Ein angeborenes Sättigungsgefühl. Zweites: Keine Panik, dieses Essen zu „verpassen“. Drittens: Normalerweise im Alltag ein normales Essverhalten, so dass sich selbst solche Tage nicht maßgeblich niederschlagen.

Und tadaa – hab‘ ich jetzt auch. Der Moment, an dem ich feststelle, dass ich als schlank wahrgenommen werde und Menschen irritiert sind ob der „Mengen“, die ich esse.. das feiere ich heute ganz besonders.

KONFETTI!

 


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Gut gemeint

Junggesellinnenabschiede sind immer ein bisschen wie die Hochzeit selbst in klein: Viele Menschen sehr unterschiedlicher Verbindung, Lebensphase und Grundeinstellung finden sich zusammen, um einer Person (oder einem Paar) eine Freude zu bereiten. Das muss nicht immer zwangsläufig für alle Personen eine Freude sein.

Wir, im Auto, auf der Fahrt nach Grevenbroich(1). Wir, das sind Elena (39), Rita (41), Rosa (25) und Francis, auch genannt Kueken (32), die ihren geliebten Kleinwagen chauffiert. Ich habe in der Gruppe den besonderen Status als S I N G L E. Das ist so ansteckend und gruselig, dass man am besten gar nicht darüber spricht, sich aber auf jeden Fall darüber erhebt, indem man bei jeder Gelegenheit betont, wie sehr man über Beziehungen Bescheid weiß oder mitleidig fragt: „Immer noch nichts?“(2). Andererseits sind die Damen ja auch neugierig und wollen immer die neuesten Drama Geschichten von mir und meinen Freunden hören. Ich also die Story von Mia und der Wohnung erzählt und hinterher auch gleich bereut.

„WAAAAS?“ platzt es aus Elena: „Also eeeeecht, ich wäre sofort rückwärts wieder rausgegangen und hätte ihm gesagt, dass er ja wohl eine Meise hat, sich einzubilden, dass sie bei ihm übernachtet, wenn sein Wohnloch so aussieht.“

„Hm.“ ist mein Kommentar.

„Naja,“ wirft Rita ein: „Wenn du denjenigen echt magst und er dich vorher besucht hat und so? Dann gehst du doch nicht sofort wieder und machst ihn fertig.“

Ich nicke empathisch.

„Naja, wenn sie es ihm gesagt hat, dann könnte er ja was dagegen tun, wenn sie ihn so gerne mag.“ wirft Elena nachdrücklich ein.

„Wie meinst du das?“ frage ich.

„Naja, er könnte sich ja einen Innenarchitekten nehmen und eine neue Wohnung anmieten und -“  Mein Gehirn macht kurzfristig einen Ausflug ins LalaLand. Als ich wieder zuschalte, schaut Elena mich erwartungsvoll an.

„Hm.“ sage ich wieder.

„Und bei dir?“ fragt sie dann und ich denke Alte, wenn du wieder mit deinem Lieblingsspruch kommst, halte ich an und – „Immer noch nichts?“

Ich widerstehe heldenhaft meinem ersten zuckenden Impuls, meinen Fuß volle Breitseite ins Bodenblech unter dem Bremspedal einzuprägen und Elena mit Anlauf aus der Beifahrertür zu treten.

Stattdessen atme ich tief ein und zähle von fünf auf minus fünfzehn rückwärts. Dann sage ich: „Nein.“

Rosa, mit der ich beim Losfahren kurz über Männer gescherzt und ihr meine Traumgestalt Evan, den 1,90m großen kanadischen Chris Hemsworth Lookalike vorgestellt hatte, piepst vom Rücksitz: „Franci muss erstmal Evan begegnen.“ Und grinst in schweigendem Verständnis für meine unliebsame Situation. Ich grinse auch, weil ich es lustig finde. Ich bin ja kein Idiot.

„Wer ist denn Evan?“ fragt Elena und ich muss es ihr erklären.

„Na, du bist aber anspruchsvoll.“ sagt sie hinterher. Ich denke an ihren Mann Paul; etwa einen halben Kopf kleiner als sie und Mister Bean nicht ganz unähnlich und habe wieder große Lust, ins Lenkrad zu beißen. Sie holt tief Luft: „Also wenn du dich schon so einschränkst, dann findest du ja überhaupt keinen, also größer als DU mit über einsachtzig, das ist ja..“

Ich gucke stur geradeaus mit einer Spock-Augenbraue und sage: „Ist ja nicht so, dass Rosa und Rita Männer hätten, die unter einsneunzig sind.“

„Jaaaaah, aber die sind ja schon vergeben.“  Ich rolle die Augen. Ja, als ob ich die gerne geschenkt hätte. Der eine ein unverbesserlicher Chauvi, der seiner Freundin alleine Party machen verbietet, der andere ein Klugscheißer, der mir erzählt, wie ich Joggen muss. Ich erinnere noch mal an meine Teilnahme am HAJ 10K die letzten beiden Jahre.

„Und du musst dich von deinem Beuteschema lösen.“ fährt Elena unbeirrt und sehr laut fort, „Wenn du dich darauf zu sehr versteifst, dann findest du keinen, hier passt doch keiner ins Beuteschema, hier hat doch keiner sein Beuteschema.. Rita, hast du dein Beuteschema geheiratet?!“

Rita vom Rücksitz: „Neeein. Gar nicht. Und es gibt viele Männer, die gerne größere Frauen haben!“

Und ich, ich halte diese unsägliche Schwachsinnsschwafelei nicht mehr aus und platze: „Euer Ernst? Haltet ihr mich für minderbemittelt, dass ich mit meiner Evan Schablone durch die Clubs renne und keinen nehme, der nicht so heißt? Und das ist ja gut möglich, dass viele kleine Männer das wollen. ICH will keinen kleinen Mann!“ Alle starren. In einer außerkörperlichen Erfahrung nehme ich wahr, wie mein Mund einfach weiterredet:  „Was ist denn so schwer daran zu verstehen, dass ich auch gerne einen großartigen, großen Mann hätte. Ich bin groß, meine Exfreunde waren alle kleiner, das hat mich immer genervt und ich möchte einfach gerne meiner biologischen Bestimmung folgen und einen großen, starken, lieben, gesunden, intelligenten Mann an meiner Seite, ist das so schwer nachzuvollziehen? Ich will halt wen Passendes! Zu hohe Ansprüche? Was ist das für ein Bullshit? Wenn es mir jetzt großartig geht und ich sehr entspannt alles mache was ich will, wieso sollte ich dann für irgendeinen Fraggle, der mich nicht begeistert meinen sehr befriedigenden Status Quo aufgeben? Ich will doch auch geliebt werden und nicht mangels Alternativen geduldet! Wer macht sowas?“

Ich schaue flüchtig in den Rückspiegel. Schweigen füllt das Automobil.

Und ich denke: Oh. OH. Ah. Haha. Ja. FETTNAAAAAAPF. Das ist ja die Runde derer, die Mr. Bean geheiratet haben oder jedes Festival heulend verbringen, weil Mr. Ichdarfalles wieder irgendeine Tussi angesabbert und sich so besoffen hat, dass er ausfallend wurde und bei jedem Gespräch darauf beharren, dass ja alles ok ist. Und ich denke so bei mir, vielleicht war das auch nicht wirklich der Angriff auf dich und deine Ansprüche, sondern doch eher die Verteidigung des eigenen Status Quo. Das Bewusstsein, seine eigenen Prinzipien über Bord geworfen zu haben, weil da halt gerade jemand war oder es keine besseren Alternativen gab oder man nicht allein sein konnte.

Vielleicht bin ich auch beziehungsunfähig, aber vielleicht ist auch irgendwo da draußen Evan und versteht diesen Blog nicht, weil er Kanadier ist.

 

 

 

 


(1) Hamburg, Köln, Berlin, Budapest. Falls Evan the beautiful jemals auftauchen sollte auf meiner Schwelle und mich darüber tragen wollen sollte, dann bitte bitte bitte, wer auch immer mein Trauzeuge wird (evlt @lophornia? ;)) fahrt nicht mit mir an meinen Studienort um dort einen Tag lang zu picknicken. Ich will rivers of champagne oder at least Kultur.

(2) Liebe besorgte Freunde, gewöhnt euch diesen Spruch ab. Wenn es was gibt, werdet ihr es erfahren. Und wenn ihr fragt, dann gebt euren Freunden nicht unterschwellig das Gefühl, sie wären bemitleidenswerte Geschöpfe, die in Gottes Schöpfung als einzige keinen passenden Gegenpart finden können. Denn wir könnten, aber wir wollen nicht irgendwen.


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Die Sache mit den Proteinen

Nachdem der Seppo in seinem letzten Seppofitlog über seine Ode an den Magerquark mal Proteine zum Thema gemacht hat, habe ich mir die Frage gestellt, ob bei 4-5 Mal Functional Fitness Training und 2-3 Mal Laufen die Woche vielleicht auch eine etwas höhere Proteinzufuhr nützlich sein könnte.

In Anbetracht der  Tatsache, dass ich noch lebe, sehe ich meinen Körper durchaus als ein Wunderwerk der modernen Stoffwechseltechnik und habe mir tatsächlich, obwohl ich es sonst nie getan hätte, Proteinpulver gekauft. Warum? Weil ich auch noch was anderes als Harzer, Hähnchen und Magerquark essen und trotzdem weder über 1000 Kalorien essen noch Muskelmasse ab- sondern aufbauen will. Also rühre ich mir jetzt allmorgendlich mein liebevoll „Work Protein Breakfast“ an (Englisch klingt so viel fitter), bestehend aus 2 EL Haferflocken, 100g Himbeeren, 340 g Skyr, 3 EL Proteinpulver neutral (man kann sicher auch Vanille nehmen, aber das hat mir zu viel Zucker) und einer Prise Vanille aus der Vanillemühle. Das rettet mich tatsächlich bis mittags über den Tag – Lo and behold!

Nach einem Prä-Workout Snack bestehend aus einer Banane und drei Teelöffeln Erdnussbutter habe ich heute sogar meine letztjährige Durchschnittsbestzeit auf 5 km geknackt. Hell yeah. Womöglich mache ich doch beim Hannover Marathon 10K mit – immerhin sind jetzt 10 Kilo gewichen und bis dahin dürfte ich die magische 8 vorne haben. Bei einer Größe von über 1,80m ist das schon nah an OK.

Diese besondere Ernährungskultur hat allerdings auch Kritiker, die vor allem mit Unverständnis und kaltblütiger Provokation konfrontieren, wie ich heute feststellen musste.

 

Es ist 18.17 Uhr an einem Mittwoch und schellt. An meiner Tür.

Das an sich ist weder verwunderlich noch besorgniserregend. Und da ich gerade mal wieder den Speckninja mache und mit meiner persönlichen Hassübung durch die Wohnung „lunge“ wie ein Idiot, stellt sich die folgenschwere Frage: Öffnen, oder nicht öffnen?

Vor meinem inneren Auge entspinnen sich zwei Szenarien, eine der großen Disziplin, in der ich die Tür nicht öffne, nicht den armen, verirrten Jan kennenlerne ohne Akku, der bei mir nur mal kurz telefonieren wollte, nicht mit ihm durchbrenne und mit einer Finca in Portugal und viereinhalb Kindern lebe – und stattdessen aufgrund meiner mangelnden sozialen Verbindungen einsam und allein in meiner Wohnung verende – zwar in top Shape, aber das sieht man nach drei Wochen Verwesung leider auch nicht mehr.

Szenario zwei reißt mein Gehirn noch kurz an, aber dann bin ich so entsetzt von der Verwesungs-Szene, dass ich lieber doch zur Tür „lunge“ und sie schwungvoll mit der Bewegung öffne.

Draußen steht nicht Jan, sondern meine Nachbarin/Mitbewohnerin und starrt mich ob meiner, zugegeben etwas seltsamen, Haltung an.

„Hallo.“ sage ich.

„Hallo,“ sagt sie, „Hast du noch Brot? Ich hab mich den ganzen Tag auf mein Abendbrot gefreut, jetzt ist mir aber das Haferbrot verschimmelt und da dachte ich -“ Sie bricht ab hinsichtlich meines Gesichtsausdruckes.

„Ich hab‘ kein Brot, sorry.“ sage ich.

„Kein Brot.“ sagt sie.

„Kein Brot.“ bestätige ich.

„Kein Brot mehr?“ fragt sie und zieht das „mehr“ in die Länge, was mir leider nicht hilft, die Frage besser zu verstehen.

„Nein, kein Brot.“ sage ich deswegen noch einmal.

„Überhaupt kein Brot, also nicht gerade leer geworden, sondern gar keins?“ hakt sie nach.

„Nein.“ sage ich.

„Auch keinen Toast?“  Ich fühle mich ein bisschen wie ein Vegetarier im ruralen Russland („Kein Fleisch?“ „Nein.“ „Auch keine Wurst?“ „Nein.“).

„Ja. Ich esse kein Brot. Also. Momentan nicht.“ erkläre ich geduldsam und begebe mich dann doch endlich aus meiner Ausfallschritthaltung, da dies ja augenscheinlich eine längere Brotdiskussion wird.

„Aha. Hat das mit diesem 1000 Kalorien-Fitness-Kram zu tun, den du fährst?“ fragt sie, vermutlich nur etwas gereizt, da meine Fitnesspläne ihre Abendbrotpläne direkt durchkreuzt haben.

„Ja.“ sage ich. Stille herrscht im Treppenhaus. Ich fühle mich fast genötigt zu erklären, aber dann setzt sie nach: „Warum isst du kein Brot?“

„Weil ich nur 1000 Kalorien habe am Tag und Brot mir zu unsympathisch, quasi direkt zu labberig, zu profillos, zu wenig ausdrucksstark ist, um ein Drittel meiner Tageskalorien darin zu investieren, es am Gaumen kleben zu haben.“

Sie kennt mich, deswegen schmunzelt sie nur. „Und was isst du stattdessen?“

„Quark.“ sage ich und beobachte voller Bewunderung, wie erst eine und dann die andere Augenbraue deutlich an Höhe gewinnt.

„Also, als ob Quark jetzt so viel leckerer wäre.“ sagt sie schließlich. „Und ein guter Ersatz ist das auch nicht.“

„Besteht aber zu 30% aus Proteinen und ist deswegen gut für den Muskelaufbau.“ sage ich.

Sie winkt ab. „Jaaah. Aber er passt nicht zu meinem Parmaschinken. Dann noch schönes Training!“

 

Ich schließe die Tür hinter ihrem wehenden Pferdeschwanz und verfluche Brot und Parmaschinken und lunge zurück in mein Schlaf- und Fitnesszimmer. Scheiß Diät.

„Halt durch!“ ruft Charles aus der App.

„Halt die Fresse!“ sage ich und zeige ihm den Finger.

Auch, wenn er Recht hat.

 


 

 

 

 

 


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Facebook Emofails

Ihr kennt ja sicherlich alle diese Motivationals. Diese Bildchen in sozialen Medien, auf denen mehr oder weniger (de-)motivierende Sprüche stehen.

Stehen nur Poesiealbenzitate oder schlaue Ratgeberessentials drauf, kann ich meistens damit noch irgendwie umgehen. Aber versuchen Menschen, sich selbst solche Dinger auszudenken, passieren mit hoher Wahrscheinlichkeit und Frequenz ungeahnte brutale Bruchlandungen.

Mein persönliches Pet Peeve sind dabei diejenigen Bilder, die passiv-aggressiv eingeschnappt bis vollnölig herumseiern, dass „man ja nicht immer hart war, aber im Leben einfach zu viel passiert ist“ oder „obwohl man XYZ ist/war er/sie einen trotzdem nicht will/wollte und jetzt mal selber Schuld ist. Ätschibätschi.“. Gerne auch repostet von Menschen, bei denen mir völlig klar ist, worauf sie hinaus wollen, bei mir aber nur ein Instinkt angesprochen wird; nämlich der, zu schütteln und zu schreien: „Willkommen in der Realität! Hat auch lange genug gedauert, du Flitzpiepe!“

Klar, jeder geht mit verschiedenen Situationen unterschiedlich um. Manche treffen sich mit Freunden, manche machen Sport, manche machen eine Therapie und andere Essen drei Kilo Eis und heulen zwei Wochen – und manche posten eben pseudoharte aber de facto weinerliche Bildchen auf Facebook und machen sich so zur Zielscheibe und zum Emokasper. Haben diese Leute keine Freunde, mit denen sie sich mal zum Kaffee trinken treffen können oder die ihnen wenigstens sagen, dass ihre Gefühlsausbrüche nicht öffentlich in soziale Medien gehören?

Wie dem auch sei, habe ich ein besonderes Gem dieser Gattung gesehen und musste erstmal zehn Minuten drauf starren und denken „WHUT?“

Es ging dabei sinngemäß darum, dass wenn sich „eine Frau gesellschaftlich konform und halbwegs selbstständig verhält (aber im Grunde weiterhin angemessen keusch), sie vielen Männern Angst mache.“ (Original hier.)

Dieses Bild hat mich schwer erschüttert. Nicht weil es von „Alleingang – weil eine Löwin nicht mit Hunden läuft“, also der pathetischst betitelten Seite kommt, die man sich so vorstellen kann, sondern weil es sich so spektakulär ins eigene Bein schießt.

Die Autorin möchte offensichtlich irgendetwas damit ausdrücken, vermutlich, dass sie selbst stark und unabhängig ist und Männer Waschlappen sind, weil keiner gut oder mutig genug ist, sich um sie zu bemühen.

Bei nährerer Betrachtung ergibt sich meiner Meinung nach allerdings Folgendes:

1. Sie ist wahnsinnig frustriert darüber, dass es keine Männer zu geben scheint, die sich trotz ihres heldenhaften Alleingangs überschlagen, ihr zu Füßen zu liegen. Warum auch?

2. Einmal würde eine Person, die wirklich selbstbewusst ist, so etwas nicht posten, weil es sie nicht annähernd so frustrieren würde und sie dem Typen das einfach sagen würde, anstatt passiv-aggressiven BS auf Facebook zu posten. Zweitens wäre einer wirklich selbstbestimmten Frau völlig schnurzpiepegal wen sie reizt oder nicht reizt. Sie zieht einfach an, worauf sie Bock hat. Basta. An dieser Stelle „ohne andere Männer zu reizen“ sehe ich meinen persönlichen Feminism Fail.

3. Ist es degradierend all den wunderbaren Menschen und Männern gegenüber, die definitiv keine Angst vor Frauen haben. Und genauso fies für die, die Angst HABEN. Irgendwas muss das ja ausgelöst haben.

Und was heißt Angst? In vielen Fällen sind Frauen und Männer gleich verunsichert ob der absoluten Doppelmoral in den Medien und allen Signalen von der traditionell verhafteten Kriegsgeneration bis zu den 70er Freelovern die wir so im Aufwachsen erhalten haben. Alle müssen erstmal finden, wer sie sind und wie sie sich als Frauen und Männer definieren. Einigen fällt das leichter, anderen schwerer. Ich weiß jedenfalls, dass ich tue, was ich für richtig halte, mit allen Konsequenzen.

Worauf ich an dieser Stelle jedoch im Besonderen plädieren möchte ist: Schützt eure Freunde davor, sinnfrei öffentlich herumzujammern. Erklärt ihnen, dass Selbstwert lernbar ist und man nicht zwangsläufig pseudoharte Motivationals auf Facebook posten muss, nur weil mal ein paar Dates beschissen gelaufen oder eine Beziehung gescheitert ist. Beschützt sie vor sich selbst. Sie haben es verdient – und spätestens wenn sie erwachsen werden, werden sie es euch danken.