kuekensalat

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The Bucket List

„Nana reist jetzt nach Thailand. Für ein Jahr. Ich könnt‘ sowas ja nicht, darauf hätte ich gar keine Lust. Und auch so warm da..“ erzählt meine Kollegin in einwandfreier Lautstärke im LZ (Lehrerzimmer) und die sie umgebende Hühnchenschar winkt ab.
„Nee, also sowas machen doch nur Leute, die sich zu Hause nicht wohl fühlen.“ gibt eine andere Kollegin, Mitte 40 zu bedenken.
Ich sitze drei Tische weiter und bin eigentlich seit „Ein Jahr“ und „Thailand“ schon ausgeklinkt.
Wie geil, so eine Erfahrung habe ich noch nie gemacht und einfach mal ein Jahr weg – ich seufze in mich hinein.

Zugegeben, die Möglichkeiten für Lehrer sind denkbar gut, aber eben sehr unflexibel. Als Beamter stehen zwischen einem und den Lebensträumen immer mindestens sechs Passierscheine A38 in vierfacher Ausführung stellen darf man den Antrag auch erst, wenn man schon zehn Jahre im Dienst ist.

Das ist mir allerdings schnurz. Kaum bin ich zu Hause, google ich gründlich nach Möglichkeiten für lange Reisen und alle anderen Ideen, die mir so kommen. Diese sind denkbar bürokratisch. Entweder ich warte bis ich 38 bin, stelle dann einen Antrag und warte noch zwei Jahre in denen ich weniger verdiene, um dann mit 40 ein Jahr bezahlten Urlaub zu machen ODER ich stelle jetzt einen Antrag auf Urlaub ohne Bezüge und muss mich dann von nichts privat vollversichern und kann definitiv nicht zurück an meine alte Schule ODER ich bewerbe mich auf eine Auslandslehrerstelle an einer Deutschen Schule irgendwo. Es kann natürlich sein, dass ich dann nach Hinterposemokel komme und bis zu sechs Jahren dort bleiben muss – aber naja. Die Möglichkeit besteht. Und da ich ja anscheinend das männliche Geschlecht nach wie vor vor allem einzuschüchtern scheine (haha!) und die Aussicht auf Familie denkbar gering ist, ich aber mitnichten hier herumsitzen und auf Mr. Right warten werde, muss ich mir wohl irgendwas davon aussuchen. Hach, so isset halt im Leben. Haste das, willste das und willste das, kriegste was anderes.
Egal.

In diesem Zuge habe ich meine recht lange Bucket List ebefalls einer strengen Sichtung unterzogen.Nächstes Jahr könnte ich die folgenden Punkte abhaken:
1 – Wale sehen
2 – Motorradschein machen (die Theorie habe ich immerhin schon fertig)
3 – USA Tour (Philadelphia, Chicago, New York) Teil 1
4 – 10 km Lauf mitmachen (zum 2. Mal)

In diesem Sinne „I’m back on the road again..“

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Schneggen

Mein Kollege Ole ist Ossi. Er ist ein netter Ossi, aber man sieht, dass er Ossi ist. Ole ist adrett und meistens in weiß oder kariert unterwegs. Seine Haare sind kurz und gescheitelt, er ist glatt rasiert und hat, wenn man denn danach sucht, durchaus einen leicht militärischen Einschlag von Zeit zu Zeit. Außerdem ist Ole verdammt lustig, wenn er will. Leider hat Ole das Problem, dass seine eine handvoll Jahre jüngere Freundin ihn nicht mehr so witzig fand und sich vorübergehend von ihm trennte, so dass der gute Ole sich dem Club der mit-Absicht-und-viel-Nachdruck-glücklichen-Singles anschließen musste – aka mir.

So trifft es sich denn, dass Ole und ich am Tisch im Lehrerzimmer sitzen, Freitagnachmittags, denn entgegen landläufiger Meinung wird die Alarmanlage auch Freitags erst ab 17.00 Uhr eingeschaltet, und einer von seinen Geistesblitzen einschlägt.

„Lehrer sind wie Schnecken.“ verkündet er, etwas marode.

Ich verschlucke mich kurzzeitig an meinem Kaffee, der sowieso nicht mehr schmeckt. „Wie bitte?“

„Lehrer sind wie Schneggen.“ wiederholt er sich, mit Nachdruck.

„Warum?“ frage ich blöde.

„Für unsere Schüler sind wir asexuell oder sie verkuppeln uns nur untereinander.“ konstatiert er und stellt seine Tasse korrekt ab.

Ich lache, dann fällt mir noch etwas auf: „Aber sind Schnecken nicht Zwitter?“

„Ja.“

Stille.

Er schlürft kurz seinen kalten Kaffee, während ich diese Information versuche zu verarbeiten. Dann sagt er: „Und als Lehrer will dich eh kein normaler Mensch. Lehrer haben alle einen an der Klatsche.. wir können uns nur untereinander fortpflanzen.“

Ich denke einen Moment ernsthaft über seine Idee nach: „Ob das die Klatsche besser macht, wage ich allerdings zu bezweifeln. Naja, sonst hat ja auch keiner Verständnis für deine unmöglichen Arbeitszeiten.. oder kann sich pausenlos Geschichten von der Schule anhören.“

„Ja. Sag ich ja.“ wiederholt er mit Nachdruck. „Wir sind wie Schnecken.“

 

Am Montag morgen wähne ich mich in glückseliger Ignoranz bis Ole mir durchs volle Lehrerzimmer ein fröhliches: „Naaaaaa, Schnegge?“ entgegen schleudert.