kuekensalat

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Ich parsnippe jetzt!

Vor Längerem gab es einen von mir illustrierten Artikel in einer kostenlosen Zeitung, der von einer jungen, in Deutschland lebenden Frau äthiopischer Herkunft verfasst worden war, welche voll Irritation ob der deutschen Balzrituale schlussendlich Onlinedating für eine recht sichere Alternative hielt. Sie wurde eines Besseren belehrt (wie so viele), als der mit ihr skypende Herr mittelalterliche Waffen im Hintergrund an der Wand hingen hatte. Das erschien ihr kurios und weniger liebenswürdig und ich illustrierte die skurrile Situation mit den Bildrand überragenden Klingen und dem Schriftzug „Parsnip (engl: Pastinake).

Ich habe mich sehr lange gegen Parsnip gewehrt.

„Oh aber warum, Küken, wo man dort doch alle 11 Minuten die Liebe seines Lebens findet?“

Meine Gründe: Teures Bezahlsystem, nur humorlose Verzweifelte, es ist und bleibt Onlinedating, womit ich einfach nur lustige bis bizarre Erfahrungen hatte und die Überzeugung, dass Parsnip nur die letzte Hoffnung sein kann (O-Ton: Und wenn ich bis 35 niemanden kennengelernt habe, melde ich mich bei Parsnip an.)

Warum habe ich es doch versucht? Die dritte in meinem Freundeskreis fand dort jemanden und ich bin Vierundfuckingdreißig geworden – ich habe keine Zeit mehr für überflüssige, schwachmatige Tinderdates, weil mein Alltag ein ziemlich volles Konstrukt ist. Die sonst so kennengelernten Menschen haben sich bisher höchstens als potentielle Betthäschen herausgestellt und da Parsnip diese überragende Schlagzahl im Freundeskreis hatte, dachte ich mir: Was soll der Geiz? 34, 35, man kann’s ja mal probieren.

Meine Erfahrungen nach einem halben Jahr angemeldet sein und zwei Monaten wirklich ausprobieren: Parsnip hat mich in eine Sinnkrise gestürzt. Einerseits gibt es mir was ich suche, nämlich informierte, bindungswillige Menschen in meinem Alter, andererseits nimmt es ziemlich vielen Interaktionen die Leichtigkeit.

Parsnip wirkt todernst. Alleine die Tatsache, dass man dort reichlich Geld zahlen muss, um ein wirklich funktionierendes Profil und Austausch zu haben und den Bodensatz des Onlinedatings aussortiert zu bekommen, ist schon ein Testament dafür, wie Menschen dort einen Partner suchen: Effizient. Ein Dilemma! Denn auch, wenn das die schwachmatigen Tinderdates umgeht, ist alles schon so schnell so verdammt ernst. Gefühlt jeder Kommentar wird nach langfristig möglichen Unstimmigkeiten durchforstet und effizient kommentiert, sich verhältnismäßig schnell verabschiedet.

Das wirkt bisweilen ähnlich einem Vorstellungsgespräch und ich kann mir wenig Unromatischeres vorstellen. Außerdem traue ich mich kaum, meinen speziellen Humor raushängen zu lassen, denn das Parsnip-Volk ist so erwachsen, auf beeindrucken gepolt und gesetzt. Alles Adjektive, die zu mir nicht sonderlich gut passen. Ich trage kein beige, mag Tattoos, Kunst und Albernheiten, lerne ständig irgendwas Neues, gebe Bildungslücken zu, feiere ausschweifend und ich drücke mich vor meiner Steuererklärung, bis sie nötig wird. Ich würde Umzüge in andere spannende Städte nie ausschließen, genauso wie eine große Backpacker-Reise im Jahr zu meinen Glücksprinzipien gehört. Und so habe ich noch die Hoffnung, dass es andere seelenvolle Drifter gibt, die das Otter-Prinzip mit mir leben, oder einen Menschen, der gerne meine Basis sein würde. Ob ich dem jedoch auf Parsnip begegne – ich bezweifle es mittlerweile.

Trotzdem hat das Bezahlprinzip wirklich einen groben Vorteil: Die absoluten Dumpfbacken werden aussortiert und die Menge an Dick-Pics geht auch dramatisch zurück. Das heißt nicht, dass man nicht ab und an noch eine Nachricht bekommt ohne Satzzeichen oder ein schwachmatiges „Wo wohnt dein Sofa, Schnecke?“ aber im Großen und Ganzen ist eine gewisse schriftliche Ausdrucksfähigkeit vorhanden. Nichtsdestotrotz nutzt die auch wenig, wenn die Gespräche selbst dann halt vor allem digital verlaufen und das reale Kennenlernen aus- oder hinter den Nachrichten zurückbleibt, was bisher leider immer der Fall war. Entweder waren die getroffenen Typen bizarr („Wenn du nicht die Pille nimmst, küsse ich dich nicht.“), latent langweilig (Ja, mein Job, mein Haus, mein Auto. Wie, meine Hobbies?), oder sie fanden mich unpassend. „Ich suche schon etwas Ernstes.“ Ja, ich auch, aber deswegen muss ich doch nicht nur ernst gucken und frustriert sein? Oder meintest du jemand Ernsten?

Nichtsdestotrotz habe ich so folgende Erkenntnis errungen: Ich wirke im ersten Moment anscheinend viel ernster und unverbindlicher, als ich es letztlich bin und wo Schubladen nicht gut passen, wird sich dann verwirrt zurückgezogen. Daran etwas zu ändern, sehe ich allerdings als wenig zielführend. Ich empfinde es als Privileg, emotional und visuell anfällig zu sein. Mein inneres Kind ist nur ein Grund, weshalb ich in meinem Job gut bin.

Fazit: Parsnip hilft mir bisher persönlich nicht nennenswert bei der Entdeckung von Mr. Otter. Es macht auf jeden Fall weniger Spaß als die Hobbies, Feiern und Festivals, bei denen ich sonst so Menschen kennenlerne, kostet genauso viel und nimmt ebenso viel Zeit ein.

Und so sind wir wieder dabei, dass ich lieber freiwillig Single bleibe, bevor ich aufhöre, mich über Baby-Niffler zu freuen, damit mich jemand heiratet.

 

PS: Wenn hier jemand einen netten Otter kennt.. meine rechte Hand ist noch frei. 😉

 

 

 

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Exparade

Did you ever look at a picture of your ex and asked yourself: WAS I DRUNK THE ENTIRE RELATIONSHIP?!

Wenn ja, bekommst du jetzt die Medaille der Weiterentwicklung und schonungslosen Selbstkritik, denn nur ein Mensch, der dazu in der Lage ist, seine eigene Bräsigkeit im Hormontaumel zu bemerken, ist wirklich weise.

Natürlich ist man irgendwann dazu bereit, seine Exfreunde als „auf ihre Art und Weise bestimmt ganz tolle Menschen“ anzuerkennen, die „einfach nicht gepasst haben“, schließlich schützt man sich so vor der Erkenntnis, dass man einen beschissenen Geschmack und die beste Freundin einfach immer recht hatte.

New Agists würden jetzt argumentieren, dass jede Beziehung für etwas gut ist und sei es nur die Fähigkeit, Holzfußböden zu ölen oder ein gutes Rezept für Käse-Sahne-Sauce, aber ich halte das nur teilweise für richtig. Ich denke, es gibt Beziehungen, die hätte man sich auch ganz klar schenken können.

Exhibit A: „Mami?“

Der Homo Minifilius, oft Musiker oder (Lebens-) Künstler, der in der deutlich älteren Freundin nicht nur eine spannende, einem selbstempfundenen Reifegrad entsprechende (intellektuelle) Stimulation, sondern auch eine Anleiterin in Lebensfragen sieht, die ihm gut zuspricht, ihm hilft, Entscheidungen hinsichtlich seiner eher zick-zack-förmigen Ausbildungslaufbahn zu treffen, ihn bei sich einziehen lässt und somit die überfällige Abnabelung von den Eltern ermöglicht und ihn finanziell geringfügig (ganz) unterstützt.

Sieht aus wie gleichaltrig und benimmt sich wie 50, ist aber so verantwortungsbewusst und stringent wie ein 12jähriger. Bricht auch zusammen wie ein 12jähriger, wenn alle Beziehungsdiskussionen nicht helfen und Frau irgendwann den Kaffee auf hat. Findet, wenn er Glück hat, irgendwann Frau im „Muttimodus“, die gern einen Hausfreund hat und der es nichts ausmacht, finanziell für alles allein verantwortlich zu sein.

Exhibit B: „Ich stehe total auf starke Frauen“

Der Homo Egohomilis, der mit dieser Aussage eigentlich nur grundsätzlich schon mal anmerken möchte, dass er definitiv nicht die Schulter zum Ausweinen sein wird und es auch nicht in seiner Verantwortung sieht, irgendwelche Glühbirnen anzubringen oder Schränke zusammenzubauen.

Ist beleidigt und überfordert, wenn Frau echte Nähe oder Kooperation möchte und agiert grundsätzlich kompromisslos. Neigt zu vereinzelten, völlig übertriebenen Liebesbeweisen, wenn er merkt, dass Frau sich zurückzieht. Endet irgendwann in einer Beziehung mit einer völlig abhängigen Person, weil nur die es stoisch erträgt, wenn er sie größtenteils wie nervige Luft behandelt.

Exhibit C: „Ich will eigentlich im Moment keine Beziehung.“

Der Homo Commitophobicus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den schmalen Grat zwischen „irgendwie noch Casual“ und „Beziehung“ auszuloten und bei möglichst vielen verschiedenen Frauen auszuprobieren, was noch als unverbindlich durchgeht. Tut völlig überrascht und geradezu entrüstet, wenn tägliches Melden, durchdachte, persönliche Geburtstagsgeschenke oder das Treffen der Familie als Indikatoren interpretiert werden, dass das „EIGENTLICH im Moment“ in obigem Satz sich langsam aufzulösen scheint.

Hat keine Empathie und ist de facto eine feige Sau, weil er so tut, als wäre ihm nicht klar, dass er die Gegenpartei emotional an sich bindet, klärt aber die Fronten nur auf Nachfrage und ist vor allem anderen erstmal ein Forscher im Weinberg des bequemen Herumhurens. Bleibt entweder ewiger Teilzeitsingle oder treibt Freundin in den Wahnsinn mit seinem endlosen Hot-Cold-Hot-Cold-Getue.


Mir ist durchaus klar, dass ich ohne diese Männer in meinem Leben nicht so viel gelernt hätte über mich, über andere, über Psychosen, über meine Vorstellung von Liebe, Beziehung und Freundschaft. Und klar habe ich daher auch a) Kontakte in die Mittelalterszene und jede Menge Gossip, B) Geschichtswissen, Garten- und Katzenpflegetips sowie Renovierungsskills und Psychomanagement und C) IT Infos, ein paar Gadgets, gute Musik und den einen oder anderen kreativen Input gewonnen. Trotzdem waren manche dieser Zeiten so ab von allem, was sich sinnvoll schimpft, dass noch heute manche Namen bei meiner besten Freundin nur diesen besonderen Gesichtsausdruck auslösen, der etwas an ein verstopftes Eichhörnchen erinnert.

Kleine Memo an alle Routine-Klogriffler an euch: Wenn ihr die Story irgendwem erzählt und sie hört sich schon scheiße an, dann ist sie auch scheiße, denn Hormone sind kleine, geile Bitches, die sich mega einen ablachen, wenn ihr den Typen später wiederseht und feststellt: „Der Lauch ist höchstens eine zwei- war ich bei Bewusstsein?!“

Trotzdem wie Alanis sagen würde: Thank you DrummerBoi, thank you Catman, thank you thank you Star Waaaaaaars…

Gerade befinde ich mich in einer Phase verstärkter Reflexion über diese Kracher, ich arbeite noch an einer Form, die den Francis-Chroniken gerecht wäre.

So long!


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Es könnte alles so einfach sein…

Juni. Es ist manchmal warm und eigentlich will ich mich ja schon seit Wochen abmelden, weil es auf dieser schäbigen, freien Internetplattform ohnehin nur Kruppzeug gibt, das einem dreimal dieselbe Nachricht zur Kontaktaufnahme schickt – im Abstand von zwei Wochen.

Und dann – eine Nachricht, intelligent, anständige Rechtschreibung, netter Anschrieb – BÄM.

Es wird gesprochen, länger, mehr Nachrichten.

Playlists werden ausgetauscht und für annehmbar bis gut befunden. Es folgen spannende Diskussionen mit philosophischem Inhalt. Nach zwei Wochen Textmekka wird klar: Es muss ein Treffen passieren, selbst wenn man eigentlich die Nase voll hatte von Blind Dates, selbst wenn die Attraktivitässkala keinen gesteigerten Auswurf abgibt beim Betrachten des Profilbildes, mehr als ein: „OK“ kommt da nicht.

Aber die geistige Ebene stimmt, die Musik stimmt, die Filme, Kunst, Kultur, Vorstellung davon, wie eine Beziehung zu sein hat – alles scheint wie von Geisterhand festgeschrieben im Gewebe der Welt um diesen einen Menschen hervorzustricken.

Fünfzehn Uhr, es ist warm, aber bald soll es regnen. Ich denke, ich könnte underdressed sein, wärmetechnisch. Auf den letzten Metern zum Treffpunkt verschmilzt das Bild mit dem echten Bild: Groß, lockiges Haar – jedoch nicht blond, sondern grau, das etwas schräge Lächeln weniger charismatisch als schräg, die Hände mit langen, schmalen Fingern und er, der bisher so farbenfroh und spannend klang wirkt auf einmal wie ein ausgebleichtes Polaroid.

Und so folgt am Ende des Dates, das doch ein paar Stunden dauert, denn man kennt sich ja, auch ein zweites. Und auch ein drittes und dann die Erkenntnis:

Es könnte alles so einfach sein. Isses aber nicht.

Und egal wie sehr man will – wenn es nicht kribbelt, dann hilft auch keine Ahoibrause.

 


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Gut gemeint

Junggesellinnenabschiede sind immer ein bisschen wie die Hochzeit selbst in klein: Viele Menschen sehr unterschiedlicher Verbindung, Lebensphase und Grundeinstellung finden sich zusammen, um einer Person (oder einem Paar) eine Freude zu bereiten. Das muss nicht immer zwangsläufig für alle Personen eine Freude sein.

Wir, im Auto, auf der Fahrt nach Grevenbroich(1). Wir, das sind Elena (39), Rita (41), Rosa (25) und Francis, auch genannt Kueken (32), die ihren geliebten Kleinwagen chauffiert. Ich habe in der Gruppe den besonderen Status als S I N G L E. Das ist so ansteckend und gruselig, dass man am besten gar nicht darüber spricht, sich aber auf jeden Fall darüber erhebt, indem man bei jeder Gelegenheit betont, wie sehr man über Beziehungen Bescheid weiß oder mitleidig fragt: „Immer noch nichts?“(2). Andererseits sind die Damen ja auch neugierig und wollen immer die neuesten Drama Geschichten von mir und meinen Freunden hören. Ich also die Story von Mia und der Wohnung erzählt und hinterher auch gleich bereut.

„WAAAAS?“ platzt es aus Elena: „Also eeeeecht, ich wäre sofort rückwärts wieder rausgegangen und hätte ihm gesagt, dass er ja wohl eine Meise hat, sich einzubilden, dass sie bei ihm übernachtet, wenn sein Wohnloch so aussieht.“

„Hm.“ ist mein Kommentar.

„Naja,“ wirft Rita ein: „Wenn du denjenigen echt magst und er dich vorher besucht hat und so? Dann gehst du doch nicht sofort wieder und machst ihn fertig.“

Ich nicke empathisch.

„Naja, wenn sie es ihm gesagt hat, dann könnte er ja was dagegen tun, wenn sie ihn so gerne mag.“ wirft Elena nachdrücklich ein.

„Wie meinst du das?“ frage ich.

„Naja, er könnte sich ja einen Innenarchitekten nehmen und eine neue Wohnung anmieten und -“  Mein Gehirn macht kurzfristig einen Ausflug ins LalaLand. Als ich wieder zuschalte, schaut Elena mich erwartungsvoll an.

„Hm.“ sage ich wieder.

„Und bei dir?“ fragt sie dann und ich denke Alte, wenn du wieder mit deinem Lieblingsspruch kommst, halte ich an und – „Immer noch nichts?“

Ich widerstehe heldenhaft meinem ersten zuckenden Impuls, meinen Fuß volle Breitseite ins Bodenblech unter dem Bremspedal einzuprägen und Elena mit Anlauf aus der Beifahrertür zu treten.

Stattdessen atme ich tief ein und zähle von fünf auf minus fünfzehn rückwärts. Dann sage ich: „Nein.“

Rosa, mit der ich beim Losfahren kurz über Männer gescherzt und ihr meine Traumgestalt Evan, den 1,90m großen kanadischen Chris Hemsworth Lookalike vorgestellt hatte, piepst vom Rücksitz: „Franci muss erstmal Evan begegnen.“ Und grinst in schweigendem Verständnis für meine unliebsame Situation. Ich grinse auch, weil ich es lustig finde. Ich bin ja kein Idiot.

„Wer ist denn Evan?“ fragt Elena und ich muss es ihr erklären.

„Na, du bist aber anspruchsvoll.“ sagt sie hinterher. Ich denke an ihren Mann Paul; etwa einen halben Kopf kleiner als sie und Mister Bean nicht ganz unähnlich und habe wieder große Lust, ins Lenkrad zu beißen. Sie holt tief Luft: „Also wenn du dich schon so einschränkst, dann findest du ja überhaupt keinen, also größer als DU mit über einsachtzig, das ist ja..“

Ich gucke stur geradeaus mit einer Spock-Augenbraue und sage: „Ist ja nicht so, dass Rosa und Rita Männer hätten, die unter einsneunzig sind.“

„Jaaaaah, aber die sind ja schon vergeben.“  Ich rolle die Augen. Ja, als ob ich die gerne geschenkt hätte. Der eine ein unverbesserlicher Chauvi, der seiner Freundin alleine Party machen verbietet, der andere ein Klugscheißer, der mir erzählt, wie ich Joggen muss. Ich erinnere noch mal an meine Teilnahme am HAJ 10K die letzten beiden Jahre.

„Und du musst dich von deinem Beuteschema lösen.“ fährt Elena unbeirrt und sehr laut fort, „Wenn du dich darauf zu sehr versteifst, dann findest du keinen, hier passt doch keiner ins Beuteschema, hier hat doch keiner sein Beuteschema.. Rita, hast du dein Beuteschema geheiratet?!“

Rita vom Rücksitz: „Neeein. Gar nicht. Und es gibt viele Männer, die gerne größere Frauen haben!“

Und ich, ich halte diese unsägliche Schwachsinnsschwafelei nicht mehr aus und platze: „Euer Ernst? Haltet ihr mich für minderbemittelt, dass ich mit meiner Evan Schablone durch die Clubs renne und keinen nehme, der nicht so heißt? Und das ist ja gut möglich, dass viele kleine Männer das wollen. ICH will keinen kleinen Mann!“ Alle starren. In einer außerkörperlichen Erfahrung nehme ich wahr, wie mein Mund einfach weiterredet:  „Was ist denn so schwer daran zu verstehen, dass ich auch gerne einen großartigen, großen Mann hätte. Ich bin groß, meine Exfreunde waren alle kleiner, das hat mich immer genervt und ich möchte einfach gerne meiner biologischen Bestimmung folgen und einen großen, starken, lieben, gesunden, intelligenten Mann an meiner Seite, ist das so schwer nachzuvollziehen? Ich will halt wen Passendes! Zu hohe Ansprüche? Was ist das für ein Bullshit? Wenn es mir jetzt großartig geht und ich sehr entspannt alles mache was ich will, wieso sollte ich dann für irgendeinen Fraggle, der mich nicht begeistert meinen sehr befriedigenden Status Quo aufgeben? Ich will doch auch geliebt werden und nicht mangels Alternativen geduldet! Wer macht sowas?“

Ich schaue flüchtig in den Rückspiegel. Schweigen füllt das Automobil.

Und ich denke: Oh. OH. Ah. Haha. Ja. FETTNAAAAAAPF. Das ist ja die Runde derer, die Mr. Bean geheiratet haben oder jedes Festival heulend verbringen, weil Mr. Ichdarfalles wieder irgendeine Tussi angesabbert und sich so besoffen hat, dass er ausfallend wurde und bei jedem Gespräch darauf beharren, dass ja alles ok ist. Und ich denke so bei mir, vielleicht war das auch nicht wirklich der Angriff auf dich und deine Ansprüche, sondern doch eher die Verteidigung des eigenen Status Quo. Das Bewusstsein, seine eigenen Prinzipien über Bord geworfen zu haben, weil da halt gerade jemand war oder es keine besseren Alternativen gab oder man nicht allein sein konnte.

Vielleicht bin ich auch beziehungsunfähig, aber vielleicht ist auch irgendwo da draußen Evan und versteht diesen Blog nicht, weil er Kanadier ist.

 

 

 

 


(1) Hamburg, Köln, Berlin, Budapest. Falls Evan the beautiful jemals auftauchen sollte auf meiner Schwelle und mich darüber tragen wollen sollte, dann bitte bitte bitte, wer auch immer mein Trauzeuge wird (evlt @lophornia? ;)) fahrt nicht mit mir an meinen Studienort um dort einen Tag lang zu picknicken. Ich will rivers of champagne oder at least Kultur.

(2) Liebe besorgte Freunde, gewöhnt euch diesen Spruch ab. Wenn es was gibt, werdet ihr es erfahren. Und wenn ihr fragt, dann gebt euren Freunden nicht unterschwellig das Gefühl, sie wären bemitleidenswerte Geschöpfe, die in Gottes Schöpfung als einzige keinen passenden Gegenpart finden können. Denn wir könnten, aber wir wollen nicht irgendwen.


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Die Wohnung

Die Wohnung

Little John und the Red Light

Nichtsahnend sitze ich Mittwochsmorgens beim Frühstück, als mich das militante Piepen meines neuen Nachrichtentones meinen Skyrmatsch fast katapultartig an die Küchentischlampe klatschen lässt. Mit zitternden Fingern probiere ich anschließend mindestens fünf Mal die Fingerabdruck-Entriegelung meines Phones, aber Skyr verändert halt den Fingerabdruck, so dass ich schließlich entnervt mit dem Ärmel interveniere. Endlich meines Telefones Herr – oder Frau, wie man das gerne so hätte – erreicht mich der erstickt geschriebene Schrei von Mia.

„No. Nonononono. No. Er ist es nicht.“

Ich schreibe zurück: „Haha, war die an mich? Von wem redest du?“

Sie tippt, dann erscheinen die Worte: „John. Ich rede von John. Du weißt schon, little John?“ auf dem Bildschirm. Mein linkes Augenlid beginnt bereits zu zucken. (1)

„Und von wannen ward euch solche Weisheit?“ frage ich nun, nur halb scherzhaft.(2)

„Ich war ja bei John zu Hause…“ schreibt sie und während ich noch zurück tippe, ruft sie an. „Und es war grau-en-haft!“ betont sie ausgedeht und ich höre noch den latent bestehenden Schockzustand. In mir spielen sich fantastische alternative Realitäten ab.

„Wie? Was? Unsauber? Hässliche Gardinen?“ frage ich.

„NEIN, schlimmer!“ keucht sie und ich glaube, ein unterdrücktes Würgen wahrzunehmen.

„Keine Leichen?!“ murmele ich.

„Nein, jetzt sei nicht krass.“, sagt sie.

„Ich bin nicht krass.“ sage ich.

„Doch, eigentlich immer.“ sagt sie und ich verliere die Geduld: „Jetzt red‘ schon! Warum hat little John keine Dreimonatsfrist verdient?“

Mia setzt mit einem tiefen Luftholen zu einem längeren Exkurs an: „Also, als ich reinkam, da war ich schon irritiert. Du kennst doch so Dates, da ist erst alles toll, aber dann passiert so irgendwas und auf einmal fallen deine Eierstöcke in Schockstarre und es ist irreparabel vorbei?“

„Du meinst so wie mit Daniel, dem Nashornmann? Oder dem Typen, der dir ins Waschbecken gekotzt hat?“ Sie grunzt zustimmend: „Nja.“

„Mmmh.“ Ich denke an Monas Dr. Eisenpimmes.

„Ja, so war’s mit John’s Wohnung.“ Und dann erläutert sie das Ausmaß der Misere. Nicht nur John war eher klein, auch seine Wohnung konnte das Label „Zweizimmerwohnung“ nur mit Liebe aufrecht erhalten. Das an sich ist ja kein Problem, Platzbedarf ist ja subjektiv. Mia wohnt allerdings auf großem Fuß. Wo bereits an der Tür das Two and a Half Men Poster prangte (was bei Mia eigentlich mehr Ein- als Ausdruck gemacht hat, immerhin war das eines ihrer gemeinsamen Themen) waren zwei Drittel der Butze nur spartanisch eingerichtet  und grundsätzlich auf so etwas wie ein ansatzweise stimmiges Gesamtkonzept zugunsten der neuverteilten Jugendzimmermöblierung verzichtet worden.

„Naja, Geschmack..“ setze ich an.

„Jaja,“ unterbricht sie mich: „Das war alles noch ok. Klar, die Wand hatte große Flecken wo das alte Sofa gestanden hatte und der Teppich wellte sich, aber das wäre ja nicht sooo schlimm gewesen. Im Studium habe ich auch mal Ein Jahr so ähnlich gewohnt.“ Ich verzichte darauf, ihr zu sagen, dass der Mann definitiv das dreifache verdient von ihrem Bafögsatz und über 40 ist. Sie klingt so schon niedergeschlagen genug. John hatte sie echt begeistert. Ich fühle mit ihr.

Mia ist schon eher ein schöngeistiger Typ, der auf Blumen und sowas steht. Dass John nicht eine einzige lebende Pflanze besaß und mit den Worten „Die sterben bei mir eh nur“ auch seine Pflegeeigenschaften im Minusbereich ansiedelte, war da ein tragischer Seitenhieb. Richtig schlimm wurde es aber erst, als sich die Küche als eine minimal eingerichtete Kochnische herausstellte, die aussah, als habe jemand es noch nicht geschafft, den explodierten Topf Bolognese wieder einzusammeln oder einen Besteckkasten zu kaufen. Ich seufze mit einem Blick auf mein Skyr. Vielleicht hat sie ihn auch nur erschreckt?

„Aber das es war ja leider noch nicht! Das BAD!“ Mias Stimme überschlägt sich fast. „Da war Rolllaminat drin, das sich an dem 50er Jahre Fliesenspiegel hochgerollt hat. Und da drunter – oh du ahnst es nicht. Auf dem Boden eine dicke Schicht aus Staub und Barthaaren –  Ich habe immer gewartet, dass irgendwas „Mama?“ zu mir sagt.“

„Infam.“ sage ich mit Nachdruck und bin wirklich etwas angewidert.

„Ach hör auf!“ motzt sie.

„War das alles?“ frage ich.

„Nein!“ schluchzt sie am anderen Ende weinerlich. „DAS SCHLAFZIMMER!“

Ich bin versucht, meinen Kopf auf die Tischplatte zu schlagen. „Oh bitte.“ stöhne ich. „Das SCHLAFZIMMER,“ beginnt sie bedeutungsschwanger „sah aus, wie eine Abstellkammer. Rechts neben dem Bett ein zerlegter Tisch und ausgelesene Zeitungen, oben auf dem Schrank Kartons über Kartons von seinen Hobbies und, anstatt eines Beistelltischchens das Angelmagazin der letzten 15 Jahre auf einem Stapel und mir gegenüber ein monströser Röhrenfernseher und ein riesiger TEDDYBÄR.“

„Oh Gott.“ – spätestens jetzt bin auch ich entsetzt. Kuscheltiere. Nichts tötet jegliche Libido so gründlich, wie flauschige Knopfaugen am Bett – sofern man erwachsen und halbwegs konventionell-sexuell gepolt ist.

„Und du hast trotzdem bei ihm übernachtet?“ bringe ich raus.

„Ja.. ich wusste nicht, ob ich nicht überreagiere.“ gibt sie kleinlaut zu Protokoll.

„Mmmh.. naja. Hast du ihm schon mitgeteilt, dass sein nicht vorhandener Nesttrieb dich so gründlich abgeschreckt hat?“

Sie verneint, gelobt Besserung und nach kurzem Themawechsel sitze ich wieder allein mit meinem Skyr am Tisch. Ich betrachte den riesigen Skyrfleck auf der Tischplatte und frage mich zum wiederholten Male, was bei Menschen schief läuft, die keinen eigenen Nesttrieb entwickeln, egal wie lange sie allein sind und wie sie wohnen. Angeblich sollen Männer da ja grundsätzlich weniger empfindlich sein, aber ich kenne reichlich Gegenbeispiele, wo die Kerle definitiv ordentlicher und geputzter sind als die Mädels und beide Geschlechter völlig gleichberechtigt zu Klimbim und durchgestyltem Wohnen neigen.

Ich nippe an meinem lauwarmen Kaffee. Vielleicht ist es doch eine Frage der Persönlichkeit.

In diesem Moment klingelt das Telefon noch einmal.

„Ja?“

„Und weißt du was das schlimmste war?“ Ich zucke die Schultern, irritiert, und versuche, mich nicht an meinem Kaffee zu verschlucken.

„Er hatte zwar Flecken an den Wänden, Risse im Teppich und eine völlig verpekte Küche, aber seine Beleuchtung konnte er über seine Apple Watch und Smart Home steuern. Und rate, welche Glühbirnenfarbe er im Schlafzimmer in seine Tiffanylampe eingesetzt hatte.“

„Nicht im Ernst.“ Mir schwant Böses.

„ROSA.“

„Boah Mia.“

„Ja, oder?“

Das Telefonat endet mit einer stillen Schweigeminute für John; John, der eine Frau finden muss, die so unfassbar begeistert von seiner stimmgesteuerten rosa Schlafzimmerbeleuchtung ist, dass sie sogar die mit ihr kommunizierende Baddreckschicht adoptieren möchte.


(1) [Als wichtige HIntergrundinfo sollte man vielleicht erwähnen, dass Mia, ihres Zeichens wirklich smart und wenn auch eher unkonventionell so dennoch recht hübsch, ein fast so mieses Talent zur Männerfindung hat, wie ich. Wir beide schaffen es immer,  die besonderen Pflänzchen in einem Raum von  Normalos zu orten. Man sollte uns beim Geheimdienst beschäftigen. „Sagen Sie schon, wer kann’s nicht gewesen sein?!“ Dieses Mal hatte sie sich John angenommen. John, von mir liebevoll „Little John“ getauft, da der gute Mann der nur leicht überdurchschnittlich großen Mia bis etwa zur Nasenspitze reichte. Er war lieb, keine Frage, intelligent, sehr witzig, zugewandt und auch ein bis dato guter Konversionalist – sofern meiner einer das überhaupt beurteilen konnte – gewesen. Aber halt für mich als Riesin schon eher niedlich und irgendwie latent ein bisschen seltsam. Fand ich. Mia fand ihn total zucker und hatte ihn nach dem zweiten Treffen mit nach Hause genommen. Das zweite Treffen bei ihr hatte trotz großer Begeisterung bereits leichte Zweifel ob ihrer Kompatibilität aufgeworfen, aber auch das wurde erstmal zugunsten näherem Kennenlernen ignoriert. Irgendwie schwammen die beiden auch von außen betrachtet zunächst sehr auf einer Welle.]

(2) [Genau wie ich tendiert nämlich auch Mia dazu, an einen „Partner in Crime“, einen „Typen zum Pferde und andere Tiere stehlen“ und den „Typen aus meiner Vision letztens“ zu glauben. Anders als ich denkt sie aber, er könne auch in little John verborgen liegen. Ich bin mir sicher, dass sie damit größere Erfolgschancen hat als ich latent oberflächliches Wesen. Sie ist auch davon überzeugt, dass sie jedem, den sie auch nur ansatzweise geil findet, eine ausgedehnte Chance geben sollte, also Monatelang. Und so überraschte mich diese Nachricht, nach nur drei Wochen und dem gerade mal dritten Treffen schon ziemlich.]


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Facebook Emofails

Ihr kennt ja sicherlich alle diese Motivationals. Diese Bildchen in sozialen Medien, auf denen mehr oder weniger (de-)motivierende Sprüche stehen.

Stehen nur Poesiealbenzitate oder schlaue Ratgeberessentials drauf, kann ich meistens damit noch irgendwie umgehen. Aber versuchen Menschen, sich selbst solche Dinger auszudenken, passieren mit hoher Wahrscheinlichkeit und Frequenz ungeahnte brutale Bruchlandungen.

Mein persönliches Pet Peeve sind dabei diejenigen Bilder, die passiv-aggressiv eingeschnappt bis vollnölig herumseiern, dass „man ja nicht immer hart war, aber im Leben einfach zu viel passiert ist“ oder „obwohl man XYZ ist/war er/sie einen trotzdem nicht will/wollte und jetzt mal selber Schuld ist. Ätschibätschi.“. Gerne auch repostet von Menschen, bei denen mir völlig klar ist, worauf sie hinaus wollen, bei mir aber nur ein Instinkt angesprochen wird; nämlich der, zu schütteln und zu schreien: „Willkommen in der Realität! Hat auch lange genug gedauert, du Flitzpiepe!“

Klar, jeder geht mit verschiedenen Situationen unterschiedlich um. Manche treffen sich mit Freunden, manche machen Sport, manche machen eine Therapie und andere Essen drei Kilo Eis und heulen zwei Wochen – und manche posten eben pseudoharte aber de facto weinerliche Bildchen auf Facebook und machen sich so zur Zielscheibe und zum Emokasper. Haben diese Leute keine Freunde, mit denen sie sich mal zum Kaffee trinken treffen können oder die ihnen wenigstens sagen, dass ihre Gefühlsausbrüche nicht öffentlich in soziale Medien gehören?

Wie dem auch sei, habe ich ein besonderes Gem dieser Gattung gesehen und musste erstmal zehn Minuten drauf starren und denken „WHUT?“

Es ging dabei sinngemäß darum, dass wenn sich „eine Frau gesellschaftlich konform und halbwegs selbstständig verhält (aber im Grunde weiterhin angemessen keusch), sie vielen Männern Angst mache.“ (Original hier.)

Dieses Bild hat mich schwer erschüttert. Nicht weil es von „Alleingang – weil eine Löwin nicht mit Hunden läuft“, also der pathetischst betitelten Seite kommt, die man sich so vorstellen kann, sondern weil es sich so spektakulär ins eigene Bein schießt.

Die Autorin möchte offensichtlich irgendetwas damit ausdrücken, vermutlich, dass sie selbst stark und unabhängig ist und Männer Waschlappen sind, weil keiner gut oder mutig genug ist, sich um sie zu bemühen.

Bei nährerer Betrachtung ergibt sich meiner Meinung nach allerdings Folgendes:

1. Sie ist wahnsinnig frustriert darüber, dass es keine Männer zu geben scheint, die sich trotz ihres heldenhaften Alleingangs überschlagen, ihr zu Füßen zu liegen. Warum auch?

2. Einmal würde eine Person, die wirklich selbstbewusst ist, so etwas nicht posten, weil es sie nicht annähernd so frustrieren würde und sie dem Typen das einfach sagen würde, anstatt passiv-aggressiven BS auf Facebook zu posten. Zweitens wäre einer wirklich selbstbestimmten Frau völlig schnurzpiepegal wen sie reizt oder nicht reizt. Sie zieht einfach an, worauf sie Bock hat. Basta. An dieser Stelle „ohne andere Männer zu reizen“ sehe ich meinen persönlichen Feminism Fail.

3. Ist es degradierend all den wunderbaren Menschen und Männern gegenüber, die definitiv keine Angst vor Frauen haben. Und genauso fies für die, die Angst HABEN. Irgendwas muss das ja ausgelöst haben.

Und was heißt Angst? In vielen Fällen sind Frauen und Männer gleich verunsichert ob der absoluten Doppelmoral in den Medien und allen Signalen von der traditionell verhafteten Kriegsgeneration bis zu den 70er Freelovern die wir so im Aufwachsen erhalten haben. Alle müssen erstmal finden, wer sie sind und wie sie sich als Frauen und Männer definieren. Einigen fällt das leichter, anderen schwerer. Ich weiß jedenfalls, dass ich tue, was ich für richtig halte, mit allen Konsequenzen.

Worauf ich an dieser Stelle jedoch im Besonderen plädieren möchte ist: Schützt eure Freunde davor, sinnfrei öffentlich herumzujammern. Erklärt ihnen, dass Selbstwert lernbar ist und man nicht zwangsläufig pseudoharte Motivationals auf Facebook posten muss, nur weil mal ein paar Dates beschissen gelaufen oder eine Beziehung gescheitert ist. Beschützt sie vor sich selbst. Sie haben es verdient – und spätestens wenn sie erwachsen werden, werden sie es euch danken.

 

 

 

 

 

 


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Kein Bock auf Nähe

now-im-in-my-30s-1Fatal am späten Singlesein ist die fehlende Kompromissbereitschaft. „Spät“ ist an dieser Stelle natürlich relativ. Gern darf dagegen anargumentiert werden, dass ich mit 32 „später“ Single sei, aber schauen wir der Realität mal heldenhaft ins Auge, so stellt sich statistisch heraus, dass zwar durchschnittlich mit 31,3 Jahren geheiratet wird, aber die wenigsten heiraten ja aus dem blauen Dunst heraus.
Mit anderen Worten: Die meisten Menschen, die demnächst geplant dauerhaft eheähnliche Verhältnisse eingehen, sind bereits vergeben.

Nicht so schlimm, denke ich mir, die meisten Beziehungen bzw. Ehen um mich sind nun auch nicht das, was ich geschenkt haben möchte und eine „Durchschnittszahl“ ist eben auch nur das. Ein Durchschnitt. Nun aber zurück zur Fatalität: Die fehlende Kompromissbereitschaft.

Noch jung und ungestüm konnte ich nichts damit anfangen, wenn meine seit mittlerweile 22 Jahren als Single etablierte Mom lakonisch verkündete: „Ich hab gar keinen BOCK, mich auf irgendwen einzustellen, der mir meinen ganzen Alltag durcheinander bringt.“

Jetzt bin ich seit zwei Jahren Single und muss zu meinem Schrecken feststellen: Ich auch nicht.

Was in meinen Teens und Twens noch Sturm- Drang- und Versuchsanläufe mit eher langwierigen Scheiterungen waren, hat seit dem Drehen der 3 und dem Ende meines letzten Desasters definitiv an Leichtigkeit und wohl auch an Blödheit verloren. Denn seien wir mal ehrlich: Besonders smart ist das zufällige Zusammenkommen nicht. Wir suchen heutzutage unsere Autos besser und gewählter aus, als unsere Lebenspartner. Würden wir ein Auto genauso kaufen, wie den Menschen mit dem wir unseren Alltag formen wollen, würde das vermutlich so aussehen:

Wir treffen uns mit Freunden und gehen zu unseren Lieblingsaktivitäten und schauen uns dabei jedes Mal an, welche Autos so im Freundeskreis gefahren werden. Und irgendwann gefällt uns eins so beim kurzen Angucken und einmal Mitfahren spontan so gut, und das kaufen wir dann auch. Blöd bloß, dass man ein gekauftes Auto ohne weiteren Schaden weiterverkaufen kann; bei einer Partnerschaft ist das dann leider mit Tränen, fliegenden Fetzen und Scheidungskatzen verbunden (mit Glück). Mit anderen Worten: Die meisten Menschen glauben an die Funken die fliegen, das Feuerwerk beim ersten Kuss und ignorieren dabei gänzlich die Realität, dass auch ein guter Küsser tief drin ein Mensch sein kann, den wir nicht länger als ein paar Jahre ertragen (wenn überhaupt), weil er vielleicht Angewohnheiten oder Ansichten hat, die uns eigentlich grundsätzlich gegen den Strich gehen. Und anstatt das vorher gründlich auszuloten, wird immer öfter schon nach kürzester Zeit der Bund der ewigen Verdammnis geschlossen und später, war man so blauäugig keinen Ehevertrag abzuschließen, teuer wieder aufgelöst.

„Aber Kueken! Wo bleibt denn da die Romantik?!“ schreit es da aus der hinteren Reihe. Ja, gut, dass du da hinten sitzt. Glaubst du, dass nach fünf Jahren jeder Tag Romantik ist? Dass Romantik dir hilft, wenn das Kind aus der Kita das erste Mal Kotzeritis mitbringt und ihr alle drei (oder vier oder fünf) am liebsten gleichzeitig über der Schüssel hängen würdet? Nein. Dann hilft ein gemeinsamer Humor, grundsätze wie Zusammenhalt, gegenseitiger Respekt, Kommunikationfähigkeit, gleiche Werte in der Kindererziehung und eine ähnliche Haltung zur Medizin. Aber nicht Romantik.

Was mit der Romantik jedoch kommt, ganz unseren Hormonen geschuldet, ist die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, wenigstens so lange, bis das daraus biologisch vorgesehen entstandene Nachwuchswesen naturgemäß selbstständig ist (4 Jahre alt).

Da ich nunmehr zynisch feststellen muss, dass diese Kompromissbereitschaft offensichtlich mit zunehmendem Alter und -Erfahrung abnimmt und mir Menschen, die sich nicht melden, nicht wissen, was sie eigentlich wollen, ihren Stock nicht aus dem Hintern kriegen, rumeiern, sich gerade erst von Mutti und Vati losgesagt haben, Fahrräder mit Sternchen drauf fahren, keinen geraden Satz sprechen geschweige denn schreiben können oder an emotionaler Konstipation leiden einfach nicht gefallen… habe ich definitiv keinen Bock auf Nähe.

Ich verbringe also Weihnachten mit meiner Familie und meinen Freunden. Ohne Kompromisse.

Schöne Feiertage!