kuekensalat

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„Hi, ich bin der..“ „AAAAH! RAUS!“

Beim Onlinedating ist die Verschleierung der eigenen Identität mit ein Grundprinzip. Denn man will ja nicht, dass alle B.Orings dieser Welt anfangen, einen zu googlen um alle intimen Geheimnisse zu kommentieren („Ach, du hattest mal Genitalherpes? Interessant.“), permanent anzurufen (siehe Marten, der Wunderbare) oder einen nicht zuletzt unangekündigt zu Hause zu besuchen (*kreisch*).
Dennoch passiert es oft genug, dass man eine  Information unbedacht weitergibt, die einen dann entlarvt – und prompt hat man den Salat.

Am Abend höre ich noch: „Ach, ich chatte mit so nem Typen, der ist Journalist. Aber ich weiß noch nicht, ob ich mich mal mit dem Treffen will. Ich hab den mal gegoogelt. Scheint alles zu stimmen, was der so erzählt.“ von Mona, die mir, leicht gelangweilt, ein Glas Wein reicht.

Am nächsten mittag schon ändert sich allerdings das Blatt, als ich Brittas Stimme durch das Haus schallen höre: „MOOONAAAA. Hier ist jemand an der Tür für dich!“
Ich stecke, neugierig wie ich bin, den Kopf aus meinem Zimmer und beobachte eine Szene, die mich stark an einen Luis de Funes Film erinnert, mit Slapstick und allem. Während Tim, Monas Ex-Freund und Vater ihres mit uns im Haus lebenden Kleinkindes, unten besagtes Kleinkind wickelt, trabt ein mäßig attraktiver Anfangvierziger die einfache Holztreppe zum ersten Ökostock hoch. Sein Gesicht verrät angespannte Erwartung und leichte Verwirrung ob der Umgebung, in seiner Hand erkenne ich grob eine Weinflasche.

Doch anstatt der überraschten Begeisterung zeigt Monas Mimik nur überraschte Entgleisung. Und statt „Oh wie schön!“ kommt: „Oh MEIN GOTT. Was TUST du hier??“

Der arme Mann ist sichtlich verwirrt und streckt hilflos die Weinflasche entgegen, was Mona dazu nutzt, seinen Arm zu packen und ihn quer über die Diele zu zerren, zur Dachbodentür.

„Nein, nein, nein. Oh nein, das geht gar nicht! Du MUSST jetzt SOFORT gehen!“ sagt sie bestimmt, während der Journalist hilflos, stumm und offensichtlich total geschockt auf Socken hinter ihr her rutscht. Sie reißt die Tür zum Dachboden auf und schiebt ihn durch den Eingang.  „Nein. Raus. Jetzt.“ Die Tür schließt sich hinter beiden mit einem aussagekräftigen Rums. Ich denke daran, dass Malte und Lennart gerade Maurerarbeiten auf dem Dachboden verrichten und der arme, verwirrte Mensch gerade noch auf Socken war.

Eine Sekunde später höre ich unten das Geplapper von Tim und klein Mathis. „Keine Sekunde zu früh,“ denke ich.

Keine zehn Minuten platzt Mona in mein Zimmer: „BOAH!“

Ich fahre herum vom Schreibtisch und glänze sie erwartungsvoll an.

„Hast du das MITGEKRIEGT?“ Sie hat rote Wangen, atmet schwer und hinter ihr fährt in der offenen Tür Mathis auf seinem Dreirad vorbei. „Ansatzweise.“ sage ich vage.
„Der hat mich gegoogelt! Der hat – warum war der hier? Oh mein Gott! Der hat mich gegoogelt und unsere WG gefunden über die Internetseite! Und als ich vorhin schrieb „Ich geh jetzt übrigens Mittag essen!“ fühlte der sich eingeladen und dachte, er könnte hier einfach so mir-nichts-dir-nichts vorbeikommen! Was soll das denn bitte? Und dann steht der da! Mit dem Vino in der Hand! Ich hab den einfach nur gepackt und rausgeschoben auf den Dachboden, das war innerhalb von drei Sekunden. Ich hab nur gedacht: Oh Gott! Was mache ich? Der muss WEG!“

Sie gestikuliert und ihre langen, blonden Locken wuseln wild um ihren Körper.

„Und dann stand der da grad mit den Socken im Mörtel und ich hab fast Malte von der Leiter geschubst, der hat sich total beschwert, aber ich hab den total ignoriert. Und dann stand der Mann da auf Socken im Mörtel auf dem Dachboden und ich sage ‚Du musst sofort raus!‘ und er guckt mich an und fängt fast an zu weinen und sagt ‚Aber ich weiß doch gar nicht wo ich bin‘.“

Ich gucke sie an und während mir die Absurdität der Situation richtig bewusst wird, fangen wir beide an, schallend zu lachen. Über die Situation, über den dummen, dummen Mann der hier einfach so auflief, ohne das zu kommunizieren, über diese Luis-de-Funes-Film im heimischen Ökohof.

In einer Atempause setzt sie nach: „Und dann stehen wir unten! Und er sagt ‚Wo sind denn meine Schuhe?'“  Ich weine mittlerweile vor Lachen und ringe um Luft. Sie sagt: „Und da hab ich die geholt von vor der Tür und ihm zugeworfen.“

Ich stelle mir vor, wie der arme, verwirrte Mann mit Mörtelsocken unten in dem halbfertigen Türbogen steht, herumgezerrt und orientierungslos mit seiner billigen Flasche Weißwein und vor ihm lieblos die Schuhe auf den Beton klatschen.

„Hahahaaaa.“ sage ich und atme quietschend ein. „Und dann hab ich die Tür zugeknallt und bin gegangen.“
Ich fiepe hilflos und sage dann: „Du bist echt die Größte. Und jetzt?“

„Jetzt schreibe ich ihm und gucke mal, ob er noch mit mir spricht. Aber ehrlich mal, wie blöd muss man sein! Unangekündigt und der weiß doch, dass Tim hier wohnt und wir den Deal haben, niemand neues gleich mit her zu bringen. Idiot.“
Einen Moment herrscht eine Schweigeminute für seine Idiotie, dann brechen wir wieder in Gelächter aus. „Aber ich weiß doch gar nicht wo ich bin.. und wo sind meine Schuhe?“ zitiert sie, während ich mir auf die Schenkel klatsche.
Eine Stunde später erfahre ich, dass sein einziger Kommentar dazu war: „Bin wieder zu Hause. Brauche jetzt erst mal Bier.“

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Penis – hihihi

Soundtrack: Kraftklub – Ritalin

Der größte Vorteil meiner WG ist mit Sicherheit die Anzahl surrealer Momente, die ich in ihr genießen darf. So passierte es heute morgen, dass ich vom harmonischen Summen des Staubsaugers in der riesigen Diele direkt vor meiner TÜR geweckt wurde, an meinem freien Tag, weil Mona sich meinen freien Tag nicht merken kann und dankenswerter Weise ihren Putzanfall hatte. Also dankenswerter Weise, weil sie in der Regel die einzige ist, die einen solchen Anfall hat und damit alles hier am Laufen hält. Was bedeutet, dass ich ausziehen muss, wenn sie geht.. aber das ist ein anderes Thema.

Den ersten Kaffee im Anschlag sitzt sie mir gegenüber in der Küche und fragt plötzlich:

„Sag mal Lampe.“

Eine Sekunde denke ich an die blöden Witze, die wir in der Grundschule immer gerissen haben mit unseren kieksigen Kinderstimmen: „Sag mal Lampe!“ „Lampe.“ „Deine Mutter ist ne Schlampe! Hihihihihihi.“ Ich sag’s trotzdem.

„Lampe.“

„Wo war deine Zunge gerade?“

Ich denke nach. HÄ? Wo meine Zunge war?

„Vorne an den Zähnen.“ Ich stecke mir unelegant einen Finger in den Mund um auf den Punkt zu zeigen und sage: „Ha.“

Sie setzt nach: „Eher links oder eher rechts?“

„Links.“ antworte ich und frage mich was sie eigentlich von mir will und welche schrägen Zusammenhänge jetzt kommen. Habe ich gerade unbewusst geäußert, dass ich linkspolitisch bin oder lesbisch oder vielleicht meine Zähne linksrum putze?

„Interessant.“ sagt sie nachdenklich. „Bis jetzt habe ich nur Leute getroffen, die die Zunge dabei links hatten. Ich bin da gestern mit Sören drauf gekommen.“ (Dem Onlinedatingtypen, mit dem sie seit Wochen telefoniert, by the way.) „Und er meinte, er würde seinen Penis auch links tragen. Bist du Rechtshänderin?“

Und da ist es wieder, das Pfeifen im Hintergrund, das zu jeder surrealen Situation dazu gehört. FIIIIIEEEEP. Vielleicht ist es auch nur meine geistige Nulllinie.

„Was?“

„Naja, Sören hat die Theorie, dass alle, die ihren Penis links tragen, auch beim L die Zunge links haben. Aber vielleicht hat es auch mit der aktiven Hand zu tun. Wenn ich eine Doktorarbeit schreiben müsste, wäre das mein Thema.“

Ich nicke dämlich und denke dann, dass es auch schon bescheuertere Forschungsthemen gab in der Geschichte der Wissenschaft.

Jetzt also die Frage an die geneigte Leserschaft… wo habt ihr euren Penis, bzw. welche ist eure aktive Hand und wo sprecht ihr das L?


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Der Milchaufschäumer

Zu den neuen Errungenschaften unserer WG gehört ein elektrischer Milchaufschäumer. Nur weil wir Ökos sind, muss man nicht auf Komfort verzichten, scheint das Gerät von der Anrichte zu schreien. Einsam zwischen die hässliche, klobige, alte und zu allem Überfluss auch noch weisse Kaffeemaschine mit Omablümchen und die Bohnenmühle gequetscht herrscht das neumodische Designgerät Aufmerksamkeit heischend.

Leider ist Milch darin angebrannt und weder Mona noch ich wissen, wie wir das Scheißding wieder sauber kriegen sollen.

Unmutig stehen wir davor und glotzen in den Topf.

„Moment!“ sage ich, greife nach dem Spüli, tropfe einen Tropfen rein und stelle das Ding wieder an.

„Geile Idee.“ sagt Mona, guckt rüber zum Spüli und packt die Flasche.

Während sie einen großzügigen Schuss dazugibt, erklärt sie: „Da wo ich früher gewohnt habe, hat mal jemand Waschmittel in den Brunnen geschüttet über Nacht. Das war geil.“

Gebannt verfolgen wir das Rotieren und leise Summen des Quirls im Topf, aber nichts passiert.

Ich sage: „Da hätte ich jetzt aber mehr erwartet.“

Sie nickt zustimmend. „Ja. Scheiß Ökospüli.“