kuekensalat

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Dreieinhalb Jahre

„My fingertips are holding onto the
Cracks in our foundations,
And I know that I should let go,
But I can’t
And every time we fight I know its not right,
Every time that you’re upset and I smile
I know I should forget, but I can’t“

Du bist der golden Boy, der Sheldon unter den Partypeople, der Mathematiker, Theoretiker und Querdenker. Du bist kein Träumer, sondern ein Erfinder und Sensoren sind dir weniger rätselhaft als Gefühle. Als du vom Fahrrad absteigst und mich mit einem honigweichen „Hallo!“ begrüßt, werde ich nich von einem Pfeil, sondern von einem Medizinball getroffen, so geistig umnachtet benehme ich mich.

Du bist stumpf und ich flirte so offensiv, dass sich unsere Freunde schämen, aber erst als ich dir einen Kuss aufdrücke, verstehst du, worum es mir geht.

Wir sind so verschieden, dass es weh tut. Du machst, ich bin nur in meinem Kopf, du bist durchtrainiert und isst so viel, dass mir beim Anblick schlecht wird, ich zähle Kalorien, weil ich muss um Normalgewicht zu halten. Du bist Legastheniker und ich studiere Englisch, du bist einfach so und ich zweifle an allem. Du diskutierst aus Spaß und ich um Leben und Tod, du sparst und ich kann nicht mit Geld umgehen, ich habe eine Style und du gehst mit deinen Eltern einkaufen. Du baust Roboter und ich hänge Regale schief auf. Du lernst wochenlang seitenlang Gleichungen und ich schreibe meine Bachelorarbeit in fünf Tagen weil ich ein Motivationsproblem habe bis ich ein Zeitproblem habe. Dein Sommerjob ist als Elektriker im Theater und ich reiße Tickets ab im Kulturverein. Du spielst Badminton und ich tanze auf Bühnen. Du hast keine Lust auf drei Praktikumsmonate in Bremen und ich möchte am liebsten in Australien zu Ende studieren und wenn ich meine praktische Malereiprüfung habe, verstehst du nicht, warum ich in den zwei Wochen nicht ein Wochenende mit deinen Eltern verbringen will, sondern malen. Ich male dir ein Bild und du schmiedest mir einen Ohrring. Ich liebe Loriot und du Mario Barth und dein Auto finde ich spießig und du hasst, dass ich so unordentlich bin.

Wir haben einen gemeinsamen Freundeskreis, schauen dieselben Filme und fahren auf Festivals zusammen, machen Radtouren und kleine Urlaube, besuchen deine Eltern und organisieren Geburtstagsparties. Wir streiten uns. Du verstehst nicht, was mich bewegt, du funktionierst so anders, dass ich nicht verstehe, wie du so anders sein kannst und in all dem Anderssein ist das Gemeinsamsein nur ein Teil. Wenn ich ein Problem habe, habe ich das Problem und auch wenn es dich betrifft, ist es ja mein Problem spricht der Logiker und ich werde stumm, denn logisch denken kann ich und erkennen, wann jemand mich abweist, kann ich auch.

Und wir streiten. Streiten um das Essen, um gemeinsame Abende, um mangelnde Rücksicht, weil wir nicht gemeinsam in den Urlaub fahren und weil du mein Tanzhobby blöd findest und weil du eifersüchtig bist, aber zu stolz das zu sagen und mir lieber das Wochenende verdirbst, und weil ich eifersüchtig bin und du das albern findest und wir uns jetzt so gut kennen, dass jeder Schlag sitzt.

Heute tanze ich auf deiner Hochzeit, du hast den Verlobungsring selbst geschmiedet und deine Schwägerin nennt deine Frau immer noch „die Neue“ obwohl sie schon seit sieben Jahren da ist und ich schaue sie strafend dafür an. Ich hänge mit unseren Freunden ‚rum und wir alle machen Partyselfies mit deinem Bruder und bescheuerten Kostümen und am Ende der Nacht erinnere ich mich daran, was du mir sagtest, als ihr zusammenkamt: „Es ist schön, dass sie so leidenschaftslos ist was viele Themen angeht, so streiten wir uns nie.“ Und wie ich lachte und du nicht verstandest, was ich so lustig daran fand. Und wie du danke sagtest, als wir uns letztens mal wieder mit unseren Freunden trafen, für alles, was du aus unserer Beziehung gelernt hast, damit diese Ehe jetzt funktioniert. Und ich dir danke sagte für alles, was ich von dir lernen durfte, über Menschen, über Logik, über mich.

Und ich erinnere mich an die Erkenntnis, dass Liebe eben nicht reicht, damit etwas funktioniert, aber nur weil es nicht funktioniert, hört sie auch nicht einfach auf. Es braucht ein paar Jahre, ein paar Gespräche, ein paar betrunkene Geständnisse, viel Verzeihen und sehr viel Geduld, bis einem klar wird, dass manchmal Loslassen viel schöner ist als Festhalten.

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Ein Kommentar

Dr. Eisenpimmes

Dem Internet zu folgern gibt es ungefähr eine Million untervögelte Männer, denen nur eins fehlt: Der Prostituierten-Bringdienst.

Also machen sie es sich zur Aufgabe, ohne Geld dafür bezahlen zu müssen oder sich überhaupt weit aus dem Haus zu bewegen, Frauen zu Cyber- Telefon- oder sonstigen spontanen sexuellen Handlungen zu überreden. Offensichtlich haben sie auch so viel Erfolg dabei, dass sie es immer wieder versuchen.

Dabei variieren die Anfragen in ihrer Bestimmtheit und Intensität. Von „geiles pic, bokc of CS?“ über : „Hallo. Ich bin XY, meine Hobbies sind bla. (…setze dreiseitigen Dialog ein…) Was suchst du hier eigentlich? Hast du Lust auf ein Abenteuer?“ zu „Ich bin ein devoter Mann. Kannst du mich dominieren?“

Überflüssig zu sagen, dass meine Glückseligkeit über die Blocken-Funktion zu solchen Zeiten ungeahnte Höhen erreichte.
Es gibt natürlich, ohne da jetzt hinter dem zu Berg halten und die Frauen als das schwache, unschuldige Geschlecht darstellen zu wollen, auch Frauen, die da drauf stehen. Mona gehört eigentlich nicht dazu. Aber irgendwie landet sie gelegentlich in Situationen, in denen Männer was anderes wollen, als sie. Oder sie einfach zu spät merkt, dass sie sich nicht auf einem DATE sondern auf einem „Date“ befindet.

Es klopft an meiner Zimmertür. Auftritt Mona.

„Ich hatte heute keinen schönen Tag.“ fängt sie an mit einem weinerlichen Unterton in der Stimme und ich hebe fragend eine Augenbraue. Oh-oh.

„Ich hatte ein Date in der Mittagspause.“ fügt sie, semi-erklärend, hinzu.
Mir schwant Böses.

„Ich dachte, du wolltest keine ‚Dates‘ mehr in der Mittagspause.“ sage ich, leicht vorwurfsvoll.

„Njaaaaa, es war ja auch nicht so geplant. Oh Mann, ich hab gestern noch drei Stunden mit dem geskyped und der war total toll. So witzig und alles. Und sah wirklich gut aus!“ sie bekommt einen leicht verklärten Gesichtsausdruck, der dann sofort einem Ausdruck der maßlosen Enttäuschung und Seelenpein weicht.

„Aha.“ sage ich misstrauisch und male mir im Kopf schon alle möglichen, furchtbaren Szenarien aus. Ist es jetzt doch passiert und ich verbringe meinen Abend auf dem Polizeirevier als seelische Stütze??

„Jaaaa.. und dann haben wir uns getroffen bei ihm. Und der war auch in echt so nett und so und alles total super. Wir haben ja auch schon länger geschrieben. Und dann haben wir so’n bisschen rumgeknutscht.“ sie wirkt fast verlegen.

„Oh oh.“ sage ich mit einem strafenden Unterton. „Ich ahne, wohin das führt.“ Für etwas wirklich schlimmes ist sie noch zu ruhig… Ist das Kondom geplatzt? Hat er einen Fußfetisch?

„Neinnein!“ sagt sie bestimmt und fügt hinzu: „Du ahnst es nicht mal im Ansatz! Da knutschen wir und ich will WIRKLICH nur mal seinen Bauch sehen und da holt der tatsächlich sein Ding raus und dann ist da so ein – da ist so ein – da war so ein DING DRIN! METALL! RIESENGROSS!“

Ich stutze. „Du meinst ein Piercing?“

„Jaaaaa!“ sagt sie mit Nachdruck und gestikuliert wild „Und das war SO eklig! Das ging gar nicht! Mitten an der besten Stelle! Und riesengroß!“ Ihre Finger zeigen mir einen Ring von fünf Zentimetern. „Warum tut man sowas?!“ Sie sieht aus, als hätte jemand ihr den Lolly weggenommen. Ich verdränge diesen Vergleich sofort wieder.

Ich zucke die Schultern, leicht hilflos.

„Jaaaaa, und dabei war der so nett und auch alles toll, aber das – boah, ich konnte meinen Gesichtsausdruck auch nicht verbergen. Das war echt widerlich. Und dann meinte der so: Ist doch nicht so schlimm. Und ich meinte so: DOCH! Ist es ja wohl! Das kann ich ja wohl noch selbst entscheiden, was ich schlimm finde! Und dann musste ich gehen.“

Ich stelle mir vor, wie der Mann voller Stolz sein krasses Dingsbums da präsentiert und erwartungsvoll auf den Aufschrei der Entzückung und die üblichen Fragen wartet, wie „hat das weeeehgetan?“, die er dann mit eisenharter Gelassenheit beantworten kann: „Nein, Baby.“ und stattdessen innerhalb von drei Minuten mit offener Hose und dem gepiercten Pimmes allein auf dem Sofa sitzt.

Großes Kino.

Am nächsten Morgen schlurfe ich in die Küche und sehe Mona mit Mathis am Tisch. Ihre Augen werden von einem bläulichen Schleier untermalt.
Sie guckt mich glasig an. „Ich bin traumatisiert.“

„Wovon?“

„Ich hab vom METALLPIMMES GETRÄUMT!“

Für einen kleinen Augenblick habe ich Mitleid.