kuekensalat

Dieser Blog ist total wichtig.


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Echt

Ich habe dich gesehen, und ich dachte, du wärest echt.  Und jetzt gibt es uns und eigentlich gibt es uns nicht. Denn vor lauter Angst davor, dass etwas Leichtes echt wird und weniger leicht, aus lauter Vergangenheit voller Menschen, die nicht ich sind und die nicht jetzt sind, machst du lieber nur etwas Trauriges aus dem, was stattdessen echt sein könnte.

Du hast Angst davor, etwas zu verpassen, nicht richtig eskaliert zu sein, dich nicht ausgelebt zu haben. Und anstatt los zu gehen, zu eskalieren und dich auszuleben – hast du wieder Angst. Willst nicht loslassen, was da ist – obwohl es erklärt nichts ist.

Du sagst „Ich will keine Beziehung.“ und ich sage: „Was ist denn hieran keine Beziehung?“ und du – du schweigst. Weil du kein Lügner bist.
Und trotzdem hast du Angst, dass wenn du es so nennst, dein Gehirn einen mysteriösen Wunderschalter umlegt und alles, was bis hierher großartig und schön war, auf einmal nur noch erdrückend und eng wird. Angst, dass ich mysteriöse Eifersucht und Kontrollwahn entwickle, Angst, dass ich dich morgen in einem weißen Kleid vor den rosengeschmückten Altar schleppe und dir mit vorgezogener Waffe das „Ja, ich will“ aus den Lungen presse, augenblicklich Drillinge gebäre und dich dazu zwinge, mit mir Vorhänge auszusuchen. Dabei sind mir Vorhänge total egal.

Und auch wenn es sich anfühlt wie sterben, lasse ich dich gehen.

Jetzt kannst du tun, was ich schon hinter mir habe. Du kannst eskalieren und dich ausleben. Du kannst dich betrinken um morgens am See gefühlt tiefgefroren mit nassen Füßen und einem Lappen im Gesicht wach zu werden. Du kannst mit irgendwem irgendwann in irgendein Bett sinken und dich am nächsten Morgen hundeelend in deinen verräucherten Klamotten aus der verpekten 5er WG schleichen und versuchen, während des Nichtkotzens nicht in Kotze zu treten. Du kannst am Joint am Eingang ziehen, hinter den Klos ohnmächtig werden und dann von den Bullen mitgenommen werden. Du kannst ganz allein bekloppte Dinge tun, dich tätowieren lassen und dir die Haare abrasieren. Du kannst alleine reisen und tausende von Leuten kennenlernen, die du auf Facebook addest und irgendwann mit dem Gedanken „Who’s that?“ wieder löschst. Du kannst in Strip Clubs gehen und den Mädels Geld in den String stecken und dich eklig fühlen und du kannst die Kleine an der Theke kennenlernen und am Ende des nächsten Abends vom mittelmäßigen Sex halbwegs gesättigt auf ihrem Bauch einschlafen. Und dann wirst du feststellen, dass eskalieren geil ist und wie sehr es befreit, sich auszuleben. Und du wirst eine ganze Zeit nicht genug davon bekommen. Und du wirst lange denken: „Das, das hier wollte ich.“

Es dauert nur einen Augenblick, nur eine Nacht, nur eine Zeit und dann ist es wieder vorbei und die Namen verschwimmen und die Nächte bleiben als Teppich aus Dunkelheit, Lichtern und Erinnerung zurück und werden immer weniger, was du brauchst, obwohl du sie vielleicht noch willst.

Und dann wachst du irgendwann neben ihr auf und wünschst dir, diese hier würde bleiben. Diese hier würde es meinen, wenn sie mit dir schläft. Diese hier würde es fühlen, wenn sie dich anlächelt, diese würde sich wirklich für dich begeistern.

Wünschst dir, so wie ich es mir jetzt wünsche, diese hier wäre echt.

 

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Es könnte alles so einfach sein…

Juni. Es ist manchmal warm und eigentlich will ich mich ja schon seit Wochen abmelden, weil es auf dieser schäbigen, freien Internetplattform ohnehin nur Kruppzeug gibt, das einem dreimal dieselbe Nachricht zur Kontaktaufnahme schickt – im Abstand von zwei Wochen.

Und dann – eine Nachricht, intelligent, anständige Rechtschreibung, netter Anschrieb – BÄM.

Es wird gesprochen, länger, mehr Nachrichten.

Playlists werden ausgetauscht und für annehmbar bis gut befunden. Es folgen spannende Diskussionen mit philosophischem Inhalt. Nach zwei Wochen Textmekka wird klar: Es muss ein Treffen passieren, selbst wenn man eigentlich die Nase voll hatte von Blind Dates, selbst wenn die Attraktivitässkala keinen gesteigerten Auswurf abgibt beim Betrachten des Profilbildes, mehr als ein: „OK“ kommt da nicht.

Aber die geistige Ebene stimmt, die Musik stimmt, die Filme, Kunst, Kultur, Vorstellung davon, wie eine Beziehung zu sein hat – alles scheint wie von Geisterhand festgeschrieben im Gewebe der Welt um diesen einen Menschen hervorzustricken.

Fünfzehn Uhr, es ist warm, aber bald soll es regnen. Ich denke, ich könnte underdressed sein, wärmetechnisch. Auf den letzten Metern zum Treffpunkt verschmilzt das Bild mit dem echten Bild: Groß, lockiges Haar – jedoch nicht blond, sondern grau, das etwas schräge Lächeln weniger charismatisch als schräg, die Hände mit langen, schmalen Fingern und er, der bisher so farbenfroh und spannend klang wirkt auf einmal wie ein ausgebleichtes Polaroid.

Und so folgt am Ende des Dates, das doch ein paar Stunden dauert, denn man kennt sich ja, auch ein zweites. Und auch ein drittes und dann die Erkenntnis:

Es könnte alles so einfach sein. Isses aber nicht.

Und egal wie sehr man will – wenn es nicht kribbelt, dann hilft auch keine Ahoibrause.

 


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The Train Song

Intro: Ich im Zug.

Man lächelt, zu scheu, den anderen anzusprechen. Könnte ja awkward werden, wenn man jeden Tag zusammen zur Arbeit fährt und nen Korb kassiert hat.

Dann, irgendwann der absichtlich später genommene Zug, die erste Kontaktaufnahme, Nummern austauschen, Date abmachen. Alles kribbelt, ich sehe aus wie ein Lobster.

Erste Strophe: Prima. Etwas seltsam, dass der junge Mann bereits auf die Idee kommt, es sei ja ungewöhnlich, dass so eine große Frau sich für einen Mann seiner Statur (etwa 10cm kleiner) interessiere. Ich zucke die Schultern. Wayne.

Zweite Strophe: Mir wird das Statusfahrzeug vorgeführt. Der Spaziergang am Meer featured heißen Tee und seltsame Geschichten über erste Lieben. Es bleibt irgendwie spannend.

Chorus: Mir wird immer mehr klar, dass der Mann meine Aussage „Ich habe wenig Zeit.“ nicht ernst nimmt. Blöd für ihn, meine Mädels haben gerade Abitur geschrieben, das muss halt eben korrigiert werden und dauert seine Zeit und nein, da ist eben dann kein spontaner Tagesausflug drin. Sorry. Ja, finde ich auch uncool. Und jetzt hör auf, mir indirekt Vorwürfe zu machen – wir kennen uns seit zwei Wochen!

Dritte Strophe: Wir treffen uns wieder und es ist wirklich nett, ich erfahre Dinge, die mich interessieren, scheine gleichzeitig ein exotisches Wesen Frau zu sein, das nicht eifersüchtig, tyrannisch, hysterisch ist. Was ist da los? Will ich das ausbaden?

Vierte Strophe: Ich auf dem Wege zu einer Hochzeit und tadaa, es gibt halbnackte Fotos vom Strand mit der Ansage: Wär so schön, wenn du da wärst. Ja, okay. Hilft halt nix. Auf Hochzeiten ist das Handy abgemeldet, doch anscheinend hat Herr das nicht mitgekriegt, denn obwohl man nicht mal liiert ist, erfahre ich zornige Nachrichten in der Nacht. „Dein Ernst?“ Ja. feiern ist mir ernst.

Refrain: Und dann kommt das Mimimi, denn ich schreibe nicht Guten Morgen oder Gute Nacht, ich schreibe ohnehin recht wenig, denn was soll ich sagen, ich stehe nicht auf Stress. Und ich auf einer Ausstellungseröffung und er: „Ich hasse mein Leben, Beziehungen kann ich nicht.“ und meine Eierstöcke: „Wuuuuuaaaaaaahhahhh…“ Und ich so zu meiner Besten: „Wuuaaaaaaaahhh..“ – endlich sind meine Eierstöcke und ich uns einig.

Fünfte Strophe: „Wir müssen reden.“ – „Unsere Kommunikation gefällt mir nicht.“ „Nein, nicht darüber…“ Und dann: Tränen, Gefühlsausbrüche, Opferrolle „Aber alle anderen wollen sich nur schminken und sind Tussis und ich will nicht mehr allein sein.“ Und ich so: „Das ist das Problem. Du willst nicht mich, du willst irgendeine Beziehung und ich will nicht irgendeine Beziehung. Ich will einen Partner in Crime.“

Sechste Strophe: „Ich habe ein Lied für dich aufgenommen. Bitte lies nur diese eine Nachricht, hör diese eine Aufnahme noch.“ „I’m sorry, but no.“ „Aber wir haben uns doch so gut verstanden.“ Ja, das reicht aber nicht. Ich kann dich nicht glücklich machen, glücklich musst du schon alleine sein.

Outro: Ich, im Zug. Es ist awkward.


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Du bist nur am Essen! 

Ich, nichtsahnend an meinem Baumstriezel kauend, latsche nach der standesamtlichen Trauung meiner Freunde mit ihnen – wie gewünscht – über den örtlichen Mittelaltermarkt, da quakt mich von links ein Mitglied unserer Truppe an: „Ey, du bist auch nur am Essen!“

Mir gefriert der Bissen im Mund und vor meinem inneren Auge spielt sich ein hammerharter Flashback ab. Ich, 17, auf der Hochzeit von Verwandten, schiebe mir verstohlen das dritte Sahnestück Hochzeitstorte zwischen die Kiemen und hoffe, dass mich niemand dabei beobachtet. Denn Essen, ja, Essen. Essen ist einerseits auf Hochzeiten „erlaubt“, andererseits ja aber grundsätzlich „schwierig“; schließlich habe ich quasi kein Sättigungsgefühl und aus der heutigen Perspektive auch definitiv keine Ahnung, was sich da so summiert. Die Waage hat nicht umsonst kürzlich die dreistellige Marke durchbrochen. Also sitze ich hier, zwischen meinen Verwandten und während meine Oma mich sinnend anschaut und meine Großtante latent missbilligend (mit Recht) und ich auf meinem Stück Kuchen kaue, werde ich immer trauriger und die ganze Situation immer schlimmer, bis der Kuchen in meinem Hals wie Asche klumpt und ich das Gefühl habe, dringend raus und weinen zu wollen. „Du bist auch nur am Essen.“ kommt schließlich von meiner Cousine und sie fügt an: „Tanz‘ doch mal!“

Anders, als sie es gemeint hat, beziehe ich das natürlich maximal auf meinen dicken Hintern und meine Speckhamsterbacken und natürlich gehe ich nicht tanzen, denn meine Oberschenkel fühlen sich seit dieser Sekunde an, wie Schinken und alles, was ich noch schaffe, ist zur Toilette zu schlurfen und mich dort erstmal heulend eine halbe Stunde einzuschließen. Geile Hochzeit. Alle saufen und knutschen rum und ich sitze heulend auf dem Klo. Bravo, Francis.

 

Flash Forward:

Ich, 32, kaue weiter auf meinem Striezel und lache Rosa aus: „Ja!“ Klar esse ich die ganze Zeit, wenn sie mich sieht.  Wann denn sonst? Alleine in meinem Hotelzimmer oder was? Ich biete ihr ein Stück Striezel an. Sie lehnt dankend ab. Bleibt mehr für mich. Was Rosa nicht weiß: Ich hatte keine Zeit zu frühstücken, auf der Fahrt im Auto eine Banane und einen Apfel und mittags so Knast, dass ich dachte, ich falle über die Standesbeamtin. Als dann alle anderen sich nach der Trauung die fetten Blechkuchen reinhauten, hatte ich so Kohldampf, dass ein ganzes Blech Zucker nicht gereicht hätte und bestellte daher eine Ofenkartoffel mit Quark und Gemüse, die ich genüsslich zu zwei Dritteln verschlang. Rosa beobachtete mich dabei in der Tat. Klar sieht das mehr aus, ist es aber nicht. Und sechs Stunden später, nachdem ich im Hotel erstmal zwei Liter Wasser nachgefüllt und meine Dehydrations-Kopfschmerzen weggenickert hatte, war noch Zeit für Woche 15.2 vom Bodyweight Training (Scheiß Muskelkaterpausen) uuund wir sind gestern geschlagene 13 000 Schritte gelatscht. Da ist nicht nur Sau im Brötchen und ein Bier, sondern auch noch ein Striezel und ein Kaffee drin.

Und mir wird klar: Ich bin endlich ein glücklicher Mensch, Essen ist nur noch Spaß!

Und noch etwas wird mir klar: Die vielen dünnen Menschen, die ich jahrelang beneidete dafür, dass sie am Buffet das Tablett ultravoll hatten und trotzdem aussahen wie ein Strich in der Landschaft – die haben nämlich meist einiges, das ich von Natur aus erstmal nicht habe. Erstens: Ein angeborenes Sättigungsgefühl. Zweites: Keine Panik, dieses Essen zu „verpassen“. Drittens: Normalerweise im Alltag ein normales Essverhalten, so dass sich selbst solche Tage nicht maßgeblich niederschlagen.

Und tadaa – hab‘ ich jetzt auch. Der Moment, an dem ich feststelle, dass ich als schlank wahrgenommen werde und Menschen irritiert sind ob der „Mengen“, die ich esse.. das feiere ich heute ganz besonders.

KONFETTI!

 


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Von persönlichen Grenzüberschreitungen oder Wie man mit Neuschlanken über Gewicht spricht (und wie nicht)

Als ich fetter war, hatte ich oft diese total tolle Vorstellung, was denn die anderen sagen, wenn ich endlich dünner bin. Ich dachte dann in so lebensechten Szenen mit Geruch, Geschmack und definitiv Out-of-Character Wortlaut darüber nach, was die Lästerschwestern unseres Kollegiums, dann voller Bewunderung, nicht mehr sagen könnten, wie den Kollegen die Luft stockt und mein Exfreund, vor lauter Verzweiflung über die verpasste Chance mit so einer Schönheit zusammen zu sein, weinend am Boden liegt und sich die wenigen Haare rauft.

Es ist anders.

Wenn mich noch ein Kollege/eine Kollegin darauf anspricht, ob ich eine „Abmagerungskur in den Osterferien“ gemacht habe, laufe ich Amok. Als ob man diese Menge an Gewicht in zwei Wochen abnehmen könnte – und ich dachte immer, ich bin mit Akademikern zusammen.

Es ist natürlich sozial schwierig, sich dazu zu äußern und Menschen sind neugierige Tiere. Dennoch ist das, wie einer schwangeren Frau ungefragt die Hand auf den Bauch zu legen, eine Grenzüberschreitung, unhöflich und viel zu nah. Trotzdem fühlen sich viele allein durch die Tatsache, dass man herumläuft in ihrem Blickfeld und offensichtlich dünner aussieht dazu ermutigt, das zu kommentieren.

Und dazu jetzt die bahnbrechende Neuigkeit: Muss man aber nicht. Echt jetzt. Es zwingt einen keiner. Ich bin auch so total glücklich, ohne dass mir täglich irgendwer ungefragt sagt, dass ihm meine Körperform aufgefallen ist. Ehrlich.
Noch schöner wurde es dann ja, als Frieder erst lobte (durchaus nett gemeint, da bin ich sicher, auch mit der obligatorischen Einschränkung des „aber ich könnte das ja nicht weil hier irgendwelche Gründe einfügen, die mir völlig egal sind„), dann aber die Einleitung ins Verderben aussprach: „Aber mehr machst du doch jetzt nicht mehr, oder?“(1)

Ich daraufhin, ehrlich wie immer: „Doch, doch, ’n bisschen soll da noch, zwölf sind’s noch bis zum Gesundheitsgewicht.“
Und Frieder erst mit diesem seltsamen Blick des jetzt spinnst du aber und dann der Satz: „Das brauchst du doch gar nicht mehr, du siehst doch schon gut aus.“(2)

BOOOOOOOAAAAAAAAAAH… Zuckende Augenbraue reicht da nicht mehr.
„Was hat das Aussehen denn mit dem Gesundsein zu tun und ging es nicht gerade darum, was ich will und nicht ob ich das brauche? Und wer entscheidet das, du?!“(3) wollte ich sagen.
Stattdessen sagte ich: „Doch, doch, ich bin noch nicht normalgewichtig.“
Und was kam als Reaktion? Richtig, die „aber pass’ auf, dass du nicht magersüchtig wirst..“-Rede, gepaart mit dem „Manche Menschen sind einfach schwerer gebaut.“ und dem „Viele sehen mit mehr auf den Rippen besser aus.“ (4)

Manchmal überlege ich ernsthaft, ob ich die Haare wieder pink färbe oder vielleicht ein körperbedeckendes Tattoo organisiere, nur damit sie endlich einen Grund haben, mir gut gemeinte, überflüssige, demotivierende und schlicht dumme Ratschläge zu erteilen und sich ständig mit meinem Körper zu beschäftigen, als würde es sie etwas angehen. Denn das tut es nicht.

Und da der besagte Ex seitdem schon ein paar Jährchen her ist, ist mir mittlerweile auch völlig egal, was der dazu sagt.

Jetzt also der Ratgeber für alle, die mich gerne auf mein Gewicht ansprechen möchten:

1- Seid ehrlich, aber bleibt sachlich. Ist mir egal, ob ihr etwas dämlich fragt „Hast du abgenommen?“ (Offensichtlich, duh!) oder einfach fragt: „Darf ich dich ma was fragen? Wie machst du das? Warum machst du das? Was hat das ausgelöst? Was ist das Ziel?“ Ich beantworte ja gerne Fragen, aber ich möchte keine Pseudokomplimente oder übertriebenes Gushing. Ich bin jetzt dünner. Ja. Großes Kino. Aber in Anbetracht der Weltgeschichte wirklich kein großes Ding.

2- Wenn ihr über euer Gewicht konstruktiv mit mir reden wollt, dann bitte. Fragt ruhig, ob ich euch was empfehlen kann oder wie ichs mache oder was-weiß-ich, aber ich will keine „ich kann aber nicht -weils“ hören. Will ich nicht. Denn damit nörgelt ihr und verschwendet meine wertvolle Zeit. Nur weil ich stark abnehme, bin ich nicht als Seelsorger oder seelischer Mülleimer deklariert oder qualifiziert.

3- Ich will keine guten Ratschläge. Wenn ihr gerne kritisch mit mir diskutieren wollt, wie ich abnehme, dann formuliert es als „Ich habe aber gelesen/gehört, dass…“, dann diskutieren wir das total gerne. Fangt nicht an mit „Du darfst aber nicht.. weil..“. Verbote nehme ich nicht an, ich weiß, was ich tue und ihr seid nicht meine Mutter, mein Arzt, mein Chef oder irgendeine andere Autorität in meinem Leben. Seid ihr nicht.

4- Glaubt nicht im Ansatz, dass ihr einfach so darüber urteilen könnt, ob das gut, schlecht, zu viel, zu wenig oder irgendwas ist, dass ich abnehme. Mein Körper, meine Sache. Würdet ihr anfangen, eurem Nachbarn zu erzählen, wie scheiße sein Auto ist? Oder wie hässlich seine Frau? Nein. Weil es euch auch nichts angeht. Same thing.

 

In diesem Sinne ein kleiner Shoutout für alle Neuschlanken: Your body, your choice! Bleibt wild und wunderbar und ich wünsche euch die Schlagfertigkeit im richtigen Moment mal einfach den richtigen Spruch zu finden, falls nötig. Ansonsten gute Weiterreise zum Gesundheitsgewicht. 🙂

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(1) Wenn ihr das fragt, dann suggeriert ihr der Person folgendes: 1. Sie ist jetzt schon dünn. Wenn sie das offensichtlich nicht ist, sagt das über euch als Fragenden folgendes aus: a) ihr müsst blind sein oder b) ihr traut der Person nicht zu, das weiter durchzuziehen oder c) ihr seid neidisch und missgünstig und findet es scheiße, dass jemand, den ihr immer komfortabel als so ne Dicke neben euch wahrgenommen habt, auf einmal schlank wird und damit nicht mehr eurem Bild von ihr entspricht. Zieht euch den Stock aus dem Hintern und lernt echte Mitfreude, Leute. Eine Kerze brennt nicht heller, nur weil man die andere ausmacht.

(2) Gutes Aussehen mit dem gesunden Gewicht in Verbindung zu bringen ist auf mehreren Ebenen trügerisch. Erstens gibt es sowas wie persönliche Präferenzen und optische Gewöhnung, so dass dickere Menschen manchmal als attraktiver wahrgenommen werden. Zweitens hat das Aussehen mit meinem Ziel seit Beginn ganz ehrlich absolut überhaupt nichts zu tun gehabt und es reizt mich, wenn Menschen dieses komplexe und wichtige Thema nur auf die Ästhetik reduzieren. Das ist mir einfach zu niveaulos. Auf dem „Fettlogik“ Blog gab es jetzt einen Gastbeitrag, der das Thema Feminismus und Abnehmen bearbeitete. Darin finde ich auch den einen oder anderen Gedanken wieder, der mich hier bewegt hat. Wessen Zuständigkeit ist mein Körper? MEINE!

(3) Überhaupt der Meinung zu sein, mir, als Kollegin, mit der man de facto NICHTS zu tun hat, außer an einem Tisch im Lehrerzimmer zu sitzen und nie privat zu sprechen, sagen zu wollen, was ich brauche und was gut für mich ist – infam. Eine definitive Grenzüberschreitung jenseits von Gut und Böse. Siehe (2)!

(4) Wenn jemand das sagt, dann versucht er manchmal, schmeichelhaft zu sein und jemandem, der offensichtlich nicht magersüchtig ist, da er noch nicht mal wirklich schlank ist, zu suggerieren, er würde schon als sehr dünn wahrgenommen. Warum? Ich vermute widerum: Die Anpassungsschwierigkeiten, das Unvermögen die Disziplin anderer Menschen positiv zu wertschätzen, ohne sich deswegen schlecht zu fühlen.

Es gibt diverse Probleme mit diesen Aussagen. Erstmal sind sie diskriminierend, Magersüchtigen gegenüber, da diese an einer (meist sogar mehreren) psychischen Krankheiten und Symptomen leiden und diese Äußerungen eine so schwere Krankheit so lapidar verharmlosen, dass es weh tut. Zweitens redet so etwas jemandem weniger Standhaftem sofort ein, mit seiner Methode würde etwas nicht stimmen, er sähe krank aus und müsse sie überdenken. Mir hat das damals den ersten Abnehmerfolg komplett zerrömert, weil ich Angst bekam, durch meine starke Kontrolle tatsächlich obsessiv zu werden. Das war nicht so, ich muss einfach mehr kontrollieren als andere, und ich habe immer genau richtig gegessen, war noch nicht mal unter einem BMI von 24. Drittens spricht es einem gänzlich die mündige Eigenständigkeit ab. Ich wiederhole mich sonst ungern, aber ich sage es noch mal: Ich kann meine Waage lesen. Ich weiß, wie groß ich bin. Ich besitze einen Taschenrechner und mein Hausarzt weiß, wie ich aussehe. Thank you very much.


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Zwischenbericht – weniger dick!

Heute mal ein weniger sinnvoll durchstrukturierter Eintrag aufgrund von Korrekturzeiten und sowas.

Erstmal ein kleiner Rant:

Gestern hatte ich tollen Besuch aus Bremen und wir sprachen lange über unsere Diskussionsverdrossenheit was Dicksein und Übergewicht angeht. Ja, es stimmt, wir sehen nicht scheiße aus, sahen wir noch nie. Das macht den Speckgürtel trotzdem nicht gesund und dass Ärzte und andere Personen, die es eigentlich besser wissen müssten, nicht darauf herumharfen, dass man gefälligst abnehmen muss, haben wir gestern scharf verurteilt. Außerdem ist uns wiederholt aufgefallen, dass die Äußerung „Ich habe Übergewicht.“ bei vielen anscheinend so ankommt, als würde man Fishing for Compliments betreiben und sich damit schlechtmachen wollen. Ein echtes Problem! Wie soll man sonst sachlich und objektiv über das Thema sprechen?

Ständig kommt entweder

  • eine Rechtfertigung: „Also, toll, wie du das machst; Ich müsste ja auch, aber ich könnte das ja nicht.“

Ja. Was soll ich dazu sagen!? Schade? Schlecht für dich? Was habe ich, was du nicht hast?

  • oder ein Abstreiten der Tatsachen: „Neiiin, du siehst doch total super aus so! Du hast doch kein Übergewicht!“

Äh.. ich kann aber meine Waage lesen! Das spricht mir hier gerade de facto ab, dass ich dazu in der Lage bin, meine Waage zu lesen, bzw. dass ich schlich und einfach Augen im Kopf habe. Wie dreist!

Ja, wir sehen gut aus, sind gebildet, schlagfertig, interessiert und aktiv und ja, wir sind trotzdem zu dick. Was ist denn daran so schwer zu verstehen? Mein Gewicht definiert mich nicht, aber es wird von vielen Menschen als Tabuthema weggeredet, obwohl es uns gleichzeitig die ganze Zeit als Thema vor den Latz geknallt und damit völlig unnötig emotionalisiert wird.

Jetzt zu den Fakten:

Stand der Dinge: 85,4 kg, d.h. – 17kg, 13kg to go. Ich habe den Zenit überschritten! Weniger to go als gone! YEAH!

Maße: Brust -7cm, Taille -14cm, Hüfte -10cm, Oberschenkel -5. Formveränderung: unbeschreiblich.

Ich bewege mich an den meisten Tagen so um die 1000 kcal, halte Sport recht diszipliniert durch, habe den HAJ 10K gut durchgehalten und werde ab September für den Halbmarathon trainieren. Charles mit seiner Bodyweightfolter ist in Woche 15 (15.3 von 5 Trainings), weil ich nach Woche 15.1. so einen unfassbaren Bauchmuskelkater bekommen habe, dass ich erstmal vier Tage Bodyweightpause einlegen musste.

Nachdem ich die 88 erreicht hatte, habe ich kurzzeitig ein Motivationsdilemma erlebt, das zu wenig nachvollziehbaren Ausreißern nach oben führte, aufgrund schlecht geplanter Wasseraufnahme und viel zu viel Stress.

Mittlerweile geht’s aber und jetzt mokel ich hier vor mich hin, esse so viel wie ich Hunger habe und wenn am Ende des Tages nur 800kcal da stehen, then so be it.

Und zur WIESUALISIERUNG habe ich noch ein schickes vorher-mittendrin II Foto gebaut. Diesmal sogar mit Bauch.

 

Und damit bin ich – wohlgemerkt – noch nicht mal im Normalgewichtsbereich angekommen. Die sehr ungenaue Rechnung zum KFA sagt zwar, ich hätte 32%, was insgesamt schon als „Normal“ definiert wird und meine WHR ist auch „normal“, aber eben noch weit weg von wirklich gesund.  Also immer weitermachen. Ist schon großartig, wenn man selbst die Resultate sieht. 🙂

 


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Gut gemeint

Junggesellinnenabschiede sind immer ein bisschen wie die Hochzeit selbst in klein: Viele Menschen sehr unterschiedlicher Verbindung, Lebensphase und Grundeinstellung finden sich zusammen, um einer Person (oder einem Paar) eine Freude zu bereiten. Das muss nicht immer zwangsläufig für alle Personen eine Freude sein.

Wir, im Auto, auf der Fahrt nach Grevenbroich(1). Wir, das sind Elena (39), Rita (41), Rosa (25) und Francis, auch genannt Kueken (32), die ihren geliebten Kleinwagen chauffiert. Ich habe in der Gruppe den besonderen Status als S I N G L E. Das ist so ansteckend und gruselig, dass man am besten gar nicht darüber spricht, sich aber auf jeden Fall darüber erhebt, indem man bei jeder Gelegenheit betont, wie sehr man über Beziehungen Bescheid weiß oder mitleidig fragt: „Immer noch nichts?“(2). Andererseits sind die Damen ja auch neugierig und wollen immer die neuesten Drama Geschichten von mir und meinen Freunden hören. Ich also die Story von Mia und der Wohnung erzählt und hinterher auch gleich bereut.

„WAAAAS?“ platzt es aus Elena: „Also eeeeecht, ich wäre sofort rückwärts wieder rausgegangen und hätte ihm gesagt, dass er ja wohl eine Meise hat, sich einzubilden, dass sie bei ihm übernachtet, wenn sein Wohnloch so aussieht.“

„Hm.“ ist mein Kommentar.

„Naja,“ wirft Rita ein: „Wenn du denjenigen echt magst und er dich vorher besucht hat und so? Dann gehst du doch nicht sofort wieder und machst ihn fertig.“

Ich nicke empathisch.

„Naja, wenn sie es ihm gesagt hat, dann könnte er ja was dagegen tun, wenn sie ihn so gerne mag.“ wirft Elena nachdrücklich ein.

„Wie meinst du das?“ frage ich.

„Naja, er könnte sich ja einen Innenarchitekten nehmen und eine neue Wohnung anmieten und -“  Mein Gehirn macht kurzfristig einen Ausflug ins LalaLand. Als ich wieder zuschalte, schaut Elena mich erwartungsvoll an.

„Hm.“ sage ich wieder.

„Und bei dir?“ fragt sie dann und ich denke Alte, wenn du wieder mit deinem Lieblingsspruch kommst, halte ich an und – „Immer noch nichts?“

Ich widerstehe heldenhaft meinem ersten zuckenden Impuls, meinen Fuß volle Breitseite ins Bodenblech unter dem Bremspedal einzuprägen und Elena mit Anlauf aus der Beifahrertür zu treten.

Stattdessen atme ich tief ein und zähle von fünf auf minus fünfzehn rückwärts. Dann sage ich: „Nein.“

Rosa, mit der ich beim Losfahren kurz über Männer gescherzt und ihr meine Traumgestalt Evan, den 1,90m großen kanadischen Chris Hemsworth Lookalike vorgestellt hatte, piepst vom Rücksitz: „Franci muss erstmal Evan begegnen.“ Und grinst in schweigendem Verständnis für meine unliebsame Situation. Ich grinse auch, weil ich es lustig finde. Ich bin ja kein Idiot.

„Wer ist denn Evan?“ fragt Elena und ich muss es ihr erklären.

„Na, du bist aber anspruchsvoll.“ sagt sie hinterher. Ich denke an ihren Mann Paul; etwa einen halben Kopf kleiner als sie und Mister Bean nicht ganz unähnlich und habe wieder große Lust, ins Lenkrad zu beißen. Sie holt tief Luft: „Also wenn du dich schon so einschränkst, dann findest du ja überhaupt keinen, also größer als DU mit über einsachtzig, das ist ja..“

Ich gucke stur geradeaus mit einer Spock-Augenbraue und sage: „Ist ja nicht so, dass Rosa und Rita Männer hätten, die unter einsneunzig sind.“

„Jaaaaah, aber die sind ja schon vergeben.“  Ich rolle die Augen. Ja, als ob ich die gerne geschenkt hätte. Der eine ein unverbesserlicher Chauvi, der seiner Freundin alleine Party machen verbietet, der andere ein Klugscheißer, der mir erzählt, wie ich Joggen muss. Ich erinnere noch mal an meine Teilnahme am HAJ 10K die letzten beiden Jahre.

„Und du musst dich von deinem Beuteschema lösen.“ fährt Elena unbeirrt und sehr laut fort, „Wenn du dich darauf zu sehr versteifst, dann findest du keinen, hier passt doch keiner ins Beuteschema, hier hat doch keiner sein Beuteschema.. Rita, hast du dein Beuteschema geheiratet?!“

Rita vom Rücksitz: „Neeein. Gar nicht. Und es gibt viele Männer, die gerne größere Frauen haben!“

Und ich, ich halte diese unsägliche Schwachsinnsschwafelei nicht mehr aus und platze: „Euer Ernst? Haltet ihr mich für minderbemittelt, dass ich mit meiner Evan Schablone durch die Clubs renne und keinen nehme, der nicht so heißt? Und das ist ja gut möglich, dass viele kleine Männer das wollen. ICH will keinen kleinen Mann!“ Alle starren. In einer außerkörperlichen Erfahrung nehme ich wahr, wie mein Mund einfach weiterredet:  „Was ist denn so schwer daran zu verstehen, dass ich auch gerne einen großartigen, großen Mann hätte. Ich bin groß, meine Exfreunde waren alle kleiner, das hat mich immer genervt und ich möchte einfach gerne meiner biologischen Bestimmung folgen und einen großen, starken, lieben, gesunden, intelligenten Mann an meiner Seite, ist das so schwer nachzuvollziehen? Ich will halt wen Passendes! Zu hohe Ansprüche? Was ist das für ein Bullshit? Wenn es mir jetzt großartig geht und ich sehr entspannt alles mache was ich will, wieso sollte ich dann für irgendeinen Fraggle, der mich nicht begeistert meinen sehr befriedigenden Status Quo aufgeben? Ich will doch auch geliebt werden und nicht mangels Alternativen geduldet! Wer macht sowas?“

Ich schaue flüchtig in den Rückspiegel. Schweigen füllt das Automobil.

Und ich denke: Oh. OH. Ah. Haha. Ja. FETTNAAAAAAPF. Das ist ja die Runde derer, die Mr. Bean geheiratet haben oder jedes Festival heulend verbringen, weil Mr. Ichdarfalles wieder irgendeine Tussi angesabbert und sich so besoffen hat, dass er ausfallend wurde und bei jedem Gespräch darauf beharren, dass ja alles ok ist. Und ich denke so bei mir, vielleicht war das auch nicht wirklich der Angriff auf dich und deine Ansprüche, sondern doch eher die Verteidigung des eigenen Status Quo. Das Bewusstsein, seine eigenen Prinzipien über Bord geworfen zu haben, weil da halt gerade jemand war oder es keine besseren Alternativen gab oder man nicht allein sein konnte.

Vielleicht bin ich auch beziehungsunfähig, aber vielleicht ist auch irgendwo da draußen Evan und versteht diesen Blog nicht, weil er Kanadier ist.

 

 

 

 


(1) Hamburg, Köln, Berlin, Budapest. Falls Evan the beautiful jemals auftauchen sollte auf meiner Schwelle und mich darüber tragen wollen sollte, dann bitte bitte bitte, wer auch immer mein Trauzeuge wird (evlt @lophornia? ;)) fahrt nicht mit mir an meinen Studienort um dort einen Tag lang zu picknicken. Ich will rivers of champagne oder at least Kultur.

(2) Liebe besorgte Freunde, gewöhnt euch diesen Spruch ab. Wenn es was gibt, werdet ihr es erfahren. Und wenn ihr fragt, dann gebt euren Freunden nicht unterschwellig das Gefühl, sie wären bemitleidenswerte Geschöpfe, die in Gottes Schöpfung als einzige keinen passenden Gegenpart finden können. Denn wir könnten, aber wir wollen nicht irgendwen.