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Ich parsnippe jetzt!

Vor Längerem gab es einen von mir illustrierten Artikel in einer kostenlosen Zeitung, der von einer jungen, in Deutschland lebenden Frau äthiopischer Herkunft verfasst worden war, welche voll Irritation ob der deutschen Balzrituale schlussendlich Onlinedating für eine recht sichere Alternative hielt. Sie wurde eines Besseren belehrt (wie so viele), als der mit ihr skypende Herr mittelalterliche Waffen im Hintergrund an der Wand hingen hatte. Das erschien ihr kurios und weniger liebenswürdig und ich illustrierte die skurrile Situation mit den Bildrand überragenden Klingen und dem Schriftzug „Parsnip (engl: Pastinake).

Ich habe mich sehr lange gegen Parsnip gewehrt.

„Oh aber warum, Küken, wo man dort doch alle 11 Minuten die Liebe seines Lebens findet?“

Meine Gründe: Teures Bezahlsystem, nur humorlose Verzweifelte, es ist und bleibt Onlinedating, womit ich einfach nur lustige bis bizarre Erfahrungen hatte und die Überzeugung, dass Parsnip nur die letzte Hoffnung sein kann (O-Ton: Und wenn ich bis 35 niemanden kennengelernt habe, melde ich mich bei Parsnip an.)

Warum habe ich es doch versucht? Die dritte in meinem Freundeskreis fand dort jemanden und ich bin Vierundfuckingdreißig geworden – ich habe keine Zeit mehr für überflüssige, schwachmatige Tinderdates, weil mein Alltag ein ziemlich volles Konstrukt ist. Die sonst so kennengelernten Menschen haben sich bisher höchstens als potentielle Betthäschen herausgestellt und da Parsnip diese überragende Schlagzahl im Freundeskreis hatte, dachte ich mir: Was soll der Geiz? 34, 35, man kann’s ja mal probieren.

Meine Erfahrungen nach einem halben Jahr angemeldet sein und zwei Monaten wirklich ausprobieren: Parsnip hat mich in eine Sinnkrise gestürzt. Einerseits gibt es mir was ich suche, nämlich informierte, bindungswillige Menschen in meinem Alter, andererseits nimmt es ziemlich vielen Interaktionen die Leichtigkeit.

Parsnip wirkt todernst. Alleine die Tatsache, dass man dort reichlich Geld zahlen muss, um ein wirklich funktionierendes Profil und Austausch zu haben und den Bodensatz des Onlinedatings aussortiert zu bekommen, ist schon ein Testament dafür, wie Menschen dort einen Partner suchen: Effizient. Ein Dilemma! Denn auch, wenn das die schwachmatigen Tinderdates umgeht, ist alles schon so schnell so verdammt ernst. Gefühlt jeder Kommentar wird nach langfristig möglichen Unstimmigkeiten durchforstet und effizient kommentiert, sich verhältnismäßig schnell verabschiedet.

Das wirkt bisweilen ähnlich einem Vorstellungsgespräch und ich kann mir wenig Unromatischeres vorstellen. Außerdem traue ich mich kaum, meinen speziellen Humor raushängen zu lassen, denn das Parsnip-Volk ist so erwachsen, auf beeindrucken gepolt und gesetzt. Alles Adjektive, die zu mir nicht sonderlich gut passen. Ich trage kein beige, mag Tattoos, Kunst und Albernheiten, lerne ständig irgendwas Neues, gebe Bildungslücken zu, feiere ausschweifend und ich drücke mich vor meiner Steuererklärung, bis sie nötig wird. Ich würde Umzüge in andere spannende Städte nie ausschließen, genauso wie eine große Backpacker-Reise im Jahr zu meinen Glücksprinzipien gehört. Und so habe ich noch die Hoffnung, dass es andere seelenvolle Drifter gibt, die das Otter-Prinzip mit mir leben, oder einen Menschen, der gerne meine Basis sein würde. Ob ich dem jedoch auf Parsnip begegne – ich bezweifle es mittlerweile.

Trotzdem hat das Bezahlprinzip wirklich einen groben Vorteil: Die absoluten Dumpfbacken werden aussortiert und die Menge an Dick-Pics geht auch dramatisch zurück. Das heißt nicht, dass man nicht ab und an noch eine Nachricht bekommt ohne Satzzeichen oder ein schwachmatiges „Wo wohnt dein Sofa, Schnecke?“ aber im Großen und Ganzen ist eine gewisse schriftliche Ausdrucksfähigkeit vorhanden. Nichtsdestotrotz nutzt die auch wenig, wenn die Gespräche selbst dann halt vor allem digital verlaufen und das reale Kennenlernen aus- oder hinter den Nachrichten zurückbleibt, was bisher leider immer der Fall war. Entweder waren die getroffenen Typen bizarr („Wenn du nicht die Pille nimmst, küsse ich dich nicht.“), latent langweilig (Ja, mein Job, mein Haus, mein Auto. Wie, meine Hobbies?), oder sie fanden mich unpassend. „Ich suche schon etwas Ernstes.“ Ja, ich auch, aber deswegen muss ich doch nicht nur ernst gucken und frustriert sein? Oder meintest du jemand Ernsten?

Nichtsdestotrotz habe ich so folgende Erkenntnis errungen: Ich wirke im ersten Moment anscheinend viel ernster und unverbindlicher, als ich es letztlich bin und wo Schubladen nicht gut passen, wird sich dann verwirrt zurückgezogen. Daran etwas zu ändern, sehe ich allerdings als wenig zielführend. Ich empfinde es als Privileg, emotional und visuell anfällig zu sein. Mein inneres Kind ist nur ein Grund, weshalb ich in meinem Job gut bin.

Fazit: Parsnip hilft mir bisher persönlich nicht nennenswert bei der Entdeckung von Mr. Otter. Es macht auf jeden Fall weniger Spaß als die Hobbies, Feiern und Festivals, bei denen ich sonst so Menschen kennenlerne, kostet genauso viel und nimmt ebenso viel Zeit ein.

Und so sind wir wieder dabei, dass ich lieber freiwillig Single bleibe, bevor ich aufhöre, mich über Baby-Niffler zu freuen, damit mich jemand heiratet.

 

PS: Wenn hier jemand einen netten Otter kennt.. meine rechte Hand ist noch frei. 😉

 

 

 

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Micro Attractions

Vor Längerem hatte ich eine kurze Affäre mit Nils. Nils ist an die zwei Meter groß, konventionell gutaussehend, blond, blaue Augen, anständiger Körperbau, Vater dreier Kinder und seit Mai getrenntlebend.

Nils verhalf mir dabei unerwartet zu folgenden Erleuchtungen:

1– Sexting wird irgendwann langweilig. Ich bin unsicher, ob es das Alter ist, weil man schon den einen oder anderen Chat in die Richtung hinter sich hat und es irgendwann auch die Spannung des Neuen verliert, meine Genervtheit von Social Media oder die Grundstimmung, dass Sex zwar toll ist, aber eben auch nicht alles – es war langweilig.

2- Smalltalk kann über Monate gehen. Insbesondere, wenn einer gerade umzieht, auf Geschäftsreise ist und/oder im Urlaub.

3- …und dann sofort abbrechen, wenn die endlich daraus resultierende körperliche Entladung von Sexual Tension nicht an das heranreicht, was man sich so ausgemalt hat. Ein bisschen so wie Weihnachtsmarkt-Essen. Sieht bombastisch aus, schmeckt aber im Schnitt etwas schlechter als durchschnittlich, weil es nur lauwarm ist.

4- Es gibt zu simpel. Ich erkenne an, dass ich ein einigermaßen komplexer Charakter bin, der mitunter auch anspruchsvoll zu handhaben sein mag. Und ich gestehe: Ich mag das auch bei anderen. Oberflächliches und Unverbindliches ist meine Zeit nicht wert.

 

 

Und so bin ich frohen Mutes ob der Zeiten, die noch kommen, auf dass es wohl doch noch intelligente Männer geben mag, die vielleicht nur gleich groß sind und dann blond wären, wenn sie sich die Haare nicht färben würden, aber dafür an einem Abend so viele Rätsel aufgegeben haben, dass es definitiv spannend bleibt. 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Vleisch

Über Veganer kann man ja denken, was man will. Und ich bin definitiv nicht die Person, die Ernährungsdiskussionen anfängt. Ich bin vielleicht die Person, die ihre Prinzipien vertritt und Gründe nennt, wenn sie mit „ABER WARUM?“ abgenervt wird, aber ich springe nicht aus der Speisekammer und ramme jemandem eine sechs Kilo Gurke in den Hintern, wenn er gerade von der Salami nascht.

Was mich allerdings endlos abnervt, sind Menschen, die Veganer für unfassbare Missionare halten, die Fleischfressern gegenüber intolerant sind und selbst sind es diese Fleischfresser, die dann sagen: „Jetzt stell‘ dich nicht so an, das bisschen Speck“, „Ich habe einen Braten gemacht, den wirst du doch wohl probieren!“, „Mach‘ doch mal eine Ausnahme.“, „Woran erkennt man einen Veganer – Er erzählts dir, hahahaha!“

Letztlich so in meiner Familie geschehen. Ich – seit einem halben Jahr Pflanzenfresser – komme mal heim und was wartet auf mich? Ein vier Kilo Roastbeef-Massaker und etwas Ofengemüse im Bratenjus.

Ich habe dann Kartoffelbrei gegessen. Zum Glück ohne Butter gemacht, sonst hätte ich gefastet. Aber mal ehrlich: Wie schwer kann es sein, die Entscheidungen eines Familienmitgliedes zu respektieren? Und wie weh tut es, das Gemüse vielleicht nicht im Bratenjus zu backen, eventuell eine von sechs Tüten Chips ohne Bacon oder Cheese and Onion Geschmack zu kaufen und neben dem Wurst- und Käsebuffet für die ganze Familie auch noch eine Marmelade zu besitzen?

Wäre ich allergisch, würde meine Familie mich anscheinend umbringen wollen. So wollen sie mir anscheinend nur deutlich zeigen, wie wenig sie meine Entscheidungen und Wünsche respektieren. Dabei hatten sie so gut angefangen, als wir das letzte Mal zusammen zum Essen aus waren.

 

 

 


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Freiwillig Single

Seit meinem Geburtstag bin ich nun nicht mehr Anfang sondern Mitte dreißig und gehöre damit offiziell dem Club der „Langzeitsingles Mitte 30“ an. Ich breche schon ein bisschen in meinen Mund wenn ich das nur lese. Buargh.

Eine Kollegin von mir – verheiratet, zwei Kinder –  sagte letztens mitfühlend (hier anstrengende Stimme einfügen): „ALSO ich kann mir nicht vorstellen, wie es DIR geht, aber ICH habe für mich eine Trennung ausgeschlossen, weil ich bei dem Gedanken, Mitte 30 alleine zu sein schon Panik kriege. Auch wenn meine Ehe nicht so stabil ist.“

Atmen, dachte ich, atmen.

Dann dachte ich: „Als ob ich freiwillig Single wäre.“

Und dann dachte ich: „Nah, eigentlich bin ich freiwillig Single.“

Denn seien wir mal ehrlich: Ich bin lieber Single und gut drauf, als verheiratet und Workaholic, weil die Ehe so beschissen ist. Und ich bin lieber Single und gut drauf, als in einer quatschigen „Beziehung“ mit Mr. Ich-kann-mich-nicht-einlassen-und-bin-in-einer-Findungsphase (37) oder Ich-habe-mich-gerade-getrennt-und-muss-noch-mal-rumbumsen-will-aber-eigentlich-meine-Frau-zurück-in-einer-offenen-Ehe (33) oder Ich-habe-zwei-Kinder-aber-ich-habe-keinen-Sex-mehr-mit-meiner-Frau (32).

Trotzdem wünsche ich mir manchmal, Menschen würden einfach aufhören, mir Tips geben zu wollen, insbesondere meine Familie. Hier übertrafen sich verschiedene Mitglieder gegenseitig mit den Worten:

„Wenn ich nicht mit 35 Kinder bekommen hätte, wäre der biologische Ticker mit 42 auch vorbei gewesen, du musst nur so lange durchhalten, dann geht das weg.“

und:

„Stell viele Fragen und rede nicht so viel, erst recht nicht über dich selbst. Dann sind die Männer davon überzeugt, dass du eine ganz tolle Gesprächspartnerin bist und fühlen sich gewertschätzt.“

und:

„Naja, du wirkst halt nach außen viel härter als du bist, das enttäuscht bestimmt viele, wenn sie dich näher kennenlernen.“

 

Ich sage dazu: Vielen Dank, liebe Familie und liebe Kollegin. Ich bin gerne freilwillig Single, bis ich jemanden kennenlerne, der passt und für den ich mich nicht verstellen, klein machen, weich machen, hart machen, im Zölibat leben, grundsätzliche Prinzipien brechen oder mich irgendwie sonstwas verbiegen muss. Und wenn das nie passiert, dann bleibe ich gerne  Single und schlage mir weiter mit zu viel Jägermeister und meinen anderen Singlefreunden die Nächte um die Ohren bis die Wolken wieder Lila sind.

 

 


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Persönliche Fettlogiken

Vor über einem Jahr habe ich an dieser Stelle schonmal schamlos Werbung für die Aufklärungsschrift „Fettlogik überwinden“ gemacht, deren rätselhafter Titel sich schnell folgendermaßen erklärt: Als Fettlogik wird eine Überzeugung bezeichnet, welche wirkungsvoll verhindert, dass der Überzeugte erfolgreich sein Körpergewicht kontrolliert.

Märchen wie „Wenn du unter deinem Grundumsatz isst, fällst du übermorgen tot um(1), kommst in den Hungerstoffwechsel und dein Körper gibt nichts mehr her(2) und dann machst du deinen Stoffwechsel kaputt und weil du so viele Diäten gemacht hast, ist er sowieso schon kaputt (3) und deswegen nimmst du nicht ab, obwohl du dich an 1000 kcal am Tag hältst (4).“ werden darin gründlich- und vor allem wissenschaftlich durch mehrere, von größtenteils verlässlichen Quellen zitierte Verweise- außer Kraft gesetzt. Und es bleibt die Erkenntnis: Ich bin zu dick, weil ich mehr Kalorien zu mir nehme, als ich verbrauche.

Bei den meisten führt das zu einer Art Wiederentdeckung der Selbstwirksamkeit. Auf einmal nehmen die Menschen nur noch 500 -1000 kcal zu sich, nehmen ab, merken es funktioniert und BÄM – endlich schlank. Auch ich habe dank des Buches 18 Kilo abgenommen und meine Leidenschaft fürs Laufen entdeckt.

Trotzdem, gerade am oberen Rand des Normalgewichtes (was nicht mein Ziel ist – hint hint) halten sich einige Fettlogiken immer noch unfassbar hartnäckig und schleichen sich auch zeitweilig wieder ein, so dass es sich für mich nun ergeben hat, dass ich el Bibel noch mal lesen wollte. Und was soll ich sagen: Es war wie ein Wiedererwachen. Wahrscheinlich habe ich das Buch jetzt besser durchgearbeitet mit Schnippies und Marker, als je eine Lektüre in der Uni.

Hier meine hartnäckigen vier:

  • (Fett-)Logik 1: Ich tue ja schon so viel, das ist schon sehr gut. Dass ich mich nicht besonders stringent an den Plan halte – irgendwann macht es schon wieder klick und DANN werde ich schlank.

Fakt ist: Dieses Leben ist 100% meine Verantwortung, es ist nur eines und es ist viel. zu. kurz. Niemand wird mich retten, nur ich kann das – egal worum es geht. Und wenn ich länger gesund leben und all das erleben möchte, von dem ich träume, dann ist jetzt nicht eine Sekunde zu früh.

  • Fettlogik 2: „Mein Körper kann heute keinen Sport machen, er muss essen.“ Lacht nicht, es gibt so Tage, da verkrieche ich mich vor der Verantwortung, meinen Hintern nach draußen zu bewegen und schaufele stattdessen unendlich Futter in mich hinein, um irgendein emotionales Loch zu stopfen.

Fakt ist: Die Motivation bekommt man nicht geschenkt. Es gibt Dinge, bei denen man nicht darauf warten kann, sonst tut man sie nie. Durch nur leichte Bewegung werden die chemischen Stoffe im Gehirn schon wieder ausbalanciert und welche emotionale Durststrecke auch immer da vorhanden sein mochte, flacht automatisch ab. Tipps zum Anfangen gibt es noch mal in einem anderen Blog.

  • Fettlogik 3: Wenn ich auf dem Geburtstag/dem Spieleabend/blablabla bin, dann schaffe ich es, mich an meine Kalorienbegrenzung zu halten.

Fakt ist: No fucking way. IMMER und ich meine IMMMER auf Feiern, kriege ich den Futterkasper weil es alles so lecker ist, oder ich den Fehler mache, irgendwas zuckerhaltiges zu essen und in ein Suchtverhalten zu fallen. Da helfen folgende Taktiken: 1- Es ist nicht egal. Es muss aufgeschrieben und weinend über mehrere Tage ausgegelichen werden. Wenn ich das weiß, esse ich sofort weniger. 2- Vorher möglichst kalorienarm speisen aka. Gemüsesuppe für alle und satt. 3- Alkoholkalorien und Nachtpommes einplanen. Sie werden passieren. Ich weiß es, jeder weiß es – also schon mal aufschreiben. 😉 Tipps zur Schadensbegrenzung und trotzdem Spaß haben auf der Feier gibt es auch noch mal separat.

  • Fettlogik 4: Das esse ich jetzt noch auf, weil ich das darf laut Budget, auch wenn ich (zur Abwechslung mal) merke, dass ich satt bin.

Fakt: So eine dumme, dumme Idee. Dadurch weitet sich der Magen, größere Mengen werden verlangt, bevor ich satt bin und am Ende landen wir bei den legendären 1500 Gramm Salaten, die in der Facebook FLÜ Gruppe immer geteilt werden, bei denen mir schon beim Anschauen schlecht wird. Eintuppern, wegpacken, ich weiß, dass ich kurz vorm Schlafengehen oft noch mal einen irrationalen Snackhunger verspüre und dann wäre es total schlau, den Rest der eingeplanten Portion zu snacken.. oder zumindest davon.

Dies gilt übrigens auch für Restaurants und wenn man nett danach fragt, ob man die Portion eingepackt bekommen kann, ist das in der Regel selten ein Problem. Meine BFF und ich haben darüber hinaus auch schon über Mitbring-Tupper nachgedacht, zur Erleichterung und ggf. Müllvermeidung. Schaut mal, was ihr draus macht. 😉

  • Fettlogik 5: Das muss jetzt gegessen werden, obwohl ich es nicht sonderlich möchte, beispielsweise Bambussprossen oder das Curry von vor-vorgestern, sonst wird es schlecht oder es muss weggeworfen werden.

Fakt: Wenn ich tatsächlich nur eine richtig nette Mahlzeit am Tag habe, wieso um Himmels Willen soll ich mir dann drei Wochen alte Bambussprossen reinlatten, die ich ohnehin eklig finde und nur gekauft habe, weil ich das vergessen hatte? Oder das trockene Brot, oder zum vierten Mal Curry oder, oder, oder.. Das ist, als würde man als Gutverdiener zu Primark gehen und dort unter schlimmsten Bedingungen hergestellte, minderwertige Kleidung aus Plastikfaser kaufen, die man auf der Haut kaum erträgt, weil man noch Geld übrig hat und sich Kleidung kaufen muss und „Die Sachen halt gekauft werden müssen und eh da sind.“

Immer, wenn ich etwas zu mir nehme, dass ich nicht brauche oder eigentlich nicht essen will, tue ich mir – streng genommen – Gewalt an. Niemand zwingt mich, aber ich zwinge mich und zwar nicht zu etwas Sinnvollem, wie Bewegung oder Geld zum Leben zu verdienen, sondern ich nutze meinen Körper im schlimmsten Fall als eine Art Mülleimer. Anstatt das Essen also im Müll zu entsorgen, entsorge ich es in mich? Das klingt irgendwie falsch.

Essen sollte, und das ist meine persönliche Überzeugung, nie mit Zwang, Pflicht oder Unwohlsein verbunden sein. Man sollte seinem Körper damit etwas zuführen, was er gebrauchen kann. Auch bewusster Verzicht ist kein Zwang, sondern eine Entscheidung. Nicht zu unterschätzen ist dabei die psychologische Ebene der Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit und -Pflege und der Effekt, den es hat, wenn man in jeder Situation wirklich bewusst das isst, was man auch wirklich gern essen möchte (Thema Buffet und Beilagen..)

Essen wegzuwerfen fällt mir auch unfassbar schwer. Die Lösung liegt also im ersten Schritt in der Müllvermeidung, d.h. weniger kaufen, mehr einfrieren, Einkaufsliste, haltbares Essen, kleinere Portionen kochen, aber hat das alles mal nicht geklappt, sind verschenken (Tipp: foodsharing) und wegwerfen völlig legitim und nur ein Bruchteil dessen, was Restaurants und Supermärkte täglich entsorgen (App-Tipp: Too Good to Go).

——

Ich werde diesen Katalog weiterführen und nehme gerne weitere Fettlogiken auf mit ihrer faktischen Umsetzung. 😉

Für mich die wichtigste Erkenntnis ist, dass ich immer noch mal wieder einen Reminder brauche, wie schädlich Übergewicht ist und dass jeder Tag, den ich meinen Körper in diesem Zustand belasse, meine Chancen früher mobiliäts- und lebensbedrohlich zu erkranken erhöht. Ich will das nicht. Meine Cellulite und die Hautschlappen sind mir schnurz, ich will einfach nur mit 80 noch alle Zehen haben und mir nicht ständig Insulin spritzen müssen, die Berge bewandern und nicht nur Butterfahrten machen und mit meinen Enkeln (haha, wer meinen Track Record bei den Herren kennt… XD) spielen und zwar nicht nur MauMau (die Gehirntätigkeit wird übrigens durch schweres Übergewicht auch eingeschränkt – just saying!), sondern auch Fußball. Mit dem neuen Knie mitte 50 habe ich schon meinen Frieden gemacht, aber auch das hält länger, wenn ich Idealgewicht habe.

 

 

 

 


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Zwei und zwei Jahre

Mai: Erstes Treffen, verkleidet, du einäugig bucklig, ich Esmeralda. Funken fliegen über dein Kostüm hinweg. Wir lachen, du verstehst meinen Humor, fährst einen alten Amerikaner und gehörst in meine Szene obwohl du dein Leben im Griff hast. Du hast auch eine Freundin und redest nicht gut über sie, aber ich bin jung und ich verstehe nicht, was das heißt. Deine Selbstironie und deine Art imponieren mir. Du sagst: „Die Alte, die verlasse ich auch nicht. Aber Freunde sein, das geht?“ Hätte ich mal nein gesagt, aber stattdessen sage ich: „Okay.“

Juni: Wir reden, du rufst an und jammerst und ich denke arrogant was du laut sagst: „Mit dir wäre das alles besser.“ und ahne nicht, dass eine Menge Büchsen Pandoras dort warten, wo langsam deine Beziehung verreckt. Sommer, Sonne, Sommersprossen, „Willst du noch ein Guinness und was hältst du von dem Film?“ und ich denke, als wir uns später küssen: „Das ist eine total dumme Idee.“ Aber wir klicken, wir verstehen uns blind und nonverbale Kommunikation ist so günstig, wenn man die Wahrheit ignorieren will.

Januar: Erst trennst du dich, trennst dich dann doch nicht, willst aber doch mich und meldest dich und ich – ich schiebe Dramen und schreibe erwachsene Briefe und schicke dir selbstgebrannte CDs mit Adele und du sagst, dass du mich liebst und Zeit brauchst und Abstand von allem, den es dann doch irgendwie nicht gibt. Und es fällt mir schwer einzugestehen, dass ich doch nicht besser bin und hier irgendwas verliere.

August: Zur Hochzeit unserer Freunde gehe ich nicht, weil ich dein Gesicht nicht sehen will, aber dann kommt die Nachricht: „Können wir uns treffen? Aussprechen wäre vielleicht richtig?“ und ich bin nichts wenn nicht diplomatisch, aber ich wünschte, ich hätte nein gesagt. Stattdessen habe ich geflennt.
Vier Monate ist das was dann passiert beinahe Beziehung und kaufst Betten und Weihnachtsgeschenke mit mir und dann kommt Silvester und als ich dich anrufe „Wann kommst du?“ kannst du nicht und hast Gewissensbisse – und ich lege einfach auf.

April: Sinneswandel, Postkartengeständnisse, jeden Dienstag ein Paket – ich habe schon ein lebenslang laufendes, ignoriertes Blumenabo akzeptiert, da hast du dir, klar geistig umnachtet, meine Unterschrift auf den Arm tätowiert. Anscheinend bin ich geistig verreist und anstatt dich als Stalker bei der Polizei anzuzeigen sage ich: „Ich will Kinder und Familie, dass du aufhörst zu rauchen und jemanden, der mich aufrichtig liebt.“ Du nickst, denn versprechen kann man viel und wenn mein Name auf deinem Arm kein Versprechen ist – ernsthaft ist wichtiger als Stil.

Mai: Dritte Chance, dritter Versuch – und zur Krönung des ganzen schenkst du dir die Burgruine, eine zeitgemäße Immobilie, erst 1000 Jahre alt – und auch fast nicht einsturzgefährdet. Frierend lieg ich im Winter im unbeheizten Zimmer, denn bei mir bist du quasi nie, die Burg braucht dich sagst du und das kenne ich schon irgendwie. Ich starre an die dunkle Decke, Muff liegt in der Luft. Klar wollte ich immer Prinzessin sein, aber das meinte ich echt nicht so wortwörtlich – und vor allem wollte ich dann auch den Prinzen… Aber selbst wenn mir das Verständnis fehlt, habe ich immerhin gelernt, wie man Fußböden ölt. Wie Crocs und Muscleshirts sind wir zwar hässlich, aber halt irgendwie bequem und ich noch nicht geheilt von meiner Idee, dich doch irgendwie noch wirklich rumzukriegen, zu Nähe und Familie – es fiel mir schon immer schwer zu scheitern und jetzt doch zu gehen. Denn wenn alles andere nicht Grund genug war, welchen habe ich dann jetzt?

Mai: Es wird warm und ich beschneide deine Rosen, die Katze liebt mich und ich liebe sie, vielleicht mehr als dich – immerhin will sie Familie.  Du rauchst weiter Kette und trinkst Cola wie Wasser und das regt mich auf. Auf meinen Smiley antwortest du nicht mehr und ein paar Stunden danach stehst du wie das Leiden Christi in meine Küche, tust so, als trennst du dich aus Selbstlosigkeit von mir, dabei hat deine Kollegin schon den Hausschlüssel von dir. Ich weine hauptsächlich aus Reflex, das ist halt meine Rolle, zum Glück knickst du nicht ein, lässt meinen Schlüssel auf dem Tisch liegen und schließt die Tür hinter dir und ich erinnere mich, dass ich gerne hundertmal Nein gesagt hätte und ärgere mich kurz mal dabei.

Du akzeptierst die Liebe, die du glaubst zu verdienen, das habe ich verstanden wegen  dir.  Dank dir habe ich gelernt, was ich brauche und wer mich nicht verdient, dass was sich scheiße anhört auch scheiße ist und es dazwischen nicht so viel gibt.  Dass große Freiheit auch Gleichgültigkeit bedeuten kann und Geschenke kein Beweis für Gefühle sind. Dass ich alleine Flügel habe und Soap Operas gar nicht so cool sind, wenn man sie lebt.


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Anderthalb Jahre

 

  1. Zustand, in dem jemand von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen frei ist und sich in seinen Entscheidungen o. Ä. nicht [mehr] eingeschränkt fühlt; Unabhängigkeit, Ungebundenheit
  2. Möglichkeit, sich frei und ungehindert zu bewegen; das Nichtgefangensein
  3. Recht, etwas zu tun; bestimmtes [Vor]recht, das jemandem zusteht oder das er bzw. sie sich nimmt

 

Als es anfängt, bin ich frei.

Keiner da, der mich zurückhält, eigene Wohnung, eigenes Geld, eigene Entscheidungen, noch nicht lange bin ich frei, aber frei bin ich trotzdem und du – du passt gut dazu. Meistens bist du nicht da und wenn, dann unterstützt du mich und ich kann tun, was gerade wichtig ist, meinen Master schreiben zum Beispiel.

Du, mit deiner Band, mit deinen Auftritten, deinem Bart und deiner Ziellosigkeit. Du bist belesen, wirkst viel älter als du bist und hast zu allem eine Meinung und irgendwas zu sagen. Am Anfang imponiert mir das, von weitem sieht es aus wie Bildung.

Dein T3 gefällt mir und dein Angehimmele gefällt mir und deine Musik, ja die Musik die ihr macht gefällt mir auch. Die Szene und die Gedankenspielchen, die damit einhergehen, die kreativen Ausbrüche, die Ideen, die bunten Wochenenden. Freiheit in irgendwie Gebundenheit, aber nur irgendwie. Denn irgendwie bleibt mein Herz immer frei, irgendwie nehme ich das alles nicht wirklich ernst und irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen –

Bis herauskommt, dass deine angepriesene Familiengeschichte zu 80% unwahr ist und du sie nur erzählst, um Eindruck zu schinden. Bis herauskommt, dass du gelogen hast, als du sagtest, du machst deine zweite Ausbildung zu Ende. Bis du das zweite Mal bei mir für Wochen einziehst ohne einen Cent Geld und ich uns mit meinem Studentenbudget durchfüttere. Ich seufze, ich diskutiere, ich berate und ich kommuniziere. Du weinst. Ich seufze wieder. „Es ist dein Leben, aber wenn das alles ist, was du vom Leben willst, dann wird das nichts mit uns“, sage ich, nach einem Jahr. Ich habe gut reden, denn ich bin immer noch frei.

Bis ich meinen Job anfange – und auf einmal ändert sich alles, denn meine Schüler sind reifer als du, sind gebildeter und konsequenter und fleißiger als du, sind zielstrebiger und erwachsener als du – obwohl sie erst 17 sind und alles was ich sehe, wenn ich dich treffe ist deine Verlorenheit und der Versuch, sie zu verstecken. Alles was ich empfinde ist Unwille, die Verantwortung für dich zu übernehmen, die du mir aufdrücken willst, ich ersticke unter deinen Liebesbekundungen aus Verzweiflung und bin entsetzt über deinen Mangel an Selbstständigkeit. In meiner Welt wirst du zu einem kleinen Jungen und ich fühle mich schäbig und alt.

Also tue ich das einzig richtige: Ich verteile Freiheit. Freiheit, die du nicht willst, die dich überfordert, denn hätte ich dich bemuttert, wäre dir das lieb gewesen. Freiheit, die ich nie verloren habe und die du erst wieder mühsam lernen musst.

Sie hilft dir dabei, lässt dich bei sich wohnen und nachdem du erstmal eingezogen bist, ziehst du auch nie wieder aus.